Außenansicht des MARKK © MARKK/P. Schimweg
Außenansicht des MARKK © MARKK/P. Schimweg

NEUER NAME UND NEUE ERSCHEINUNG
Zeitgleich zur Eröffnung von „Erste Dinge – Rückblick für Ausblick“ erhielt das Haus den neuen Namen MARKK

Alles auf Anfang: Eineinhalb Jahre nach ihrem Amtsantritt als Direktorin des Hamburger Völkerkundemuseums hat Barbara Plankensteiner wichtige Bausteine der angekündigten Neupositionierung bereits realisiert. Zeitgleich zur Eröffnung von „Erste Dinge – Rückblick für Ausblick“, einer Ausstellung zu den Ursprüngen der ethnographischen Sammlung in Hamburg, erhielt das Haus einen neuen Namen: MARKK, Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt. Sehr ambitioniert, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.

Eines vorweg: Der Aufbruch im Völkerkundemuseum nach Jahren der Stagnation war mehr als überfällig. Die finanzielle Misere, die personellen Querelen wollten einfach nicht enden. Dazu viel „Kleinkein“, wenige wirklich attraktive Ausstellungen. Nun weht ein spürbar frischer Wind - nicht nur in formaler Hinsicht durch den neuen Namen (samt „markkiger“ Wortspiele), der den mit Kolonialherrschaft und „völkischem“ Gedankengut in Misskredit gebrachten Begriff der Völkerkunde künftig ablösen soll.

„Inhaltlich geht es schon lange nicht mehr um das Beschreiben von Völkern, sondern um ein Verständnis von kulturellen Zusammenhängen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden, in lokalhistorischen wie auch globalen Kontexten“, schreibt Barbara Plankensteiner im Vorwort des „Erste Dinge“-Katalogs. Das würde ihr Vorgänger Wulf Köpke sicher unterschreiben. Nur war sein Ansatz in Punkto Umsetzung ein völlig anderer. In der Ära Plankensteiner, das ist jetzt schon klar, wird der Fokus auf Präsentation und Wertschätzung der Sammlung gelegt. Die sorgsame Inszenierung in abgedunkeltem Raum auf nachtblauem Grund, für die die Kuratorinnen Jeanette Kokott und Fumi Takayanagi verantwortlich zeichnen, lässt jedes noch so kleine Exponat als Kostbarkeit und Kunstwerk erscheinen. Erste Dinge, die von den internationalen Handelsbeziehungen kulturinteressierter und bildungsorientierter Hanseaten im frühen 19. Jahrhundert künden. Was sie an Souvenirs und Kuriosa zusammentrugen – Kleidung, Dosen, Schalen, Masken, Matten und Musikinstrumente; Schmuck, Skulpturen und Schiffsmodelle; Waffen und Werkzeuge – vermachten sie der Stadtbibliothek im Johanneum, der zentralen Bildungsstätte der Stadt. 645 Objekte zählten die Sammlungsverwalter Adolph Oberdörffer und Ferdinand Worlée bei der ersten systematischen Auflistung 1867. Vier Jahre später bildete dieses Sammelsurium den Grundstock des „Culturhistorischen Museums“, das ab 1879 Museum für Völkerkunde hieß.

Wie kann, wie darf, wie soll man diese Objekte heute präsentieren? Wie lässt sich das erstrebte „erweiterte Verständnis der Dinge und der Zusammenhänge“ erreichen? Wer hat die Objekte wann, wo und unter welchen Umständen erstanden? Und wer waren überhaupt die Künstler? Fragen über Fragen, von denen vielleicht einige in den nächsten Jahren geklärt werden. Zunächst aber bleibt die Erkenntnis, dass Hamburgs großartige Sammlung ursprünglich zufälligen Erinnerungsstücken zu verdanken ist. Und das Vergnügen einer liebevoll gestalteten Schau mit vielen unbekannten wunderschönen Exponaten, wie der aus ungebranntem Ton modellierten indischen Göttin Dura, die man ohne den Wunsch der Direktorin, den Dingen auf den Grund zu gehen, wohl nie zu Gesicht bekommen hätte.  

„Erste Dinge“ (bis auf weiteres), Rothenbaumchaussee 64, Di–So 10–18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Eintritt 8,50/ erm. 4 €. Bis 18 Jahren frei, für alle Do 16-21 Uhr frei. Alle Infos auf markk-hamburg.de