Matt Black, El Paso, Texas © Matt Black, Magnum Photos
Matt Black, El Paso, Texas © Matt Black, Magnum Photos

Fotos von Matt Black und Jerry Berndt im Haus der Photographie

Ein amerikanischer Albtraum oder das Land der unbegrenzten Hoffnungslosigkeit

 

Zeitgleich zur US-Wahl entlarven die Fotografien von Matt Black und Jerry Berndt in den Deichtorhallen
den amerikanischen Traum als pure Illusion.

 

Ajo, Arizona, 30,5 %. Akron, Alabama, 48,7 %. Albin, Wyoming: 51,1 %. Gut sechs Meter hoch ist die Wand in den Deichtorhallen, auf der über 100 US-Gemeinden aufgezählt werden – inklusive ihrer
jeweiligen Armutsquote in Prozentzahlen. Was für ein Elend im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten. Wie ist das möglich, wo doch der „American Dream“, der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, gleichsam in die DNA der Vereinigten Staaten eingeschrieben ist?

 

Matt Black hat all die Landstriche dokumentiert, die auf der Tafel aufgelistet sind. Für sein Projekt „American Geography“ reiste der renommierte
Magnum-Fotograf über 100.000 Meilen durch 46 Bundesstaaten. Besuchte gezielt all jene Gemeinden, deren Armutsquote bei über 20 Prozent liegt, deren Bevölkerung hauptsächlich farbig und großenteils arbeitslos ist und deren kollektive Notlage in dem stolzen Selbstbild der Weltmacht einfach nicht vorkommt.

 

Fünf Jahre lang hat Matt Black die sozialen Zustände fotografiert. Die Quintessenz dieses Roadtrips kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten
ist jetzt in den Deichtorhallen zu sehen. Eine Weltpremiere, kuratiert von Ingo Taubhorn und dem per Zoom aus Amerika zugeschalteten
Künstler: 78 große Schwarz-Weiß-Bilder, von denen viele wie ein Schlag in die Magengrube wirken, da sie auf beklemmend eindringliche Weise Einblick in ein hoffnungslos abgehängtes Amerika geben. Keine reißerischen, voyeuristischen Bilder des Elends wohlgemerkt. Vielmehr stille Landschafts- und Stadtporträts, in denen die Menschen, so sie denn vorkommen, seltsam verloren wirken. Brennende Reifen am Rande
eines öden Highways. Windschiefe Strommasten vor einer heruntergekommenen Hausfassade. Eine kaputte Matratze im Schneegestöber.
Die ausgezehrte, knochige Hand eines Schwarzen auf einem Zaunpfahl. Es sind Bilder von herausragender Ästhetik und von enormer Symbolkraft. Bilder, die jeder US-Präsident, egal wie er nun heißt, liebend gern als „fake“ bezeichnen würde. Doch sie dokumentieren die traurige Realität im Zusammenspiel von Migration, Chancenlosigkeit und Armut und lassen Trumps großspuriges Versprechen „Make America great again“ wie blanken Hohn erscheinen.

 

Flankiert wird die Ausstellung von der nicht minder sehenswerten Schau „Beautiful America“, kuratiert von Sabine Schnakenberg. Ein ironisch gebrochener Titel, denn das, was der Fotojournalist Jerry Berndt (1943–2013) in den Jahren zwischen 1960 und 1980 auf den Straßen
des Landes mit seiner Kamera einfing, ist alles andere als „beautiful“. Auch Berndt hat die soziale Verfassung Amerikas dokumentiert, die Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg, den tief verankerten Rassismus, die prekären Lebensumstände großer Bevölkerungsschichten.
Bestürzende Bilder, die klar machen, dass seine Themen auch nach 50 Jahren noch hochaktuell sind. Es hat sich nichts geändert.
Es ist nur noch schlimmer geworden.

 

Matt Black „American Geography“ und Jerry Berndt „Beautiful America“, bis 3. Januar 2021, Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstr. 1, 20095 Hamburg. Di bis So 11-18 Uhr, jeden 1. Do im Monat bis 21 Uhr. Alle Infos auf www.deichtorhallen.de.

 

Bitte beachten Sie, dass die Deichtorhallen Hamburg corona-bedingt bis zum 30. November 2020 geschlossen bleiben.

 

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