NEUES THEATERDOMIZIL DIREKT AN DER ELBE
Das Opernloft feiert mit der Neuinszenierung von Puccinis
„Tosca“ seine Eröffnung im Alten Fährterminal in Altona

Drei Jahre vergingen mit Bangen, Hoffen, Suchen und Planen. Jetzt ist es endlich soweit: Das Opernloft hat ein neues Domizil. Mit der Wiederaufnahme und Neuinszenierung von Puccinis „Tosca“ geht es im Alten Fährterminal in Altona los. „Wenn es diesmal nicht geklappt hätte“, sagt Intendantin Inken Rahardt, „hätten wir den Gedanken begraben, dass es uns weiter gibt.“

2015 musste das Opernloft seine Heimstätte an der Fuhlentwiete räumen, weil dort die ehemalige Springer-Druckerei abgerissen wurde. Aufgeben kam damals für die drei Leiterinnen der unkonventionellen Opernbühne nicht in Frage. Inken Rahardt, Geschäftsführerin Yvonne Bernbom und Dramaturgin Susann Oberacker machten sich auf die Suche nach geeigneten neuen Räumen. „Das hat sehr viel Zeit und Kraft gekostet“, sagt die Intendantin. Zweimal gab es immerhin mit „Ein Maskenball“ und „Carmen“ Abstecher ins Ernst Deutsch Theater, bis die neue feste Bleibe gefunden war. Der Theatersaal im Alten Fährterminal bietet Platz für 200 Zuschauer, dazu kommt ein großes Foyer, ein Café und eine Außenterrasse direkt an der Elbe mit wunderbarem Blick auf Wasser, Kräne und vorüberfahrende Schiffe (wenn nicht gerade ein Kreuzfahrt-Riese davor festgemacht hat, was allerdings nur selten vorkommen soll). Insgesamt eine Fläche von 750 Qua-dratmetern.

Nach umfangreichen Umbauten und Investitionen – noch ist längst nicht alles geschafft – soll es nun im bewährten Stil weitergehen. „Am Anfang wird manches noch provisorisch sein“, erklärt Inken Rahardt. Kulissen, Ausstattung und Teile der Technik des Opernloft sind zurzeit in Sierksdorf gelagert. Was davon noch brauchbar ist, muss sich erst zeigen. Das Konzept jedoch ist unverändert. Rahardt: „Wir sorgen dafür, dass Opern verständlich bleiben und fragen uns, „was sagt uns das heute?“ Wenn es keinen heutigen Bezug gibt, spielen wir es nicht. Oder wir müssen dann eben den offensichtlichen Kern vergessen – wie etwa bei „Figaros Hochzeit“, in der das „Recht der ersten Nacht“ eine große Rolle spielt – und uns einem anderen Thema in der Oper zuwenden, das heute gültig ist.“ Kürzung auf 90 Minuten Länge, deutsche Dialog-Texte, fremdsprachiger Gesang mit deutschen Obertiteln bleiben als Grundprinzip. In der Handlung werden zeitbezogene Schwerpunkte gesetzt oder Änderungen mit heutigen Bezügen eingeflochten. „Wir nehmen jedes Stück auseinander und setzen es dann wieder neu zusammen“, sagt die Intendantin, die auch selbst Regie führt. Puccinis Sängerin Tosca beispielsweise wird im Opernloft zur Pizzabäckerin, der Polizeichef zur Dame vom Gesundheitsamt.

Weiter im Spielplan stehen die Neuaufnahme des Kinderstücks „Die Prinzessin der Feen“ und eine neue Krimioper von Susann Oberacker – natürlich mit Bezug auf den neuen Spielort. Vor Abfahrt eines Luxusliners in Altona wird eine gewisse Manon vermisst. Auf der Kreuzfahrt nach Schottland und Frankreich gibt es noch diverse Morde, die zwei Detektivinnen aufklären müssen, beziehungsreich untermalt mit Musik von Massenet, Donizetti, Verdi und Johann Strauss. Für das Frühjahr ist auch eine weitere Operninszenierung geplant: Jules Massenets „Werther“.

Nicht nur die zeitgemäße Aufarbeitung der klassischen Opern liegt Inken Rahardt am Herzen, sondern vor allem auch die Förderung junger Sänger. „Wir sehen uns ein bisschen als Sprungbrett für Sänger. Dass Sänger, die an andere Opernhäuser engagiert werden, dann wieder abspringen, das gehört zu unserem Alltag.“ So war es früher, und so soll es wieder werden, wenn der Spielbetrieb erst einmal richtig läuft. „Jetzt wollen wir uns erstmal auf den neuen Raum und seine Möglichkeiten einlassen“, sagt Inken Rahardt, die besonders begeistert von der großen Terrasse in einem Sommer wie diesem ist. Vielleicht, so überlegt sie, ließe sich später ja auch im Sommer spielen...

Am 3. November 2018 feiert das Opernloft große Wiedereröffnung. Ab dem 11. November gibt es die Wiederaufnahme und Neuinszenierung „Tosca“.