M. Halberstadt, Wurststand © Sammlung Rosenthal, USA
M. Halberstadt, Wurststand © Sammlung Rosenthal, USA

Der Fotograf Max Halberstadt

„...eine künstlerisch begabte Persönlichkeit“.
In den 1920er Jahren war er einer der bekanntesten Porträtfotografen Hamburgs – und ist
heute fast vergessen. Zu Unrecht, wie die Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte belegt.

 

Die Nazis haben gründliche Arbeit geleistet: Über Jahrzehnte war der Name Max Halberstadt
(1882 – 1940) aus dem Gedächtnis der Stadt Hamburg wie ausgelöscht. Hätte sich seine in Johannisburg lebende Tochter Eva nicht 1999 bei dem Exilforscher Wilfried Weinke gemeldet,
wäre der einst so bekannte hanseatische Fotograf wohl endgültig in der Versenkung verschwunden.
Nun ruft eine bemerkenswert liebevoll kuratierte Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte sein Leben und Werk in Erinnerung
und zeigt, was verloren gegangen wäre.

 

Wer an Sigmund Freud denkt, hat dieses Bild vor Augen: Ein älterer, bärtiger Herr im Dreireiher, der ernst in die Kamera blickt und eine
Zigarre in der Hand hält. Ein echtes Star-Porträt, auf Buch- und Magazincover bis in die Gegenwart immer und immer wieder veröffentlicht -
und fast immer ohne Nennung des Fotografen Max Halberstadt. Zwar gab es auch in den 1920er Jahren schon ein Urheberrecht an
Porträts, auch widmete die Zeitschrift „Photofreund“ dem damals international ausstellenden Halberstadt eine eigene Ausgabe, doch
Naziterror und Zweiter Weltkrieg sorgten dafür, dass Freuds Porträt fortan ohne Namensnennung seines Schöpfers durch die Welt geisterte.

 

Der Vater der Psychoanalyse war nicht nur irgendeine der vielen Persönlichkeiten, die Max Halberstadt Porträt standen. Aus der beruflichen Beziehung erwuchs rasch auch eine private: Der „liebe Max“ heiratet 1913 Freuds Tochter Sophie, die ihm zwei Söhne schenkt und 26-jährig
im Jahr 1920 an der Spanischen Grippe stirbt (1923 stirbt auch der jüngere Sohn). Freud blieb seinem Schwiegersohn, den er als „besonders feinen und ernsthaften Menschen“ schätzte, jedoch lebenslang verbunden, auch nach dessen Hochzeit mit Berta Katzenstein und der erzwungenen Emigration nach Südafrika, einem Lebens- und Arbeitsbruch, an dem Max Halberstadt schließlich zu Grunde geht.

 

Sigmund Freud ist (als guter Geist?) in dieser Ausstellung omnipräsent. Als Fototapete, auf Druckerzeugnissen und in Briefen, in denen er
auf das tragische Schicksal des hochbegabten Schwiegersohns zu sprechen kommt.

 

Halberstadt war ein ausgezeichneter Porträtist und machte sich mit seinem 1907 eröffneten Atelier am Neuen Wall rasch einen Namen in
der Stadt – spezialisiert auf Kinderfotografie. Viele angesehene Familien ließen sich und ihre Kinder von Halberstadt fotografieren, unter
ihnen auch die Familie des Oberrabbiners Joseph Carlebach, dessen neun Kinder dort mehrmals vor der Kamera standen. Darüber hinaus
war Halberstadt ein echter „Allrounder“ in seinem Metier. In seinem Nachlass finden sich hervorragende Stillleben im Stil des „Neuen Sehens“, Architektur- und Interieur-Aufnahmen, Industriefotografie und eine ganze Reihe wunderschöner Hamburgensien, atmosphärisch
unglaublich dichte Motive von Alster und Elbe, Fischmarkt und Landungsbrücken. Und immer zeigt sich sein hervorragendes Auge
und sein Blick für das Detail. Sicher wäre sein Name in allen einschlägigen Fotobüchern und Lexika verzeichnet, hätten die Nationalsozialisten nicht alles drangesetzt, die Erinnerungen an Menschen jüdischer Herkunft auszulöschen.
Es ist ihnen nicht gelungen. Die Familie hat Halberstadts umfangreichen Nachlass verwahrt und Kurator Wilfried Weinke hat daraus nun eine
eindrucksvolle Ausstellung zusammengestellt, die eben diesen besonderen Blick für das Detail kongenial in Szene setzt – von den zahlreichen Fototapeten und überdimensional vergrößerten Ausreise-Anträgen bis zu den dezent mit Halberstadts Namen bedruckten Sitzkissen.

 

„Der Fotograf Max Halberstadt“, bis 3. Januar 2022, Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, 20355 Hamburg.

Mo 10 - 17 Uhr, Di geschlossen, Mi - Fr 10 - 17 Uhr, Sa/So 10 - 18 Uhr.
Alle Infos – auch zu den aktuellen Besuchsbedingungen – finden Sie auf www.shmh.de.

Verwendung von Cookies

Zur Bereitstellung des Internetangebots verwenden wir Cookies. Bitte legen Sie fest, welche Cookies Sie zulassen möchten.

Diese Cookies sind für das Ausführen der spezifischen Funktionen der Webseite notwendig und können nicht abgewählt werden. Diese Cookies dienen nicht zum Tracking.

Funktionale Cookies dienen dazu, Ihnen externe Inhalte anzuzeigen.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen wie unsere Webseite genutzt wird. Dadurch können wir unsere Leistung für Sie verbessern. Zudem werden externe Anwendungen (z.B. Google Maps) mit Ihrem Standort zur einfachen Navigation beliefert.