Alcina im Allee Theater © Dr. Joachim Flügel
Alcina im Allee Theater © Dr. Joachim Flügel

Premiere im Allee Theater: Alcina

Barock pur: Händels wohl schönste Arien auf der Bühne des Allee Theaters

 

Sie ist schön und sie ist mächtig. Sie lockt die Männer auf ihre Insel und verführt sie. Und wenn sie die Männer satt hat, verwandelt sie sie in Tiere, Steine oder Pflanzen: die Zauberin Alcina. Von ihr erzählt das italienische Versepos „Orlando furioso“ aus dem 16. Jahrhundert, auf das das Libretto von Händels Oper „Alcina“ zurückgreift.

 

„Es ist eine der tollsten, der ausgereiftesten und perfekt strukturiertesten Händel-Opern“, begeistert sich Marius Adam, Intendant des Allee Theaters. „Es war bei der Auswahl dieses Werkes für mich ganz wichtig, dass ich eine Oper auf den Spielplan setze, die sowohl musikalisch als auch dramaturgisch das volle Können Händels zeigt.“

 

Vor zwanzig Jahren stand „Alcina“ (1735 in London uraufgeführt ) schon einmal auf dem Spielplan des Theaters, das im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert – damals in einer szenischen Aufführung, in der Bariton Marius Adam selbst als Sänger dabei war. Diesmal gibt es die Oper „nur“ konzertant, was musikalisch ganz sicher keinen Verlust bedeutet. Händels Musik repräsentiert eine reiche Gefühlswelt, die auch ohne äußere Handlungsstränge zu verstehen ist. Dass alle Arien sozusagen als Solonummer konzipiert sind, kommt dem Intendanten in Corona-Zeiten zugute. Von sieben Sängern
ist immer nur einer auf der Bühne. Allerdings musste das Orchester in der Kammeroper wegen der
Hygiene-Bestimmungen auf vier Streicher begrenzt werden.

 

Die konzertante Aufführung ist für Marius Adam durchaus keine Notlösung. „Ich möchte eine zweite Ebene für das Theater schaffen“,
erklärt er. Das gilt auch für die weitere Zukunft. Konzertante Aufführungen sollen mit szenischen abwechseln, wobei – wie zurzeit auch
die auf vier Personen abgespeckte „Carmen“ – die szenischen Inszenierungen generell modernisierte Fassungen in deutscher Sprache sind.
Die konzertanten Opern hingegen sollen im Kontrast dazu klassisch und in der Originalsprache bleiben. Für „Alcina“ bedeutet es, dass
italienisch gesungen wird. Die Sänger tragen üppige Barockkostüme, die zauberische Atmosphäre wird durch Lichteffekte untermalt.
Als Moderator ergänzt Lutz Hoffmann vom Freundeskreis des Allee Theaters die Aufführung mit verbindenden Texten  zu Inhalt und den Hintergründen der Oper.

 

Die märchenhafte Geschichte birgt Leidenschaft, Liebe, Eifersucht, Tragik und Dramatik pur in sich. Alcina, die den Krieger Ruggiero
verhext hat, ist zum ersten Mal wirklich verliebt. Ruggieros Verlobte Bradamante gelingt es jedoch, ihn aus dem Bann der Zauberin
zu befreien. Das Fatale für Alcina: Wenn sie die Liebe eines Mannes verliert, büßt sie für immer ihre Zauberkräfte ein. Ihrem Reich droht
damit der Untergang.

 

„Auch große Häuser greifen zurzeit gern auf Barockopern zurück“, sagt Marius Adam, weil darin meistens  wenige Personen auf der Bühne
stehen und sie nur ein kleineres Orchester erfordern. „Sie sind auch eine große Chance für Countertenöre.“ Zu Händels Zeiten gab es
bis zu vier Countertenöre in einer Oper. Heute kommen sie nur noch selten zum Einsatz. Der Intendant der Hamburger Kammeroper
freut sich, gleich zwei Sänger alternierend für die Rolle des Ruggiero zur Verfügung zu haben: Joel Vuik, der vor zwei Jahren die Titelpartie
in Vivaldis „Orlando furioso“ sang – ebenfalls eine Oper mit dem Zauberthema der Alcina - , und dem Chinesen Meili Li, der 2016 beim
Londoner Händel-Festival den renommierten Farinelli-Preis gewann. Die Alcina wird unter der Leitung von Ettore Prandi von
Svenja Schicktanz gesungen.

 

„Ich stelle einen sehr hohen Anspruch an Kunst und sängerische Ebene“, sagt Marius Adam. In den drei Jahren seiner Intendanz am
Allee Theater habe er künstlerisch viel Potenzial aufgebaut. Und: „Ideen habe ich genug – man muss sie nur verwirklichen können, ohne
altbacken zu werden.“ Auf jeden Fall aber will er weiterhin junge Künstler fördern. „Sie sind am Anfang nicht immer perfekt, aber auch da
muss man das Potenzial erkennen. Das macht viel Arbeit, aber die Mühe lohnt sich.“ Viele seiner Schützlinge haben später Karriere gemacht. Einige kommen auch gern wieder an das kleine Haus an der Max-Brauer-Allee zurück – wie zum Beispiel der mexikanische Tenor
Rodrigo Porras Garulo, der inzwischen sogar schon an der Mailänder Scala auftrat. Er sprang vor zwei Jahren als „Rigoletto“ ein, als zwei
Tenöre am Allee Theater krank wurden.

 

Auch auf seine dramaturgischen Entdeckungen - fast unbekannte kleine Opern-Kostbarkeiten - will der Intendant künftig nicht verzichten.
Geplant für das Jubiläumsjahr 2021: eine Fortsetzung von Mozarts  „Zauberflöte“ mit einer Textfassung von Goethe. Adams Lieblingsoper
hingegen ist ein bekannter Klassiker: Verdis „La Traviata“. „Eine Herzensangelegenheit für mich. Meine Großmutter war der größte Fan
dieser Oper. Ich bin damit aufgewachsen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich schon als Kind immer wieder gesungen habe“ – und
später ein großer Opernsänger wurde.

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