Die Edda © Matthias Horn
Die Edda © Matthias Horn

Wem gehört die Welt?

…fragen die Lessingtage im Thalia Theater vom 18. Januar bis zum 9. Februar 2020

 

Uns nicht - oder? Denn der Satz „Macht euch die Erde untertan“ war ursprünglich als Ermutigung gedacht, den zivilisatorischen Prozess der Menschheit voranzubringen. Es ging nicht darum, die Ressourcen dieses Planeten bis zur Selbstzerstörung auszubeuten oder kolonialistische Herrschaftsansprüche zu rechtfertigen.

 

Diese beiden elementaren und brandaktuellen Themenbereiche bilden die Schwerpunkte für das internationale Festival des Thalia Theaters
„Um alles in der Welt – Lessingtage“, das zum 11. Mal stattfindet. Diverse sehr unterschiedliche Inszenierungen setzen sich mit der Zerstörung
der Erde und der postkolonialen Selbstbestimmung auseinander, sie richten den Blick in die Vergangenheit, um nach Ursachen zu suchen,
und sie blicken in eine oft recht düstere Zukunft.

 

Immer hat der Mensch nach Erklärungen für seine Herkunft geforscht und dabei versucht, sich seinen Platz in der Welt zu erobern. Das belegt schon die berühmte altisländische Mythensammlung „Edda“, die in der preisgekrönten Inszenierung (Der Faust 2018) von Thorleifur Örn
Arnasson auf die Bühne kommt, ein Gastspiel des Burgtheaters Wien. „Arctic“  dagegen weist in die Zukunft: in dieser negativen Utopie ist Grönland bereits eisfrei und von Ölfirmen aufgekauft. Mit dem ewigen Konflikt Krieg und Frieden beschäftigt sich das NTGent im Stück „Orest
in Mossul“ nach der Orestie von Aischylos. Alle Inszenierungen eint der Anspruch der Autoren und Regisseure, das große Ganze zu sehen
und alle Menschen als gleichwertig zu betrachten – egal, woher sie kommen. Ganz im Sinne des Altmeisters der Toleranz und Namensgebers dieses Festivals, Gotthold Ephraim Lessing, der sich nie im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubte.

 

Ergänzt werden die Aufführungen durch Gesprächsrunden, Stadtführungen und die Ausstellung „Tropic Ice“ im Oberrangfoyer des Thalia
Theaters. Die wegweisende Eröffnungsrede hält die weltbekannte indische Physikerin, Aktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Dr. Vandana Shiva. Sie vertritt die These, dass jeder Einzelne etwas gegen die Zerstörung unseres Planeten tun kann. Gegen Ende des Festivals,
am 8. Februar, befasst sich die traditionelle „Lange Nacht der Weltreligionen“ (in Kooperation mit der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg) mit dem Thema „Religionen und Klimawandel“.