Szene aus
Szene aus "Funny Money" © Dennis Häntzschel

Ein Strudel der Verwicklungen
Peter Nottmeier und Folke Braband erzählen über die Farce "Funny Money" von Ray Cooney

Das ist das verrückteste Stück, das ich kenne“, sagt Peter Nottmeier und meint damit die Farce „Funny Money“ von Ray Cooney. Darin spielt er einen Mann, der plötzlich in den Besitz von 1,5 Millionen Euro kommt. „Allein der Name schon: Heiner B. Liebig...“ Und dann noch eine absurde Geschichte von einer verwechselten Aktentasche, einem braven Ehemann, der seine kriminelle Energie entdeckt, einem Toten, der mit Heiners Papieren aus der Alster gefischt wird, zwei merkwürdigen Polizisten und einem geheimnisvollen Ganoven, der plötzlich vor der Tür steht. In der Inszenierung von Folke Braband kommt dieser turbulente Spaß im Juli in die Komödie Winterhuder Fährhaus.

„Ray Cooney ist ein Meister seines Fachs – der Farce“, meint der Regisseur. In den Erfolgsstücken des 87-jährigen britischen Autors – wie „Außer Kontrolle“ oder „Taxi, Taxi“ – gehe es immer um einen unbescholtenen Bürger, der durch Zufall in einen Strudel der Verwicklungen, Lügen und Nöte gerät. „Funny Money“ macht da keine Ausnahme. Braband: „Ray Cooney dreht die Schraube immer enger, der Protagonist hat kaum noch Luft zum Atmen, aber der Autor findet immer neue, absurdere Kniffe und Wege, um die Geschichte voranzutreiben. Bei aller Übertreibung ist es vor allem die Not der Figuren, die seine Stücke so wahnsinnig komisch machen.“

Komödie – so meint der Regisseur, ist für alle Beteiligten eines der schwierigsten Theatergenres überhaupt. „Präzision, Timing, Eleganz, Musikalität, eine große Ernsthaftigkeit im Spiel und ein mitatmendes Publikum. Erst wenn all diese Zutaten greifen, funktioniert für mich die Komödie.“

Das stellt auch an die Schauspieler hohe Ansprüche. „Bei ‚Funny Money’ bedeutet das eine enorme körperliche Anstrengung“, weiß Peter Nottmeier, der in Folke Brabands Inszenierung 2018 auch schon in Köln spielte. „Das schnelle Tempo der Textanschlüsse hochzuhalten, bei nicht geringem Textumfang – das fordert schon ein Höchstmaß an Konzentration.“ Acht Kilo habe er damals in dieser Inszenierung abgenommen. „Aber wenn die Leute sich dann schräg lachen, wird man wie auf einer großen Welle gut dadurch getragen – auch wenn man weiß, da liegt noch ein großer Berg vor einem.“

In Hamburg wird er im Juli zum ersten Mal auf der Theaterbühne stehen, u.a. zusammen mit Saskia Valencia und Simone Pfennig. Noch im Mai war er in Antwerpen bei Dreharbeiten für eine neue TV-Krimireihe. Populär wurde Nottmeier Anfang der 2000er Jahre mit der Pro-Sieben-Comedy-Show „Switch“, in der er Prominente wie Johannes B. Kerner, Alfred Biolek oder Louis de Funès parodierte.

Die Arbeit am Theater und beim Fernsehen – das sind für den 60 Jahre alten Schauspieler, der in Wanne-Eickel geboren wurde und in Köln lebt, nahezu zwei verschiedene Berufe. „Beim Theater hat man eine entsprechend lange Probenzeit, kann sich auf das Stück detailliert vorbereiten und spielt dann einen großen Bogen über zwei Stunden. Bei Dreharbeiten muss man auf Knopfdruck immer wieder die gleiche Wiederholbarkeit erzeugen können, sowohl technisch als auch emotional. Das erfordert eine ganz andere Konzentration. Ich mag beides sehr gern.“

Für die Turbulenzen in „Funny Money“ gibt er dem Publikum eine kleine Vorwarnung mit auf den Weg: „Die Zuschauer müssen genauso aufpassen wie wir.“ Ray Cooney versteht es jedenfalls, die irren Verwirrungen auf die Spitze zu treiben. „Alles, was gut gemacht ist und virtuos präsentiert wird, ist erlaubt. Egal wie übertrieben es ist“, findet Folke Braband. „Schwierig wird es erst dann, wenn ich unter Niveau lache, der Witz also kurz nach der Pointe schon einen schalen Beigeschmack bekommt. Auch die Dosis des Klamauks ist wichtig, das richtige Maß zu finden und nicht immer noch einen drauf zu setzen. Lieber eine richtig gute Pointe als drei mäßige.“ Der Regisseur weiß, wovon er spricht. Er schreibt selbst Komödien, z.B. „Herbstgold“ oder „Mittendrin“, die er auch inszeniert. „Da bin ich mit mir als Autor sehr kritisch. Kritischer als bei fremden Texten. Das macht es oft leichter, einen anderen Autor zu inszenieren, weil ich da erst einmal offener zu Werke gehe und nicht gleich die Schuld beim Autor suche.“