Die aktuellen Neuproduktionen

Serotonin im SchauSpielHaus © Sebastien Dupouey
Serotonin im SchauSpielHaus © Sebastien Dupouey

der Privat- und Staatstheater


ERNST DEUTSCH THEATER
WAS IHR WOLLT
Die Liebe purzelt kreuz und quer durch die Geschlechter; falsche Hoffnungen und Täuschungen verwirren die Gefühle. In seiner Komödie „Was ihr wollt“ mischt Shakespeare die Leidenschaften kräftig durcheinander, ohne Rücksicht auf genspezifische Identitäten – was zu seiner Zeit, um 1600, zusätzlich für komische Anspielungen sorgte, da damals alle Frauenrollen von Männern gespielt wurden. Die Zwillinge Viola und Sebastian wurden bei einem Schiffbruch getrennt. Viola rettet sich an die Küste Illyriens und tritt als Mann verkleidet in die Dienste des Herzogs. Der liebt die Gräfin Olivia, die sich prompt in den fremden jungen Burschen verliebt. Violas Herz indes entflammt heimlich für den Herzog. Als dann auch noch ihr Zwilling auftaucht, gerät das Liebeskarussell komplett ins Schleudern. Volker Lechtenbrink hatte sich diese Komödie zu seinem 75. Geburtstag gewünscht. Zusammen mit seiner Tochter Saskia Ehlers führt er im Ernst Deutsch Theater die Regie. Als Film- und Fernsehschauspieler hatte er sich einmal die Rolle eines knarzig-knurrigen Ex-Kommissars gewünscht. Hier spielt er nun den Narren des Herzogs, eine eher nachdenkliche als komische Figur. 

OHNSORG THEATER
EEN MANN MIT CHARAKTER
Ganz wie in alten Ohnsorg-Zeiten: Mit dem Lustspiel „Een Mann mit Charakter“ kommt ein echter plattdeutscher Klassiker auf die Bühne. Autor Wilfried Wroost, 1889 auf St. Pauli als Sohn eines Schiffbauers geboren, kannte die Menschen, die er in seinen Stücken so treffend charakterisierte. 1968 spielte Heidi Kabel die resolute Mutter des Bäckermeisters Hintzpeter und Heidi Mahler ihre Tochter Gisela. Jetzt schlüpft Heidi Mahler – nach „Tratsch op de Trepp“ – wieder einmal in einem Ohnsorg-Oldie in die einstige Rolle ihrer Mutter, was ihr stets hervorragend mit eigener Interpretation gelingt. Regie führt ihr Mann Michael Koch. Heinrich Hintzpeter ist der „Mann mit Charakter“. Als sein Bruder nach Amerika ging, heiratete er dessen sitzen gelassene schwangere Braut. Doch jetzt kommt Bruder Fritz zurück. Soll Tochter Gisela von ihm erfahren, wer tatsächlich ihr Vater ist? Heinrich gerät mächtig in die Bredouille. Noch dazu will Gisela einen Finanzprüfer heiraten und nicht den Bäckergesellen, dem er sie versprochen hat. Eine Katastrophe bahnt sich an – wenn da nicht Oma Dora wäre, die alles wieder tatkräftig und schlitzohrig ins Lot brächte. 

THALIA THEATER
DIE KATZE UND DER GENERAL
Der Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ der georgischen Schriftstellerin Nino Haratischwili war ein großer Erfolg – als Buch und als Drama im Thalia Theater. Hausregisseurin Jette Steckel inszeniert nun ihre zweite Roman-Adaption. „Die Katze und der General“ spielt vor dem Hintergrund des Tschetschenien-Krieges in den 90er Jahren. Damals wurde die junge Nura von Soldaten überfallen, vergewaltigt und erdrosselt. An dem Verbrechen war auch der Russe Alexander Orlow beteiligt. Zwanzig Jahre später lebt er als erfolgreicher Wirtschaftsmagnat, von allen „General“ genannt, in Berlin. Doch die Geschehnisse von damals lassen ihn nicht los. Mit Hilfe der Schauspielerin „Katze“, die Nura zum Verwechseln ähnlich sieht, will er seine damaligen Kameraden und damit auch sich selbst zur Rechenschaft ziehen. „Es geht um Menschen, die vom Krieg traumatisiert werden. Es geht aber auch um Opfer- und Täterschaft, um Abrechnung, Rache und den Umgang mit der eigenen Schuld“, erklärt Nino Haratischwili.

THALIA THEATER
LILIOM
Der Rummelplatz-Ausrufer Liliom war einmal eine Paraderolle für populäre Volksschauspieler wie Hans Albers, Curd Jürgens oder Harald Juhnke. Im Thalia Theater spielte ihn zuletzt im Jahr 2000 in Michael Thalheimers Inszenierung Peter Kurt mit Fritzi Haberlandt als Julie. Ein junger Hallodri verführt ein Dienstmädchen, verliert seine Arbeit und seine Wohnung, schlägt seine schwangere Geliebte und versagt schließlich kläglich bei einem Raubüberfall, der ihn von seinen Geldsorgen befreien sollte. Schließlich Selbstmord, bevor die Polizei ihn greifen kann. Eine „Vorstadtlegende“ nannte der ungarische Autor Ferenc Molnár sein berühmtestes Stück, das 1909 in Budapest uraufgeführt wurde. Bei ihm bekommt Liliom von einem himmlischen Gericht noch eine zweite Chance. Sozialdrama von vorgestern? Der ungarische Film- und Theaterregisseur Kornél Mundruczó gibt ihm am Ende einen zeitgemäßeren Dreh: Ein Chor von Nonkonformisten im Jenseits stellt Liliom vor die Frage, warum er die Spirale der Gewalt nicht durchbrechen konnte. In der Koproduktion des Thalia Theaters mit den Salzburger Festspielen stehen Jörg Pohl und Maja Schöne als Liliom und Julie auf der Bühne. 

 

THE ENGLISH THEATRE
THE WOMAN IN BLACK
Eine Gespenstergeschichte, die Grusel garantiert: Seit 30 Jahren geistert die „Frau in Schwarz“ im Londoner Westend über die Bühne. Das Stück entstand nach dem Roman „Woman in Black“ von Susan Hill, der 2012 auch verfilmt wurde. Stephan Mallatratt machte daraus eine Theater-Fassung für nur zwei Personen. Im English Theatre inszeniert Paul Glaser den Gänsehaut-Thriller. 

 

ALLEE THEATER
LA CENERENTOLA
Das Märchen war vor 200 Jahren auch schon in Frankreich und Italien bekannt. In Rom erlebte es 1817 seine Uraufführung als Oper: Gioachino Rossinis „Cenerentola“. Für das Allee Theater verlegte Barbara Hass die Handlung in die Welt von heute: Aus dem jungen Prinzen Don Ramiro wurde der Inhaber eines vegetarischen Restaurants, aus dem Philosophen und Abgesandten des Prinzen Alidoro wurde dessen Manager und Koch und der reiche Baron Don Magnifico ist nun ein Spielhallenbesitzer. Der hat zwei faule Töchter, die den Laden im Dreck verkommen ließen – wenn da nicht das arme, unscheinbare Mädchen wäre, das ständig die Aschenbecher putzt. Man ahnt, wie es ausgeht ... Die kammermusikalische Bearbeitung und Leitung im Allee Theater liegt bei Ettore Prandi, Regie führt Alfonso Romero Mora. 

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS
SEROTONIN
Serotonin gilt als Glückshormon. Und es ist der Titel des jüngsten Romans von Michel Houellebecq, der erst zu Beginn dieses Jahres herauskam. Ganz aktuell also ist das Schauspielhaus mit seiner Uraufführung in einer Bearbeitung von Regisseur Falk Richter. Houellebecqs „Unterwerfung“ als Monolog mit Edgar Selge war hier ein Riesenerfolg; bleibt abzuwarten, ob „Serotonin“ daran anknüpfen kann. Das Buch jedenfalls löste schon die gegensätzlichsten Kritiken aus – zwischen saft- und kraftlos oder bittersüß und prophetisch. Das Thema ist Lebensüberdruss. Florent, ein alternder Mann, Agraringenieur, hat das Leben satt. Nur ein Medikament, das die Ausschüttung des Glückshormons fördert, rettet ihn vor der endgültigen Depression. Auf einer letzten Reise rechnet er ab mit den Frauen aus seiner Vergangenheit, mit der Politik, mit der Welt, die ihn umgibt, von Massentierhaltung bis Massentourismus, und letztlich auch mit sich selbst. Schließlich landet er in einem Hotelzimmer und bleibt für die Außenwelt verschwunden. In Falk Richters Inszenierung spielen u.a. Carlo Ljubek und Samuel Weiss. 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS
DIE NIBELUNGEN – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie
Die „etwas andere“ Radio-Show hat es geschafft: Nach „Madame Bovary“ in Hannover sowie „Effie Briest“ und „Anna Karenina“ im Malersaal kommt die vierte Folge der von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht frech bearbeiteten und präsentierten klassischen Weltliteratur direkt auf die große Bühne. Diesmal haben sie sich „Die Nibelungen“ vorgenommen, um sie „mit anderem Text und auch anderer Melodie“ (ganz ohne Wagner) aufzupeppen. Antenne Walhalla präsentiert den neuesten Hit der Walküren, Rock-Musik begleitet den Familienkrieg, unterbrochen von absurden Werbe-Einspielungen, Nachrichten und Ansagen – eine witzige Parodie, die sich über sich selber lustig macht. 

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE
WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN
Gilla Cremer schreibt sich ihre Theater-Monologe wie „Die Dinge meiner Eltern“ selbst auf den Leib. Mit ihrer bezwingenden, kraftvollen Ausstrahlung überzeugt sie aber auch als Marlene Dietrich oder Hildegard Knef. Jetzt hat sie sich mit ihrem Theater Unikate den Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“ aus dem Jahr 2017 vorgenommen. Autorin Mariana Leky erzählt darin von einem Dorf im Westerwald, von den Bewohnern und ihren Eigenheiten, vom Lieben und vom Sterben. Eine wundersame, eine anrührende, eine traurige Geschichte. Die Koproduktion mit den Kammerspielen wird von Dominik Günther inszeniert. Gilla Cremers Partner auf der Bühne ist Rolf Claussen.

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE
GLÜCKLICH IN 90 MINUTEN
Wo und wie findet man das Glück? Dieser Frage gehen Komponist Jan-Christof Scheibe und Regisseur Georg Münzel in einem musikalischen Abend am Beispiel eines gestressten Investmentbankers nach. Penetrantes Handy-Klingeln unterbricht den Vortrag von einem Coach über das Glück. Carl-Christian Blau telefoniert ungeniert mit einem Geschäftspartner. Der Coach nutzt diesen Zwischenfall für seine Ausführungen. Im Wechsel zwischen Vortrag, Spielszenen und Musik wird das Privat- und Geschäftsleben des Bankers durchleuchtet und es wird klar, dass Blau kurz vor dem Kollaps steht. Eigentlich sollte er längst im Flieger nach Peking sitzen, aber nun gerät er plötzlich in Panik, wenn er das Haus verlassen soll. Diagnose: Agoraphobie. Eine Katastrophe für den viel beschäftigten Mann! Aber auch eine Chance zur Rückbesinnung auf den Sinn des Lebens und ein Hinweis auf den Weg zum Glück. In den Kammerspielen ist u.a. Tim Grobe dabei, der dort auch schon in musikalischen Abenden wie Wittenbrinks „Familienbande“ als Sänger brillierte.

 

IMPERIAL THEATER
M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER
Ein psychopatischer Kindermörder geht um und versetzt eine ganze Stadt in Angst und Schrecken. Die Menschen verdächtigen sich gegenseitig, es kommt zu anonymen Anzeigen. Die allgemeine Hysterie und die erhöhte Wachsamkeit der Polizei bringt auch die Unterwelt auf den Plan, deren dunkle Geschäfte dadurch gestört werden. Eine Ganovenbande geht selbst auf die Jagd nach dem Mörder. 1931 war der Film von Fritz Lang eine der ersten deutschen Tonfilmproduktionen. Im Imperial Theater feiert nun Chef Frank Thannhäuser das 25-jährige Bestehen seines Hauses mit dem Kultfilm – natürlich für die Bühne aufbereitet. Thannhäuser möchte zum Jubiläum gleichzeitig an die musikalischen Anfänge seines Hauses erinnern, das mit dem Musical „Grease“ seinen ersten großen Erfolg hatte. Deshalb hat er zu der Krimigeschichte neun Songtexte geschrieben, zu denen Marco Formanik die Musik komponierte. Sie sollen die Handlung ergänzen und die Personen charakterisieren. 

 

KOMÖDIE WINTERHUDE
LADIES NIGHT
Was ist eigentlich so komisch daran, wenn Männer, die absolut keine Adonisse sind, die Hüllen fallen lassen? Die Antwort darauf gibt die Komödie „Ladies Night“. Schon 1997 wurde der Film „Ganz oder gar nicht“ zum Kult, drei Jahre später setzte Regisseur Folke Braband nach. Seine Inszenierung des Stückes von Stephen Sinclair und Antony McCarten ist seither ein vielfach ausgezeichneter Bühnen-Dauerbrenner mit weit mehr als 850 Vorstellungen in Theatern von Wien bis Berlin und auf Tournee. Jetzt kommen „Die wilden Stiere“ zum ersten Mal in die Komödie Winterhude. Den Erfolg des Stückes macht nicht nur die Strip-Nummer des Arbeitslosen-Sextetts aus, das mit der „Ladies Night“ aus der finanziellen Misere herauszukommen hofft, sondern auch der soziale Aspekt. Die Möchte-gern-Kerle plagen sich nicht nur mit Schwabbelbauch oder Hühnerbrüsten und mangelnden Talenten, sondern auch mit privaten Problemen: Sorgerechtskampf um den Sohn, wieder mal den Job verloren, Liebe unter Männern. So wird die urkomische Plackerei, eine Show auf die Bühne zu bringen, zugleich zu einer Bewährungsprobe für Freundschaft und Toleranz.