Berthe Morisot: Mädchen auf der Wiese © Anders Sune Berg
Berthe Morisot: Mädchen auf der Wiese © Anders Sune Berg

Impressionismus in der Kunsthalle

Die Sammlung Ordrupgaard zeigt Meisterwerke einer Vielzahl großer französischer Künstler*innen des 19. Jahrhunderts, unter anderem Manet, Degas, Monet, Cézanne, Gauguin und Morisot

Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun sind es Gemälde französischer Meister, deren Ausstellungs-Titel „Impressionismus“ zwar publikumswirksam sein mag, jedoch viel zu kurz greift. Mit rund 60 Werken von 23 Künstler*innen wird hier ein ganzes Jahrhundert überblickt, vom Klassizismus bis zum Fauvismus und einem aufregend schönen Gauguin-Raum, dessen starkfarbige, flächenhafte Bilder einen singulären Platz in der Kunstgeschichte beanspruchen.  

 

Wer voller Vorfreude auf getupfte Lichtimpressionen und beschwingt von Eric Saties „Gymnopédie No. 1“ im Aufzug die Ausstellung betritt, der schaut sich erst einmal verwundert um. Denn es dauert, bis man zu den Schlüsselfiguren jener so leichten, lichtdurchfluteten Farbpalette kommt, die international als „typisch französisch“
wahrgenommen wird. Das Ehepaar Wilhelm und Henny Hansen wollte mit ihrer Sammlung die revolutionäre künstlerische Entwicklung im Frankreich des 19. Jahrhunderts im Ganzen erfassen und so beginnt der Rundgang mit einem ausgesprochen dunklen Raum und
klassizistischen, bzw. romantischen Gemälden von Jean-Auguste Ingres, Eugène Delacroix (darunter eine faszinierende, wattig wirkende
Ölskizze von George Sand), Honoré Daumier (einem begnadeten Karikaturisten, aber mittelmäßigen Maler) und dem fast vergessenen
Thomas Couture (u.a. Lehrer von Édouard Manet).

 

Danach geht es weiter mit der Schule von Barbizon, den Landschaftsmalern um Camille Corot, Jules Dupré und Gustave Courbet, die sich
bei Fontainebleau zur Pleinair-Malerei trafen. Diese Gruppe hatte nachhaltigen Einfluss auf die Impressionisten, denn sie lehnten den Akademismus strikt ab und suchten den unmittelbaren Zugang zur Natur. Während Corot seine Landschaften unscharf, wie mit dem
Weichzeichner verwischt anlegte („Landstraße in der Cote-d’Or“, um 1840-60) und vielfach auch erfundene, bzw. literarische Themen
(„Hamlet und die Totengräber“, um 1870) behandelte, fallen im Courbet-Raum die naturgetreuen, symbolisch aufgeladenen Meeres-
Landschaften von Jules Dupré ins Auge. Gustave Courbet, der leidenschaftliche Hobby-Jäger, ist (u.a.) mit einem großformatigen
Gemälde vertreten, das zwei - anatomisch ausgesprochen realistisch eingefangene - flüchtende Rehe in einer Winterlandschaft zeigt.

 

Nach dieser langen, durchaus interessanten Vorgeschichte, rücken endlich die Titelgeber in den Blick: Pissarro, Manet, Degas, Sisley, Monet
und Renoir, dazu Cézanne, Redon, Matisse und Gauguin, deren Farb- und Formensprache allerdings weit über die Impressionisten
hinausweisen. Hier kann man endlich schwelgen in Sonnenlicht und Sonntagsstimmung, wie sie Berthe Morisot in ihrem bezaubernden
Plakatmotiv „Mädchen auf der Wiese“ und Eva Gonzalès in ihrer ruhenden Schwester einfingen. Oder eintauchen in die Melancholie der Metropolen, die Pissarro und Monet mit ihren seriellen Bildern aus dem Fenster in Paris oder London in unglaublicher Stimmungsvielfalt auf
die Leinwand bannten. Eine von Monets berühmten seriellen „Waterloo Bridges“ (insgesamt 42 Fassungen) ist übrigens auch dabei.
Ein Highlight unter vielen der spektakulären Hansen-Sammlung, die Dank der Renovierung des Museums Ordrupgaard nun in Hamburg zu
sehen ist.  

„Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard“, bis 1. März 2020
Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr.