© Alma Hoppes Lustspielhaus
© Alma Hoppes Lustspielhaus

DOPPELTES JUBILÄUM IN DER LUDOLFSTRASSE
Zwei Geburtstags-Galas und ein großes Kabarettfestival anlässlich von 35 Jahren „Alma Hoppe“ und 25 Jahren Lustspielhaus

Es begann mit der Entführung des Bundeskanzlers. Zwei Hamburger Jungs hatten es gewagt – mit Erfolg: Ihr Coup brachte sie nicht in den Knast, sondern für mittlerweile 35 Jahre auf die Kabarettbühne. „Die Kanzlerentführung“ war – zur Zeit von Helmut Kohl – das erste gemeinsame Programm des „Alma-Hoppe“-Duos Nils Loenicker (59) und Jan-Peter Petersen (60). Loenicker erinnert sich: „Es war sehr absurd und sehr lustig, denn keiner wollte für den Kanzler zahlen.“ Jetzt feiern sie doppeltes Jubiläum: 35 Jahre „Alma Hoppe“ und 25 Jahre Lustspielhaus. Im März und April gibt es zwei Geburtstags-Galas und zwei Monate lang ein großes Kabarettfestival mit vielen prominenten Gästen.

Schon als Jung-Protestler mit Linksdrall hatten Jan-Peter, gelernter Heizungsmonteur, und Nils, Informations-elektroniker, in Hamburg Kabarett gemacht, jeder für sich allein. Aber man kannte sich aus der Szene, trat bei den gleichen Stadtteilfesten auf. Bis sie beschlossen, sich zusammen zu tun. Beide hatten inzwischen ein Studium begonnen, das dann allerdings auf der Strecke blieb, als sie im Eppendorfer Café „Mon Marthe“ eine dauerhafte Spielstätte gefunden hatten. „Da ging es richtig ab“, erinnert sich Loenicker. Nach fünf Jahren wurde es ihnen dort aber zu eng und sie suchten etwas Größeres. Dass es etwas so Großes werden würde wie das Lustspielhaus mit seinen 350 Plätzen, hatten sie sich jedoch nicht unbedingt träumen lassen. Es gab viele Bewerber für das Haus in der Ludolfstraße, das zuvor Bürgerhaus, Kino, Schaubühne und zuletzt Probebühne des Ernst Deutsch Theaters war. „Alma Hoppe“ machte das Rennen. Plötzlich Inhaber, Intendanten, Geschäftsführer, täglicher Spielbetrieb mit eigenen Auftritten – Nils Loenicker und Jan-Peter Petersen kämpften sich durch. Bis heute ist das Lustspielhaus das größte Kabarett-Theater in Norddeutschland.

Die Mehrfachbelastung bringt sie allerdings so manches Mal an ihre Grenzen: „Wir pokern immer am Limit, was die Gesundheit angeht“, nennt es Nils Loenicker. Aber auch in Krisensituationen behielten die Kabarettisten stets die Nerven. Zum Beispiel als eine bekannte à-capella-Sängerin plötzlich erkrankte und sie das Publikum des ausverkauften Hauses wegschicken mussten – „gruselig!“. Oder als Loenicker im Stau steckte und Petersen eine halbe Stunde allein überbrücken musste. 2008 wurde das Programm auf einen Gehbehinderten neu zugeschnitten, weil Loenicker nach einem Unfall einen Achillessehnenriss erlitten hatte.
Als besondere Highlights hingegen nennt Loenicker die Begegnungen mit solchen Kabarett-Koryphäen wie Hanns-Dieter Hüsch oder Dieter Hildebrandt im Lustspielhaus. „Der war damals ja so etwas wie ein Guru für uns!“ Sie blieben noch lange danach befreundet. „Wir haben auch heute ein freundschaftliches Verhältnis zu allen unseren Künstlern.“

Als Jan-Peter Petersen 1994 zum ersten Mal Vater wurde und beschloss, nicht mehr so oft zu spielen, machte sich Nils Loenicker zumindest teilweise selbständig und entwickelte zusammen u.a. mit Henning Venske das Solo-Programm mit dem bodenständigen „Bauer Harder“. Seit kurzem porträtiert Loenicker sich zusätzlich in einem zweiten Solo selbst: „Die andere Seite des Nils“ – ganz ohne Reiseführer. Und was der Nils kann, kann schließlich der Jan-Peter schon lange: Als echt „Hamburger Jung“ erzählt er aus dem „Leben zwischen Fisch und Kopf“ und tourt mit seinem Solo durch ganz Deutschland. „Es ist ein gutes Gefühl, Erfolg und auch Misserfolg zu teilen, aber allein einen Abend zu bestreiten macht auch ein bisschen stolz darauf, dass man es kann,“ sagt Loenicker.