Die aktuellen Neuproduktionen

Mondlicht und Magnolien © English Theatre
Mondlicht und Magnolien © English Theatre

der Privat- und Staatstheater


ENGLISH THEATRE
Moonlight and Magnolias
Der Hollywood-Klassiker „Vom Winde verweht“ wurde zu einem der größten Kino-Erfolge aller Zeiten, zu einem Kultfilm, der manchem auch heute noch die Tränen in die Augen treibt. Doch fast wäre er gar nicht zustande gekommen. 1939: Produzent Selsznick hat sich mit seinem Team überworfen, sein Prestigeprojekt droht zu kippen. Seine ganze Hoffnung setzt er in den neuen Regisseur Victor Fleming und Drehbuchautor Ben Hecht. Der jedoch kennt keine Zeile von der Romanvorlage und weigert sich, diesen „Moonlight and Magnolias“-Kitsch zu bearbeiten. Kurzer Hand sperrt Selznick das neue Team in seinem Büro ein. Zwischen Streit, Gebrüll und Drohungen spielen Regisseur und Produzent dem Autor die einzelnen Szenen vor, bis das Drehbuch fertig ist. Wahr oder erfunden – der irische Autor Ron Hutchinson, der in Los Angeles lebt, verquickte 2004 beides zum komödiantischen Showdown, nicht nur für Fans des Kultfilms.

KOMÖDIE WINTERHUDE
Kerle im Herbst
Älterwerden, Einsamkeit, Erinnerungen an vergangene Liebe – all diese Themen packt Autorin Katrin Wiegand in ihrer Erfolgskomödie mit Humor und pointenreichen Dialogen an. Ihre drei Mannsbilder sind zwar im Herbst des Lebens, wähnen sich aber ungeachtet ihrer 70 plus noch in den besten Jahren. Auf Mallorca leben sie in einer WG, bestens betreut von der jungen Haushälterin Dani. Sie streiten sich genüsslich über Alter, Krankheiten und Impotenz. Doch dann trifft ein Brief ein, in dem ihre ehemalige Schulfreundin Karin ihren Besuch ankündigt. Und noch zwei Briefe kommen an, in denen von einer Tochter die Rede ist, deren Vater nicht Karins Ehemann ist. Da geraten die Herzen aller drei „Kerle“ ins Flattern, zumal noch manch andere Überraschung auf sie wartet. In Horst Johannings Inszenierung stehen mit Horst Janson, Max Schautzer und Christian Wolff drei prominente und bewährte TV-Veteranen auf der Komödien-Bühne, unterstützt von Jansons Tochter Sarah Jane als Dina.

ERNST DEUTSCH THEATER
Demokratie
Es war ein Skandal, als 1974 Günter Guillaume als Stasi-Spion im Kanzleramt enttarnt wurde, was zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt führte. Für den britischen Dramatiker Michael Frayn Anlass genug, die parlamentarische Demokratie in unserem Land auf den Prüfstand zu stellen. 2003 wurde sein Stück „Demokratie“ in London uraufgeführt. Anhand von Akten, Zeitungsberichten und Autobiographien verfolgt Frayn den Aufstieg und Fall des ersten SPD-Kanzlers der Bundesrepublik und offenbart die Machtspiele und Intrigen im inneren Kreis der regierenden Parteien. Prominente Politiker jener Zeit wie Herbert Wehner, Hans-Dietrich Genscher oder Helmut Schmidt dürfen dabei nicht fehlen. Zehn Schauspieler teilen sich im Ernst Deutsch Theater die Rollen. (Ein ausführlicher Bericht über „Demokratie“ folgt in der Aprilausgabe).

SCHAUSPIELHAUS
Probleme, Probleme, Probleme
Wenn René Pollesch ein Stück auf die Bühne bringt, dann weiß man vorher nie so genau, was daraus wird. Er schreibt und entwickelt seine Texte während der Proben. Ein richtiges Handlungsgerüst gibt es nicht. „Postdramatisch“ nennt sich sein Stil. Das bedeutet eine Form, die sich vom traditionellen Sprechtheater abgrenzt und sich anderen Medien und Genres öffnet. Zuletzt inszenierte Pollesch 2017 am Schauspielhaus „Ich kann nicht mehr“. Diesmal gibt es „Probleme Probleme Probleme“ – ein weites Feld im Alltag, in der Familie, im Beruf – oder in der Philosophie. Das SchauSpielHaus jedenfalls setzt dem neuen Pollesch-Projekt ein Zitat des 1995 gestorbenen französischen Philosophen Gilles Deleuze voran: „Philosophie-Machen heißt, sich Problemen stellen, die Sinn machen, und Begriffe erschaffen, die uns dazu bringen, uns auf das Verstehen von Problemen und die Auseinandersetzung mit ihnen zuzubewegen.“ Fünf Schauspielerinnen, darunter Angelika Richter und Bettina Stucky, stellen sich auf der Bühne dieser Auseinandersetzung.

HAMBURGER KAMMERSPIELE
Nein zum Geld
Dass Geld allein nicht glücklich macht, weiß doch jeder. Aber „Nein“ sagen, wenn es denn ins Haus flattert, würde wohl kaum einer. Und wenn doch? Eine solche Situation malt die französische Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Flavia Coste in ihrem Stück „Nein zum Geld“ aus. Architekt Richard und seine Frau Claire führen eine gute Ehe und ein zufriedenstellendes Leben. Da platzt Richard eines Tages mit der Nachricht ins Haus, er habe einen Millionengewinn im Lotto gemacht. Riesenjubel bei seiner Mutter, seiner Frau und seinem besten Freund. Doch Richard erklärt, er wolle das Geld nicht, er habe alles, was er brauche. Seine Familie und der Freund sind entsetzt. Um seinen Entschluss und um den Lottoschein entbrennt ein heftiger Streit, der auch vor Gewalt nicht halt macht. In den Kammerspielen inszeniert Sewan Latchinian (Foto)die turbulente Komödie. Der Regisseur war bis 2016 Intendant des Volkstheaters Rostock. Er übernimmt in diesem Sommer die künstlerische Leitung der Kammerspiele. Als Schauspieler stellte er sich dort auch schon in der Komödie „Die Nervensäge“ vor.

ALTONAER THEATER
Herzlich willkommen
Zum Abschluss der vierteiligen Kempowski-Saga im Altonaer Theater heißt es: „Herzlich Willkommen“. Doch so herzlich willkommen ist Walter Kempowski keineswegs, als er nach acht Jahren Haft im Zuchthaus Bautzen in den Westen kommt. Er hat keine Ausbildung und kein Geld. Die Menschen in seiner Umgebung begegnen ihm mit Misstrauen. In Göttingen macht er sein Abitur nach und beginnt ein Studium. 1960 heiratet er die Pfarrerstochter Hildegard Janssen und bekommt schließlich eine Stellung als Grundschullehrer. Doch die Eindrücke von Bautzen bleiben unauslöschlich. Autor und Regisseur Axel Schneider mischt die Erinnerungen als dramatische Spotlights in die Saga, wobei der typisch lakonisch humorvolle Kempowski-Ton stets erhalten bleibt. „Eine bunte, ehrliche, niemals langweilige Kempowski-Reise“, urteilte die Presse nach den ersten Teilen.