Gelber Bodhisattva, Sumtsek-Tempel © Peter van Ham
Gelber Bodhisattva, Sumtsek-Tempel © Peter van Ham

Alchi - Klosterjuwel im Himalaya

Tibetisch-buddhistische Bildwerke  aus dem 11. Jahrhundert in monumentalen Fotografien

 

Fantastische Fresken und Holzschnitzereien, fulminanter Figurenreichtum, hinreißende Farben: Das buddhistische Kloster Alchi in Ladakh zählt zu den bedeutendsten und besterhaltenen Kunstschätzen im Himalaya. Nun ist das „Klosterjuwel im Himalaya“ im Museum am Rothenbaum (MARKK) zu bewundern ꟷ in den raumumspannenden, monumentalen Fototapeten des Frankfurter Forschers, Autors und Fotografen Peter van Ham. Ein wahres Ganzkörpererlebnis.

 

Ein Schritt durch die Tür und man steht mittendrin in dieser überwältigenden Tempelanlage. Vergisst Zeit und Ort, und lässt die Kraft und Schönheit dieses Heiligtums auf sich wirken und bewundert das Können der Künstler aus Kaschmir und anderswo, die im 11. Jahrhundert dieses Meisterwerk buddhistischer Kunst geschaffen haben. Über 800 Jahre war Alchi, die auf 3500 Metern Höhe am Südufer des Indus gelegene, wohl älteste Klosteranlage des ehemaligen Königreichs Ladakh, im Dornröschenschlaf versunken. Das war ihr großes Glück.  Während andere Klosteranlagen im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Invasoren zerstört wurden, blieb diese Anlage unberührt. Das trockene Klima trug dazu bei, dass Alchis detailreiche und miniaturähnliche Kunstwerke die Zeit so gut überstanden und heute faszinierende Einblicke in das geistliche und weltliche Leben des mittelalterlichen Kaschmir und West-Tibets geben können.

 

Doch das Kleinod ist aktuell stark bedroht. Seit Anfang der 1970er Jahre darf Ladakh bereist werden. Erst kamen nur wenige Abenteuerlustige, doch seit gut einer Dekade hat sich das Land zum regelrechten Tourismusmagneten entwickelt. Rund 30.000 Menschen besuchen jährlich die jahrtausendalte Tempelanlage und tragen mit ihrer feuchten Atemluft zum Verfall der Fresken bei. Die Sorge um den Erhalt des einzigartigen Kulturschatzes war wohl auch der Grund, warum Peter van Ham die streng gehüteten Bereiche des Klosters mit hochauflösender Bildtechnik über Wochen hinweg dokumentieren durfte. Der Frankfurter forscht seit 1987 im Himalaya und hat sich mit seinen Ausstellungen, Büchern und Vorträgen über die Kunst der Region einen exzellenten Ruf erarbeitet. Der Dalai Lama kennt Peter van Ham persönlich, hat mehrere Vorworte zu seinen Büchern beigesteuert. Die Genehmigung, diese einzigartige Tempelanlage zu fotografieren, war dennoch ein ganz besonderer Vertrauensbeweis.

 

Kunsthistorisch besonders bedeutsam sind die beiden ältesten Tempel Alchis, der Dukhang (Versammlungshalle) und insbesondere der dreigeschossige Sumsek, der in Hamburg in annähernder Originalgröße gleichsam fotografisch rekonstruiert erscheint. Seine minutiös gestalteten Wandbilder wetteifern mit drei Kolossalstatuen, knapp fünf Meter hohen Gottheiten. Auf der einen Seite ragen sie vom Erdgeschoss aus in die Höhe, von der anderen Seite schauen ihre Köpfe aus den Nischen im ersten Stock. Im unteren Bereich finden sich auch zwei Fresken, die zu den Höhepunkten in der Kunst Alchis zählen: Eine sechsarmige, grüne Göttin auf einer Mondscheibe im typisch kaschmirischen Stil und die aus kosmischem Buddha und hinduistischen Göttern bestehende „Himmlische Versammlung des grenzenlosen Lichts“. Hochinteressant aber ist auch der Holzvorbau des Sumtsek, in dem verschiedene Stilepochen des antiken griechischen Tempelbaus zu finden sind und klar machen, wie weltoffen die buddhistische Lehre und wie stark der Austausch der Kulturen vor tausend Jahren in den Hochgebirgszonen des Himalayas bereits waren.

 

Vor allem aber haben die intensiven Beschäftigungen mit den Wandmalereien und Inschriften in Kooperation mit der Tibetologin Amy Heller zu neuen Erkenntnissen geführt:  Die Gründung Alchis wird seitdem auf das 11. Jahrhundert datiert ꟷ zwei Jahrhunderte früher, als bislang angenommen. Und nicht nur Männer, auch Frauen konnten damals den Rang höchster Erleuchtung erreichen, wie die Analyse der Fresken und Inschriften des ältesten Tempels belegen. Erstaunlich, da die Erleuchtung im tibetischen Buddhismus bisher nur Männern vorbehalten war.

Für den Dalai Lama und Peter van Ham aber ist vor allem eines wichtig: Dass diese Ausstellung und der dazu erschienene Bildband die Schönheit und Fragilität des Klosterjuwels in die Welt tragen, um Hilfe für die dringend notwendigen Restaurierungen einzuwerben. Vielleicht erreichen sie es ja auch, dass Alchi endlich als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wird. Vorgeschlagen dazu ist es seit Mitte der 1990er Jahre. Man fragt sich, worauf die UNESCO eigentlich wartet!

 

„Alchi – Klosterjuwel im Himalaya. Monumentale Fotografien“, ergänzt durch einige Objekte aus der hauseigenen Sammlung.
Bis 7. März 2021, MARKK, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg, Di bis So 10 - 18 Uhr, Do bis 21 Uhr.
Alle Infos unter www.markk-hamburg.de

 

 Bitte beachten Sie, dass das Museum corona-bedingt bis vorerst 30. November 2020 geschlossen bleibt.

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