© Great Performances/HTK
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Nabucco: Eine Freiheitsoper für Alle

Die Festspieloper Prag präsentiert Giuseppe Verdis
kraftvolles Meisterwerk in der Laeiszhalle


Giuseppe Verdis „Nabucco“ gehört zu den beliebtesten Werken der Opernwelt. Selbst wer den Inhalt der Freiheitsoper aus dem alten Babylon nicht so genau kennt, hat doch vielleicht den berühmten Gefangenenchor im Ohr. Mit einem opulenten, 100 Mitglieder umfassenden Ensemble präsentiert die Festspieloper Prag Verdis kraftvolles Meisterwerk in der Laeiszhalle.

Eigentlich hatte der junge Verdi das Komponieren schon aufgeben wollen. 1840 war seine komische Oper „Un giorno di regno“ vom Publikum ausgepfiffen worden. Im selben Jahr war seine Frau gestorben, kurz zuvor seine beiden Kinder. Zutiefst deprimiert, befand er sich in einer schweren Krise. Der damalige Direktor der Mailänder Scala drängte ihn jedoch, nicht aufzugeben. Und als er ihm ein Libretto von Temistocle Solera übergab, war Verdi plötzlich fasziniert. Sofort begann er mit der Komposition. Die Uraufführung am 9. März 1842 in der Mailänder Scala war ein Riesenerfolg und der Beginn einer großen Schaffens-Ära des Komponisten, der als Sohn eines Gastwirts in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen war und nun zu Wohlstand und einem eigenen Landgut kam.

„Seit Nabucco habe ich sozusagen keine ruhige Stunde mehr gehabt“, schrieb Verdi 1858 in einem Brief. „Sechzehn Jahre Galeerenarbeit.“ Immer neue Verträge trieben ihn zu immer neuen, nicht immer so erfolgreichen Opern an. Zum beispiellosen Triumph von „Nabucco“ trug nicht zuletzt der eindrucksvolle Gefangenenchor aus dem dritten Akt bei: „Va, pensiero, sull’ali dorate“ – „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“. Der ergreifende Ruf nach Freiheit der Hebräer in babylonischer Gefangenschaft wurde später fast zur heimlichen Nationalhymne der Italiener, die jahrelang unter Fremdherrschaft zu leiden hatten.

Darüber hinaus hat die Oper aber auch eine breite Skala von Emotionen – Liebe, Hass, Rachsucht, Machtstreben, Wahnsinn – und eine bewegende Geschichte zu bieten. In den Jahren um 600 vor Christus ist Jerusalem besetzt, das hebräische Volk ins verfeindete Babylon verschleppt. Doch der Kampf der Juden geht weiter, um ihren Glauben, ihr Land und ihre Freiheit. Machtgier lässt den Babylonierkönig Nebukadnezar II. (Nabucco), der bis 562 regierte, nach gottgleicher Herrschaft streben. Dafür wird er mit Wahnsinn gestraft und seine uneheliche Tochter Abigaille ernennt sich selbst zur Königin. Sie lässt Nabucco in seinem Wahn die Hinrichtung der Hebräer und seiner zum Judentum konvertierten Tochter Fenena unterzeichnen. Als er von der Straße die Klagen der Gefangenen und seiner Tochter hört, verlässt ihn der Wahn und die Liebe zu Fenena lässt ihn Erlösung finden: Er erfleht vom Gott der Hebräer Erbarmen und gelobt ihm Verehrung. Die Juden und seine Tochter werden befreit und die besiegte Abigaille vergiftet sich, bittet aber sterbend noch um Vergebung.

Seit einigen Jahren tourt die Festspieloper mit „Nabucco“ (in italienischer Originalsprache) durch Deutschland, gern auch mit Open-Air-Aufführungen. Die Leitung der Festspieloper liegt bei Generalmusikdirektor Martin Doubravsky und dem Dirigenten Richard Hein. Das große Ensemble vereint hervorragende Stimmen, Solisten und Chorsänger der besten Opernhäuser Tschechiens und einiger angrenzender Länder mit den renommierten Tschechischen Symphonikern Prag. Das Ziel der Festspieloper: „Mit der Aufführung populärer Klassiker wollen wir vor allem solche Menschen für Musik begeistern, die selten oder nie ein Opernhaus betreten“. Dabei ist entgegen aller Operngepflogenheiten auch mal eine Zugabe drin – natürlich mit dem Gefangenenchor.