Eine Nacht in Venedig © Joachim Flügel
Eine Nacht in Venedig © Joachim Flügel

Eine Nacht in Venedig

Venezianischer Charme und Johann Strauss‘  unvergängliche Melodien
auf der Bühne des Allee Theaters
 

Eine malerische Kulisse, fantasievolle Masken, Musik, die mit lauter Ohrwürmern punktet, und eine turbulente Handlung voll verschlungener Liebeshändel – das alles birgt „Eine Nacht in Venedig“ in sich. Von Barbara Hass frisch aufbereitet und von Kathrin Kegler liebevoll gestaltet, kommt die Operette  von Johann Strauss in der Inszenierung von Regisseur und Choreograph Stefan Haufe mit ihrem ganzen venezianischen Charme auf die Bühne des Allee Theaters.
 

Karneval in der Lagunenstadt: Der Herzog von Urbino lädt zum großen Ball ein. Besonders auf Barbara, die Gattin eines Senators, hat der notorische Schürzenjäger dabei ein Auge geworfen, was wiederum  dem Senator ein Dorn im Auge ist. Also schickt er seine Angetraute fort, die allerdings ganz eigene Pläne hat. Adelige und einfache Bürger, Verliebte und Verführte treffen auf dem Fest zusammen, Narretei ist das Motto des Abends.  Lug und Trug, List und Verwirrung verbergen sich hinter all den Masken, die alsbald den herzöglichen Don Juan  umgaukeln.
 

Von der MeToo- Debatte war man zu Zeiten von Johann Strauss im 19. Jahrhundert noch weit entfernt. Bei Barbara Hass jedoch, die in ihren Opern-Bearbeitungen für das Allee Theater die Handlung gern in die Gegenwart verlegt, sollen die lüsternen Ambitionen des Herzogs nicht ungestraft bleiben. Bei ihr tanzen die Frauen nicht nach der Pfeife der Männer, sondern ergreifen selbst die Initiative. Barbara und ihre Freundin Annina, zwei selbstbewusste Unternehmerinnen im Großhandel mit Meeresfrüchten, wollen sich den Haifisch angeln, um ihn dann ordentlich im Netz der Intrigen zappeln zu lassen. „Ich fand es sehr befremdlich, dass gleich am Anfang eine der wichtigsten Personen weggeschickt wird“, erklärt Barbara Hass. In ihrer Version ist die Senatoren-Gattin zwar maskiert, aber ständig dabei, wenn diverse Paare sich mit falschen Partnern amüsieren – bis alle Masken fallen und das Verwirrspiel mehr oder weniger glücklich endet.

 

 „Vielleicht hätten manche  gern immer Karneval“, schmunzelt Barbara Hass, der besonders daran lag, mit Wortwitz die verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten. Bei ihrer Arbeit lässt sie sich gern von der Musik inspirieren und schwärmt von den unvergänglichen Melodien des Walzerkönigs: „Treu sein, das liegt mir nicht“, „Komm in die Gondel, mein Liebchen“,  „Lagunenwalzer“ und viele mehr. Die musikalische Leitung im Allee Theater liegt bei Ettore Prandi.
 

Für eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre sorgt das Bühnenbild. Bei Kathrin Kegler ist alles dabei, was Venedig ausmacht: Die Kanäle mit den typischen Pfählen im Wasser, eine Gondel, die über die Bühne fährt, und sogar eine Personengruppe direkt aus einem Gemälde des venezianischen Barockmalers Tiepolo. Von dessen Farben Naturweiß, Terrakotta und Braun-Schwarz-Schattierungen hat sich auch Barbara Hass bei den Kostümen anregen lassen.

 

Seit den Anfängen des Theaters für Kinder arbeiten die beiden schon zusammen. Kathrin Kegler gehörte 1968 zum Gründungsteam des im vergangenen Jahr verstorbenen Theaterchefs Uwe Deeken, Barbara Hass kam fünf Jahre später als Schauspielerin dazu. Bis die Bühnen- und Kostümbildnerin eines Tages meinte: „Die Kostüme kannst Du doch machen.“ Barbara machte – nicht nur fantasievolle Kostüme, sondern auch Stück- und später Opernbearbeitungen,  als 1996  das Theater für Kinder mit der Kammeroper zum Allee Theater wurde.

 

Sie blieb in Hamburg, Katrin Kegler indes arbeitete bald schon an großen Häusern im In- und Ausland, u.a. in Wien, Barcelona und Amsterdam. Nach zwanzig Jahren kam sie 2006 zurück an ihre alte Wirkungsstätte.  Dort herrschen ganz spezielle Bedingungen: Es gibt keine Seitenbühne und keinen Schnürboden. An 20 Zügen hängen die Szenenbilder, alle Möbel müssen flexibel sein, jede Verwandlung läuft unter den Augen des Publikums ab. „Alles muss immer auf der Bühne sein“, erklärt Kathrin Kegler, für die das eine besondere Herausforderung bedeutet. Ganz wichtig ist für sie dabei die „Trompe-l’oeil“-Technik, eine perspektivische Malerei, die 3-Dimensionalität vortäuscht. Sie erinnert sich an einen Sessel, der nur aus einer kleinen Sitzfläche bestand. Der Rest war gemalt. „Jeder hat den Stuhl für echt gehalten“, freut sie sich. „So etwas zu erfinden macht einfach Spaß.“ Große Oper oder leichte Operette – was ist der Bühnenbildnerin lieber? „Operette ist eher schwerer.“ Denn am schwersten findet sie, Schönheit ohne Kitsch zu gestalten. Kathrin Kegler beherrscht diese Kunst perfekt.