Franz Xaver Winterhalter, Italienisches Mädchen © SHMH
Franz Xaver Winterhalter, Italienisches Mädchen © SHMH

Der Traum vom Süden

Die exquisite Sammlung des Hamburger Kaufmanns Martin Johan Jenisch

 

Mit der Ausstellung „Der Traum vom Süden“ zeigt das Jenisch Haus in Klein Flottbek derzeit eine kleine, feine Auswahl von 24 Gemälden aus der Sammlung des Hamburger Kaufmanns und Bausenators Martin Johan Jenisch, erworben und zusammengestellt für den prachtvollen Landsitz an der Elbe. Jenisch schuf damit ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Design und bildender Kunst, das in Deutschland seinesgleichen sucht.

 

Kaufleute sind von Haus aus praktisch veranlagt. Dem hanseatischen Kaufmann und Kunstkenner Martin Johan Jenisch (1793ꟷ1857) ging es da nicht anders. Nachdem er 1828 den Entwurf seiner Villa im spätklassizistischen Stil bei dem Hamburger Architekten Franz Gustav Forsmann in Auftrag gegeben hatte (Karl Friedrich Schinkel überarbeitete ihn später noch einmal), war der Zeitpunkt gekommen, die langersehnte Bildungsreise mit Ehefrau Fanny und Schwester Bertha Jenisch nach Italien anzutreten ꟷ um sie gleich mit einer großangelegten Shoppingtour zur Einrichtung der neuen Residenz zu verbinden. Mit zwei Postkutschen ging es im September 1829 in Richtung Süden. Ein Jahr lang dauerte die „Grand Tour“, die 1838 noch einmal wiederholt wurde.

 

Italien lag damals im Trend. Nach der Wiederentdeckung Pompejis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Begeisterung für die Antike schier grenzenlos. Im deutschsprachigen Raum trug vor allem Goethes Bericht der „Italienischen Reise“ Anfang des 19. Jahrhunderts zur Durchsetzung des Klassizismus bei. Eine Bildungsreise zu den griechischen und römischen Wurzeln abendländischer Kultur war in gehobenen Kreisen gleichsam ein Muss. Aber auch junge, akademiemüde Künstler zog es in Scharen in die „Ewige Stadt“, um als sogenannte Deutsch-Römer eine neue Kunst mit „Herz, Seele und Empfindungen“ zu schaffen, wie es Friedrich Overbeck postulierte. Overbeck war einer der führenden Maler in Rom und gehörte zum Kreis derer, die Jenisch in ihren Ateliers aufsuchte. Ein anderer, Franz Ludwig Catel, hatte gerade den „Kreuzgang mit Nonnen bei Mondschein“ (1830) vollendet, als Jenisch es frisch von der Staffelei weg kaufte.

 

Während viele wohlhabende Hanseaten auf Nummer sicher gingen und Holländer des 17. Jahrhunderts sammelten, interessierten sich Martin Johann Jenisch und seine Frau Fanny für die Zeitgenossen. Vor allem für die damals schon namenhaften Künstler, wie Overbeck, Catel und den als „Sissi-Maler“ in die Kunstgeschichte eingegangenen Franz Xaver Winterhalter, dessen bezauberndes „Italienisches Mädchen“ (1834) mit seinem verträumt-sehnsuchtsvollem Blick derzeit das Ausstellungsplakat ziert. Inwieweit Fanny Jenisch bei der Auswahl der Werke Mitspracherecht hatte, ist nicht überliefert. Doch welche Frau schmückt ihr neues Heim mit Kunst, die ihr nicht gefällt? Man darf also davon ausgehen, dass auch Fanny Kunst am Puls der Zeit favorisierte  ꟷ junge Romantiker, Genre-, Landschafts- und Historienmaler, deren lieblich-verklärender Blick, vor allem auf religiöse Themen, damals hoch im Kurs stand. Künstler, wie die Brüder Franz und Johannes Riepenhausen beispielsweise, deren „Traum Raffaels“ (um 1830) Jenisch in Auftrag gab. Oder die „Badenden Mädchen“ (1836) von August Heinrich Riede, das der Senator bei seiner zweiten Reise 1839 vom Maler erwarb.

 

Rund 100 zeitgenössische Gemälde trug Jenisch zwischen 1830 und 1840 für seine Wohnsitze an der Binnenalster und am Flottbeker Elbufer zusammen. Heute ist diese Kollektion eine Rarität und echte Hamburgensie. Eine der ganz wenigen in ihrem Originalbestand erhaltenen Zeugnisse großbürgerlichen Kunstverständnisses des frühen 19. Jahrhunderts. Welche Wertschätzung die Sammlung schon bald in der Stadt genoss, belegt das Hamburgische Adressbuch aus dem Jahr 1833, in dem unter dem Stichwort Kunst-Sammlungen Folgendes vermerkt ist: „Unter den Gemälde-Sammlungen in Hamburg zeichnet sich durch sorgsame Auswahl und Werth aus: Die des Herrn Senator Jenisch; Bilder moderner Meister."

 

„Der Traum vom Süden“, bis 18. Januar 2021, Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg, Mo-So 11-18 Uhr, Dienstag geschlossen. Alle Infos unter shmh.de/de/jenisch-haus.

 

Verwendung von Cookies

Zur Bereitstellung des Internetangebots verwenden wir Cookies. Bitte legen Sie fest, welche Cookies Sie zulassen möchten.

Diese Cookies sind für das Ausführen der spezifischen Funktionen der Webseite notwendig und können nicht abgewählt werden. Diese Cookies dienen nicht zum Tracking.

Funktionale Cookies dienen dazu, Ihnen externe Inhalte anzuzeigen.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen wie unsere Webseite genutzt wird. Dadurch können wir unsere Leistung für Sie verbessern. Zudem werden externe Anwendungen (z.B. Google Maps) mit Ihrem Standort zur einfachen Navigation beliefert.