Peter Lorre, Der Verlorene, 1951 © Staatsarchiv Hamburg
Peter Lorre, Der Verlorene, 1951 © Staatsarchiv Hamburg

Close up - die Filmstadt Hamburg in Nahaufmahme

Hamburger Film- und Kinogeschichten von den Anfängen bis zur Gegenwart

 

Wer an Hamburg denkt, denkt an Hafen und St. Pauli, an Pfeffersäcke und Speicherstadt.
An Kino eher nicht. Und doch ist Hamburg eine Filmstadt. Sicher nicht so berühmt wie Berlin oder München, dafür mit unverwechselbarem Charakter: Filme aus Hamburg sind schroff und urban, lebensnah und multikulti.

 

Das Altonaer Museum blättert mit „Close-up“ nun Hamburgs Film- und Kinogeschichte(n) von den Anfängen bis zur Gegenwart auf. „Nordsee ist Mordsee“ (1976) von Hark Bohm war eine Zäsur. Eine Offenbarung für die Nachkriegsgeneration. Kein süßlicher Heimatfilm, keine harmlose Unterhaltung mehr, vielmehr knallharte Realität, die das Lebensgefühl zweier Halbstarker aus der Unterschicht beschreibt. Die Jungs schippern mit geklauten Jollen elbabwärts, weil sie es zuhause nicht mehr
aushalten. Für den 14-jährigen Uwe Bohm war es der Anfang seiner Schauspielerkarriere; sein Adoptivvater, der Filmemacher, Schauspieler und Menschenfreund Hark Bohm, schuf damit
das Aushängeschild für den Aufbau der „Filmstadt Hamburg“: Das Hamburger Filmbüro, das Hamburger Filmfest, der Filmstudiengang an der Uni Hamburg – alles ist seiner Initiative zu verdanken. Mit einem Mal hatte der „Junge deutsche Film“ eine ganz eigene, unglaublich starke Stimme im Norden. Politisch, gesellschaftskritisch, authentisch.

 

Für Regisseur Fatih Akin ist Hark Bohm „mein Leuchtturm für alles“. Ein Mentor, ein Freund, ein Vorbild. Gemeinsam haben sie „Tschick“ (2016)
verfilmt, als Co-Autor war Bohm an Akins „Aus dem Nichts“ (2017) beteiligt, im „Goldenen Handschuh“ (2019) sitzt Bohm als abgerissener Stammgast in der Kiez-Kneipe. Die Original-Filmkulisse dieser Kneipe steht nun in ihrer ganzen Trostlosigkeit im Altonaer Museum. Als begehbares Ganzkörpererlebnis, aber auch als Referenz an Fatih Akin, der in Altona aufgewachsen und derzeit der wichtigste und erfolgreichste
Botschafter der Filmstadt Hamburg ist.

 

Gleich dahinter geht es tief hinein in die Hamburger Filmgeschichte: Jeder Cineast kennt die legendären Hamburg-Streifen, allen voran „Große Freiheit Nr. 7“ (1944) mit dem unvergessenen Hans Albers. Regisseur Helmut Käutner drehte zwischen den Fliegerangriffen und achtete
penibel darauf, dass in dem zerbombten Hamburg weder Hakenkreuze noch zerstörte Häuser ins Bild gerieten. Später schrieben „Das Beil
von Wandsbek“(1951), „Der Lord von Barmbek“ (1973) oder „Absolute Giganten“ (1997) Filmgeschichte. Aber wer weiß schon, dass auch
„Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) mit Heinz Rühmann an der Elbe gedreht wurde. Ebenso etliche Edgar-Wallace-Filme, bei denen es
auch amüsante Schnitzer gab: In „Die toten Augen von London“ (1961) schwimmt eine Leiche angeblich in der Themse, doch an der Kaimauer
steht groß und deutlich „Schiffsausrüstung Bode“.

 

Im Obergeschoss des Museums folgt eine chronologisch geordnete Zeitreise durch die Hamburger Film- und Kinolandschaft. Fünf legendäre
Kinos stehen hier für fünf Epochen: Knopf‘s Lichtspielhaus am Spielbudenplatz, 1901 als das vermutlich erste feste Kino Deutschlands eröffnet;
der UFA-Palast im Deutschlandhaus am Valentinskamp (1929–1943), das Savoy am Steindamm in St. Georg (ab 1957), das Abaton (ab 1970),
das erste deutsche Programmkino, und schließlich die 1993 eröffneten Zeisekinos. Jede Kino-Station ist mit Stuhlreihen bestückt, auf einer Leinwand werden die Filmhits der jeweiligen Epoche in Ausschnitten gezeigt.

 

Und so versinkt man in einem Kinosessel nach dem anderen, freut sich über das Wiedersehen mit all den Stars, die einen zum Teil schon in der Kindheit begleiteten – und vergisst dabei glatt, dass man sich ja eigentlich in einer Ausstellung befindet.
Isabelle Hofmann

 

„Close-up. Hamburger Film- und Kinogeschichten“, bis 18. Juli 2022, Altonaer Museum, Museumsstraße 23,
Mo, Mi, Do, Fr 10-17 Uhr,
Sa/So 10-18 Uhr. Di geschlossen.
Alle Infos –
auch zu den aktuellen Besuchsbedingungen – auf www.shmh.de/altonaer-museum

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