Wählscheibentelefon © Archäologisches Museum Hamburg
Wählscheibentelefon © Archäologisches Museum Hamburg

„hot stuff“ – die Archäologie des Alltags

Audio-Cassetten, Wählscheibentelefon und Zauberwürfel – das Archäologische Museum Hamburg spiegelt mit leichter Wehmut die Lebenswelt der 70er,
80er und 90er Jahre


Flokati am Boden, Fototapete an der Wand und im Regal Plattenspieler, Dia-Projektor
und das sündhaft teure Brockhaus-Lexikon. Da kommen Erinnerungen auf! Doch der
„hot stuff“ schicker 70er-Jahre-Wohnzimmer ist für junge Leute von heute längst „Archäologie des Alltags“. So heißt nun auch die sehenswerte Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg, die eindrucksvoll vor Augen führt, wie schnell
Dinge, die gerade noch „in“ waren, zu Relikten der Technik-Steinzeit verkommen.  

 

„Wie funktioniert das?“ Versonnen steht meine 15-jährige Nichte vor unserem alten Bakelit Telefon und tippt mit dem Finger vorsichtig in die
Löcher der Wählscheibe. Kein Witz, eine wahre Geschichte! Woher sollte sie die Wählscheibe auch kennen? Seit 40 Jahren gibt es bereits
Tasten-Telefone und auch die werden vermutlich bald der Vergangenheit angehören. So wie jetzt schon die unzähligen Datenträger, die sinnloserweise immer noch in vielen Büros bewahrt werden, Mini-Kassetten oder Floppy-Disks, deren Rekorder oder Rechner längst auf den Schrott gewandert sind. Für die Jugend von heute muss es einfach unvorstellbar sein, wie ihre Eltern und Großeltern in einer Zeit ohne Handy, ohne Internet, ohne Apps und Wikipedia überleben konnten.
 

Umso spannender die Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg, in der jetzt all die Dinge zu sehen sind, die für die älteren
Generationen vor gar nicht so langer Zeit noch Standard waren und zum Lifestyle gehörten. Vom Ghettoblaster bis zum Overhead-Projektor
und Polaroid-Fotoapparat. Vom Münzfernsprecher bis zur Reiseschreibmaschine. Vom Stern-Recorder aus DDR-Zeiten über den Walkman
bis zum Motorola -„Knochen“, dem ersten, über ein Pfund schweren Mobiltelefon. Und das Schöne dabei: Der „hot stuff“ von einst liegt in
Harburg nicht nur in Vitrinen, sondern ist vielfach lebendig inszeniert – zum Anfassen und Ausprobieren. So ist hier neben dem Wohnzimmer
auch ein Büro sowie ein typisches Kinderzimmer nachgebaut, die Lebens- und Arbeitswelt der 70er, 80er und 90er Jahre spiegeln. Mit
Tamagotchi, Game-Boy, Zauberwürfel und dem TV-Helden Alf als Kuscheltier. Wetten, dass viele dieser Spielsachen immer noch in
diversen Kinderzimmern herumfliegen?

 

„hot stuff- Archäologie des Alltags“, bis 26.4. 2020, Archäologisches Museum Hamburg, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg, Di-So 10-17 Uhr.
Infos zum reichhaltigen Veranstaltungsprogramm unter www.amh.d