Professor Fredrik Schwenk © Fredrik Schwenk
Professor Fredrik Schwenk © Fredrik Schwenk

Im Gespräch:
Der neue Vorstandsvorsitzende der Hamburger Volksbühne Professor Fredrik Schwenk

Hier gehöre ich hin!“ Das sagt Professor Fredrik Schwenk mit Überzeugung und meint damit nicht nur Hamburg, sondern jetzt, als neuer Vorstandsvorsitzender, auch die Hamburger Volksbühne.
„Ich bin eigentlich ein Münchner Urgestein. Früher habe ich gepoltert, wenn ich etwas erreichen wollte. Das geht hier gar nicht“, erklärt er. Als er vor zwanzig Jahren als Professor für Musiktheorie und Komposition an die Hochschule für Musik und Theater nach Hamburg kam, musste er erst
einmal umlernen. „Im Norden braucht es etwas länger, um einen freundschaftlichen Zugang zu den Menschen zu finden.“ Inzwischen ist er hier längst heimisch geworden, so dass er einem Abwerbeversuch aus München vor einigen Jahren eine deutliche Abfuhr erteilte.

 

Vor fünf Jahren hatte Fredrik Schwenk sein erstes Volksbühnen-Abonnement erworben. „Ein Plakat
war mir aufgefallen. Es erschien mir zeitgemäß und ansprechend, anders als ich es von der Volksbühne München kannte.“ Schon bald darauf engagierte er sich in der Vertreterversammlung Für seine künftige Aufgabe zieht er sich aus einigen Gremien an der Hochschule zurück. „Da müssen jetzt Jüngere ran“, meint er. „Ich bin nicht jemand, der klebt.“

 

Für die Volksbühne hat sich der 60-Jährige viel vorgenommen. „Das Wichtigste ist zunächst, die Volksbühne aus der durch die
Corona-Pandemie bedingten Krise herauszubringen.“ Dabei hat Schwenk nicht nur die Zielgruppe derer im Blick, die sich für ein Abonnement entscheiden, nachdem die Kinder aus dem Haus sind und mehr Zeit für sie selbst bleibt, sondern auch eine jüngere Klientel. „Da ergibt
sich die Frage, was man tun könnte, um etwa auch 40-Jährige mehr an die Volksbühne zu binden. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass unsere Website noch etwas aktiver wird, und dass man vielleicht auch einen Blog einbringt.“

 

„Ein weiterer Aspekt, der mir schon immer wichtig war, ist das soziale Engagement. Das betrifft die abdriftende Generation, die noch nie
im Konzert oder im Theater gewesen ist. Vielleicht könnte man durch einen Fonds oder eine Stiftung gratis Abonnements an junge Menschen
aus bildungsfernen Verhältnissen vermitteln und versuchen, sie auf diese Weise in das kulturelle Leben einzubinden.“

 

Der Professor hofft auch auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen seiner Hochschule und der Volksbühne. In der Vergangenheit gab es
immer wieder organisatorische Schwierigkeiten. „Wir könnten zum Beispiel eine neue Reihe unserer Sommerkonzerte vorstellen.
Eine weitere Option wäre, unsere Master-Prüfungskonzerte zu einer Art Festivalstruktur zu bündeln und dann ein kleines Festival-Abo anzubieten.“

 

Mitglieder, die 2019 das 100-jährige Bestehen der Volksbühne in der Elbphilharmonie mitgefeiert haben, konnten Fredrik Schwenk schon als
versierten und eloquenten Moderator des vielseitigen Musikprogramms kennenlernen, das er auch selbst zusammengestellt hatte.
„Das war eine der bisher größten Herausforderungen für mich.“

 

Seine ersten intensiven musikalischen Erfahrungen machte der junge Fredrik auf einem bayerischen Bauernhof. „Dort verbrachte ich als Kind
viele Jahre hindurch meine Ferien. Die Familie des Bauern saß sonntags in der guten Stube zusammen und musizierte. In der Kirche durfte ich
die Orgel spielen und schrieb kleine Messkompositionen für den liturgischen Gebrauch.“ Ein Musiklehrer erkannte die Hochbegabung des
Jungen und sorgte dafür, dass er eine weiterführende Ausbildung in Harmonielehre und Komposition bekam.

 

Schon während des Studiums in München und Paris zeigte sich Schwenks pädagogische Begabung. „Ich führe meine Studierenden an der
langen Leine, ziehe aber auch manchmal kräftig nach. Ziel ist es, eigene Wege zu gehen und nicht der Mode hinterher zu laufen“.
Bevor er mit 39 Jahren als Professor nach Hamburg berufen wurde, war er Dozent an den Musikhochschulen in München und Augsburg.
 

Unter den breitgefächerten Sparten seiner mehrfach preisgekrönten Kompositionen, zu denen geistliche Musik und Lieder ebenso gehören wie Kammermusik und große Orchesterwerke, steht Schwenk das Musiktheater am nächsten. „Ich liebe die Sprache.“ Das gilt auch für fremde Sprachen wie finnisch oder chinesisch, die ihren eigenen, für uns ungewohnten Klang haben. „Man sagt oft, die deutsche Sprache sei kantig.
Das stimmt nicht. Kleist oder Goethe im Original – das ist unfassbar schön. Ich bin jemand, der die Sprache als Quelle melodischer
und rhythmischer Inspiration nutzt. Die Instrumentalmusik ist bei mir daher gestischer, weil sie aus solchen Sprachelementen schöpft.“

 

Durch den harten Corona-Lockdown gab es auch für den Hochschulprofessor eine Zwangspause. Er nutzte sie kreativ: „Ich hatte
geradezu einen Inspirationsschub und habe drei umfangreichere Werke geschaffen, die ich für sehr gelungen halte.“ Kritisch sieht er
die Entwicklung einer „Corona-Kultur“ in Form von Streaming-Auftritten. „Einer der Nebeneffekte ist, dass auf einmal selbsternannte Künstler aufgetaucht sind, die sich im Netz verwirklichen wollen. Braucht man das wirklich? Und irgendwann“, so fürchtet er, „könnte das Streaming
die Live-Angebote der Theater und Kinos ernstlich gefährden, obwohl das Live-Erlebnis eines Theater- und Konzertbesuchs
unersetzlich bleiben wird.“

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