DURCH UND DURCH EIN KOMÖDIANT
Erkki Hopf erzählt über sich und seine Rolle in Murat Yeginers Inszenierung der makabren Komödie „Adam sien Appeln“

Zwei Jahre Ohnsorg hat noch niemandem geschadet. Diese Überzeugung vertrat Walter Ruppel, Intendant des Ohnsorg Theaters von 1985 bis 1995. Und Recht hatte er – auf jeden Fall bei Erkki Hopf, dem jungen Schauspieler, den er vom Lüneburger Theater nach Hamburg holte. Aus den zwei Jahren wurden inzwischen 25. Erkki Hopf hat den Sprung auf die niederdeutsche Bühne nie bereut. „Ich hab’ hier alles“, sagt er und meint damit die unterschiedlichsten Rollen, die er schon gespielt hat. Ab April ist er als Landpastor Ivan in der makabren Komödie „Adam sien Appeln“ zu sehen.

Vorlage für das Bühnenstück ist der Film „Adams Äpfel“ des dänischen Regisseurs und Drehbuchautors Anders Thomas Jensen aus dem Jahr 2005. Pastor Ivan hat es sich zur Aufgabe gemacht, Straftätern auf Bewährung auf den rechten Weg zu helfen. Das allerdings macht er mit blindem Optimismus und verbohrter Güte. Nur der gewalttätige Nazi Adam (gespielt von Anton Pleva), der als Neuzugang in die kleine Gemeinschaft kommt, stellt Ivans Barmherzigkeit auf den Prüfstand, fordert Wahrheiten und deckt die dunklen Seiten des Pastors auf. Zu seiner eigenen Resozialisierung hat er sich selbst die Aufgabe gestellt, einen Apfelkuchen aus den Früchten des kirchlichen Apfelbaums zu backen. Der allerdings wird immer wieder zerstört – von Krähen, von Würmern, durch Blitzschlag. Doch Adam gibt nicht auf.

Die plattdeutsche Bühnenfassung von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen inszeniert Murat Yeginer, Oberspielleiter des Ohnsorg Theaters. Mit ihm arbeitet Erkki Hopf zum ersten Mal zusammen und freut sich darüber, dass der Regisseur mit ihm gemeinsam Grenzen auslotet. Denn: „Die Rolle ist schwer zu erfassen. Der Pastor flüchtet sich in Scheinwelten und führt sich alles Tragische und Schlechte rosafarben vor Augen. Dabei ist seine Verblendung, sich die Welt zurecht zu ruckeln, abenteuerlich. Das ist nicht einfach zu dosieren“, findet der Schauspieler. Die Ex-Knackis haben alle einen Hau, nur Adam hat den Durchblick. Ivan kapiert gar nichts und reagiert mit Ohrenbluten auf seine Vorwürfe. „Das ist alles so absurd. Aber wenn man erst mal begreift, wie sie alle ticken, dann kann man eigentlich nur noch lachen. Oder auch ein bisschen Mitleid haben.“
Für Erkki Hopf genau das Richtige. „Ich bin einfach durch und durch Komödiant“, sagt er. Ernste Rollen oder Töne betrachtet er trotzdem – oder gerade deswegen – durchaus als Bereicherung. Schon in seiner Schulzeit am Hamburger Albert-Schweitzer-Gymnasium spielte er in einer Theater-AG. „Damals war mir schon klar, dass ich irgendwas mit Kunst machen muss.“ Nur was, war ihm noch nicht klar. In der ersten Klasse bekam er von einer Lehrerin ein Klavier geschenkt, später spielte er Querflöte und Cello. Die Musik ist ihm geblieben, zur Entspannung in den Auftrittspausen setzt er sich gern ans Klavier. Die Schauspielerei jedoch wurde zum Beruf.

Zuvor gab es noch einen finnischen Abstecher: Erkki, der diesen Vornamen seiner finnischen Mutter verdankt, jobbte als Hörfunksprecher (auf deutsch, obwohl er perfekt finnisch spricht) in Helsinki. Nach dem Schauspielstudium an der damaligen Stage School of Dance and Drama in Hamburg bekam er sein erstes Engagement am Theater Lüneburg, bevor er sich 1993 entschloss, das Angebot von Intendant Ruppel anzunehmen. Das Ohnsorg Theater kannte er bis dahin nur vom Fernsehen. Und das Plattdeutsche musste er auch erst noch lernen.
Ob niederdeutsche Komödie oder Shakespeare-Klassiker (Puck im „Sommernachtstraum“), ob nachdenklich-ernste Stücke oder Kleist-Klassiker (Schreiber Licht im „Zerbrochenen Krug“) –„Ich bin ein Allesesser“, behauptet Erkki Hopf. „Mal richtig auf die Kacke zu hauen, macht natürlich viel Spaß. Aber was mir besonders liegt, ist etwas, wo subtile Situationskomik gefragt ist, wo Personen in eine unglaubliche Not geraten, die dann besonders komisch ist. Das ist leider auch das Anstrengende.“ Zweimal wurde er mit dem Theaterpreis Rolf Mares ausgezeichnet. Frauenrollen wie Charleys Tante oder Albin/Zaza in „Dat Narrenhuus“ hatten für ihn sogar einen positiven Nebeneffekt: „Durch das Gehen mit hohen Absätzen ging mein Ischias weg.“

Hörspiele und Hörbücher sind eine weitere Vorliebe des vielseitigen Schauspielers. „Da kann man mit ganz anderen sprachlichen Mitteln arbeiten“, sagt er. „Außerdem mag ich die Studioatmosphäre.“ Und wie ist es mit Regie? Hat er an Amateurbühnen auch schon gemacht. „Ich bin kreativ und habe viele Einfälle.“ Aber an eine Inszenierung mit den Ohnsorg-Kollegen traut er sich nicht so recht heran. „Vielleicht mal ein Märchen...“.