Tigran Mikaelyan © Neue Philharmonie Hamburg
Tigran Mikaelyan © Neue Philharmonie Hamburg

Wir stellen vor:
Die Neue Philharmonie Hamburg

Ein Gespräch mit dem Gründer und Orchesterleiter Tigran Mikaelyan

 

Ich wollte ein zufriedener Musiker bleiben.“ Das war der Grund, weshalb der Violinist Tigran Mikaelyan sich entschloss, ein eigenes Orchester
zu gründen: die Neue Philharmonie Hamburg. Ein Erfolgsprojekt, das seit 2003 mit vielen Konzerten nicht nur in Hamburg, sondern auch bei zahlreichen Gastauftritten von Südkorea bis in die USA und quer durch Europa das Publikum begeistert. 60 bis 70 Auftritte absolvierten
die Musiker jährlich – bis zum schmerzlichen Einschnitt durch die Corona-Krise.
 

Seit 1995 lebt Mikaelyan in Deutschland. Zuvor war der 1969 in Eriwan geborene Armenier, der mit fünf Jahren begonnen hatte, Geige zu spielen, und in St. Petersburg am Konservatorium studiert hatte, als Solist schon bei Gastspielen in westeuropäischen Ländern aufgetreten. Dabei hatte er auch Hamburg kennengelernt. Es gefiel ihm so gut, dass er nach seiner Aussiedlung beschloss, hier zu bleiben. „Die Stadt hat eine gewisse Ähnlichkeit mit St. Petersburg“, begeistert er sich. „Das Wasser, das Grün, das Nordlicht, die Distanziertheit der Leute, aber wenn man
sie näher kennenlernt, dann sind sie sehr herzlich.“ Ein Orchester, das auf Dauer seinen Vorstellungen entsprach, fand er allerdings nicht. „Ich hatte keine Lust, lebenslang in einem Orchester-Graben zu sitzen, womöglich mit einem Dirigenten, mit dessen Interpretationen ich nicht einverstanden bin.“

 

Die Chance seines Lebens nutzte er, als 2003 für das Gastspiel einer russischen Ballett-Compagnie ein Orchester gesucht wurde. Gemeinsam mit Bekannten und Freunden trommelte er 50 Musiker zusammen. Die Neue Philharmonie war geboren. „Die Hauptakteure  sind noch immer dabei“, freut sich der Gründer und Konzertmeister des Kammerorchesters. Zu der Stammbesetzung – ohne „schweres Blech“ wie Posaunen und Trompeten – zählen rund 30 Musiker, die aus den verschiedensten Ländern stammen. Auch seine Frau Elen, die wie er selbst aus Eriwan
stammt, spielt gelegentlich die Bratsche im Orchester. Musik und Kultur müssten die Menschen ohne Grenzen vereinen, meint Mikaelyan mit Überzeugung. „Bei mir herrscht Frieden und Zufriedenheit. Da sitzen Aserbaidschaner und Armenier ebenso an einem Pult wie Juden und Araber.“

 

Bei den meisten Konzerten der Neuen Philharmonie gibt der Konzertmeister allein den Ton an. „Viele Programme brauchen keinen Dirigenten“,
meint er, ganz in der Tradition der Kammerorchester aus den Zeiten von Vivaldi und Mozart. „Wenn die Musiker selbst zur Musik finden, ist es ein
ganz anderes Ergebnis und ein anderes Gefühl, als wenn man sich auf den Dirigenten verlässt. Das Zusammenspiel wird besser und lebendiger.“ Bei besonders schwierigen Stücken wird aber auch ein Dirigent engagiert. Dieses Konzept ermöglicht es dem Kammerorchester, sensibel auf die Atmosphäre eines Konzerts einzugehen – wobei natürlich auch die jeweilige Spielstätte einen Einfluss hat. Die Laeiszhalle ist der absolute Lieblingssaal des Orchesters. Dort ist die Akustik besser als in der Elbphilharmonie, findet der Konzertmeister und Violinist.

 

Um sich die künstlerische Freiheit in Auswahl und Gestaltung seiner Programme zu bewahren, verzichtet Tigran Mikaelyan bewusst auf alle Subventionen. Das Orchester finanziert sich allein aus den Eintrittsgeldern der Konzerte. In diesem Jahr allerdings war es aus mit den Gastspielen in großen Konzerthäusern. „Im Frühjahr sind 28 Konzerte ausgefallen und im November noch einmal elf“, klagt Tigran Mikaelyan. Für seine Musiker, die alle freiberuflich arbeiten, eine Katastrophe – wie für so viele Kulturschaffende in dieser Zeit. Die Maßnahmen gegen die Pandemie
bezeichnet er als „Krieg gegen alles, was kreativ ist und was Spaß macht“ und als „Vernichtung der Kultur“. Dass in einem Land, das so große
Komponisten hervorgebracht wie Johann Sebastian Bach – für Mikaelyan der „Zeus“ unter den Komponisten – die Musik quasi „verboten“ wird,
ist für ihn unvorstellbar. Als Leiter der Neuen Philharmonie ist er u. a. für die gesamte Organisation der Konzerte verantwortlich. Da sind auch die kurzfristigen Entscheidungen der Politik über den Lockdown ein großes Problem. „Wir können so kurzfristig nicht planen.“ Trotzdem: Es wird weitergehen. Die Pläne für die Zukunft reichen schon bis zum Jahr 2022.

 

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