Schwarze Fische (Detail, 1942) © Centre Pompidou/ Philippe Migeat
Schwarze Fische (Detail, 1942) © Centre Pompidou/ Philippe Migeat

Georges Braque: Tanz der Formen

Fulminante Retrospektive des französischen Kubisten

 

Georges Braque war der erste lebende Künstler, der im Pariser Louvre ausstellen durfte. Sein Bild „Der Billardtisch“ (1944) wurde auf der der ersten Nachkriegs-Biennale von Venedig 1948 mit dem großen Preis für Malerei ausgezeichnet. Als er starb, ordnete Frankreich sogar ein
Staatsbegräbnis an. Und doch stand Georges Braque (1882–1963), Begründer des Kubismus, stets im Schatten des ungleich berühmteren Pablo Picasso (1881–1973), ebenfalls Begründer des Kubismus.

 

Ja, wer war denn nun wirklich der Urheber jener Stilrichtung, mit der die Malerei einen so gewaltigen Schritt in Richtung Abstraktion machte? Im
Grunde war es ein Dreiklang. Den Weg hatte Paul Cezanne (1839–1906) im 19. Jahrhundert bereitet, der Übervater der Klassischen Moderne. Seine späten Landschaften waren bereits in Kuben angelegt und sein Diktum “Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel“ kannten seine großen Bewunderer, Braque und Picasso, genau. Picasso schuf 1907 mit den „Demoiselles d‘ Avignon“ das erste kubistische Bild. Aber Braque wird der erste öffentliche Auftritt des Kubismus bescheinigt. 1908, in der kleinen Galerie des legendären Daniel-Henry Kahnweiler. Der Kunstkritiker Louis Vauxcelles schrieb damals: „Monsieur Braque … missachtet die Form, beschränkt alles, Landschaften, Figuren, Häuser, auf geometrische Grundformen, auf Kuben“. Damit war der Kubismus in der Welt – zuerst als Spottname, wie es zuvor bereits bei Impressionismus
und Fauvismus der Fall war, aber schon bald anerkannt als radikale Antwort auf Industrialisierung und Errungenschaften des neuen Jahrhunderts (Film, Fotografie).

 

Zwischen 1908 und 1914 waren Braque und Picasso gleichsam Brüder im Geiste. Ihre farbreduzierten, in Flächen aufgefächerten
Stillleben und Collagen waren einander so ähnlich, dass der eine die Bilder des anderen signierte. Ihr Wetteifer um immer neue Varianten des Kubismus glich einer Bergbesteigung. Wer schafft es als erster, den Gipfel zu erklimmen? Nun, in puncto Ruhm hat Picasso gesiegt.
Aber Braque steht ihm an Qualität in nichts nach, wie die vom Centre Pompidou konzipierte Ausstellung im Bucerius Kunst Forum beweist.
Sie ist die erste seit 32 Jahren in Deutschland, und sie dokumentiert in sieben chronologisch geordneten Kapiteln und 80 Gemälden – darunter die Bühnenbildentwürfe zum „Ballet Salade“ (1924), sowie der berühmte „Billardtisch“ – die stilistische Entwicklung des Franzosen, der seine Person, im Gegensatz zu Picasso, stets bescheiden hinter den Werken versteckte. Eine moderate Entwicklung übrigens, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht mit dem Kubismus brach, sondern ihn sanft und organisch weiterentwickelte. Stilistische Brüche gab es bei Braque lediglich zu
Beginn und am Schluss seiner Laufbahn.

 

So erstaunen und bezaubern die expressiven, farbstarken Landschaften der fauvistischen Phase, die Braque mit Anfang Zwanzig noch ganz unter
dem Einfluss von Cézanne, Derain und Matisse malte. Leider hat er die meisten davon später zerstört. Erst im Spätwerk, nach Jahrzehnten der graubraunen Interieurs, entdeckte er wieder den Himmel und die Farbe. Malte scherenschnittartig Vögel auf buntem Grund wie der alte Matisse und ein „Rapsfeld“ (1957) mit expressivem Pinselstrich, das sicher nicht zufällig an Van Goghs letztes Bild „Weizenfeld mit Raben“ (1890) erinnert. Wie so oft, hat sich am Ende des Lebens auch hier der Kreis geschlossen.

„Georges Braque. Tanz der Formen“, Bucerius Kunst Forum, bis 24.1.21, Alter Wall 12, 20457 Hamburg,
Mo – So 11 – 19 Uhr, Do bis 21 Uhr.
Eintritt am Montag nur 6 statt 9 Euro. Corona-bedingte Änderungen der Öffnungs- und Laufzeiten sind möglich.
Virtueller Ausstellungsrundgang unter www.buceriuskunstforum.de.
Mit dem BKF Guide steht außerdem eine kostenlose Smartphone-App zur Verfügung

 

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