Die aktuellen Neuproduktionen der Privat- und Staatstheater

"Ab jetzt" mit Oliver Mommsen © Franziska Strauss

Die Premieren im Januar:

 

Komödie Winterhuder Fährhaus

AB JETZT

Seine bitterste Komödie schrieb Alan Ayckbourn 1987 und inszenierte die Uraufführung in Scarborough selbst – „Ab jetzt“ ist eine groteske Zukunftsvision, entstanden in einer Zeit, als die Welt noch nicht digitalisiert war. Da wirkt manches heute nur noch komisch, manches aber auch fast visionär.
Der Komponist Jerome lebt allein mit dem Roboter Gou 300 F, seit ihn seine Frau mit seiner Tochter verließ. Um beim Jugendamt ein Besuchsrecht zu erwirken, mietet er eine Schauspielerin, die seine Verlobte spielen soll und mit deren Hilfe er einen perfekten Haushalt simulieren will. Als das nicht klappt, programmiert er den Roboter zur Verlobten um – ein gewagtes Experiment, bei dem so einiges schief geht. 1989 brachte Peter Zadek die deutsche Erstaufführung dieses
Stückes in Berlin heraus. Zu seinen Assistenten gehörte damals Martin Woelffer, der die Farce jetzt in der Komödie Winterhuder Fährhaus mit Oliver Mommsen als Jerome inszeniert.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

GÜNTHER GRÜNDGENS

Wer ist Günther Gründgens? Ist er womöglich der Bruder von Gustaf? Zu Unrecht scheint er in Vergessenheit geraten zu sein. Doch nun lädt
der „Klub der Freunde des Günther Gründgens“ ein ins Schauspielhaus zu einer Jubiläumsfeier unter dem Motto: „Die Wracks von Hamburg –
wo sind sie?“ Erinnert werden soll an den vielseitigen Künstler, der einst als Sänger in der Tonfilm-Operette ebenso wie als Virtuose auf dem mit 120 Saiten bespannten Hackbrett gefeiert wurde. Angerichtet wird das feierliche Gedenkbankett mit Spiel, Gesang und Tanz von Barbara Bürk
und Clemens Sienknecht. Und da die beiden mit „Effi Briest“, „Anna Karenina“ und den „Nibelungen“ – alle drei allerdings mit anderem Text und auch anderer Musik – erfolgreich ihre Vorliebe für witzig unterhaltsame Persiflagen bewiesen haben, darf man sicher sein, dass diese Hommage nicht so ganz ernst zu nehmen ist: „Günther Gründgens – ein Leben, zu wahr, um schön zu sein“.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD

Eigentlich sollten Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ schon im November 2020 über die Bühne des Schauspielhauses gehen. Doch dann kam der Lockdown und es blieb bei einer Livestream-Vorstellung. Jetzt folgt endlich die Real-Premiere vor Publikum.
Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts machte Horváth in diesem Stück Schluss mit allen Klischees der volkstümlichen Wiener Gemütlichkeit und stellte deren Verlogenheit an den Pranger. Marianne begehrt gegen die vom Vater gewünschte Verlobung mit dem Metzger Oskar auf und träumt von einer selbstbestimmten Zukunft. Doch als sie ein Kind von dem Hallodri
Albert bekommt, ist es damit bald vorbei. Die Menschen in ihrer Welt werden bei Horváth zu typisierten Figuren. Das Maskenhafte dieser
Figuren wird bei Heike M. Goetzes erster Inszenierung am Schauspielhaus sehr deutlich. Sie wickelt die Darsteller in bunte Tücher, verhüllt
sogar ihre Gesichter und schafft damit eine geisterhafte Albtraum-Atmosphäre.

 

THALIA THEATER

DER SCHWARZE MÖNCH

Mit der weitgehend unbekannten Erzählung „Der schwarze Mönch“ von Anton Tschechow geht der russische Regisseur Kirill Serebrennikov
einem existenziellen menschlichen Konflikt auf den Grund: Das Bemühen, etwas Besonderes zu sein, führt leicht zu Selbstüberschätzung und Selbstverlust. Wogegen in der Bescheidenheit eines unbedeutenden Lebens auch die normale Hinfälligkeit aller Natur enthalten ist. Was ist erstrebenswerter? Bei Tschechow sucht der gestresste Professor Kowrin Erholung in der Gärtnerei seines Ziehvaters. Immer wieder erscheint
ihm der schwarze Mönch, der ihm das Gefühl gibt, ein auserwählter Mensch zu sein. Als er jedoch schließlich seine Wahnvorstellungen als
solche erkennt, geht er an der Normalität zugrunde. Serebrennikov, Star des europäischen Regietheaters, bricht in seinen Produktionen
gern die Grenzen zwischen Spiel, Musik und Tanz auf. In der Uraufführung im Thalia Theater stehen dementsprechend deutsche und
russische Schauspieler, Musikerinnen, Sänger, Performerinnen und Tänzer auf der Bühne. Es wird Deutsch und Russisch gesprochen, mit deutschen und englischen Übertiteln.

 

ALTONAER THEATER

OLYMPIA

Seit seine Kriminalromane unter dem Sammeltitel „Babylon Berlin“ fürs Fernsehen mit großem Aufwand und ebenso großem Erfolg verfilmt
worden sind, ist Autor Volker Kutscher einem breiten Publikum bekannt. Seine Geschichten um den Oberkommissar Gereon Rath bestechen
vor allem durch das genaue Zeitkolorit vom Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre. Es begann mit „Der nasse Fisch“ in der Weimarer Republik, den Schluss der Buchreihe bilden die Olympischen Spiele von 1936.
Intendant Axel Schneider gelang es, die Bühnenrechte von „Olympia“ für das Altonaer Theater zu sichern. Nun bringt er seine Bearbeitung in eigener Regie zur Uraufführung. Natürlich spielt die Politik eine große Rolle: Die Spiele sollen für Propagandazwecke der Nazi-Regierung als perfekte Show inszeniert werden. Da geschieht ein Mord in der amerikanischen Delegation. Eine Katastrophe, die unter allen Umständen
vertuscht werden soll. Doch dann kommt es zu weiteren Morden an Soldaten einer ehemaligen Wachkompanie Hermann Görings. Kommissar
Rath ermittelt – und gerät dabei nicht nur ins Visier der Gestapo, sondern auch eines Gangsterbosses auf Rachefeldzug.

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE

STELLA

Zwei Frauen lieben einen Mann. Der Mann verlässt erst die Ehefrau, dann die Geliebte: eine Konstellation, die in viele Gesellschaftsdramen
von heute passt. Nur – dieses Drama ist schon 215 Jahre alt und stammt von Goethe. Cäcilie, Fernando und ihre Tochter Lucie könnten eine glückliche Familie sein. Doch treibt es Fernando eher zu seiner Geliebten Stella, bei der er es aber auch nicht lange aushält. Die verlassene
Cäcilie gerät in finanzielle Not und bringt ihre Tochter als Haushaltshilfe unter – ausgerechnet bei Stella. Als der reumütige Fernando zu seiner Geliebten zurückkehrt, sieht er sich plötzlich mit drei Frauen konfrontiert, die Entscheidungen von ihm verlangen. Die Regisseurin Amina
Gusner sieht in dem Drama genügend Ansätze, um moderne Beziehungsmodelle und Geschlechterrollen auf den Prüfstand zu stellen.
Zu einem endgültigen Ergebnis kommt sie in ihrer Fassung für die Kammerspiele dabei kaum, denn schon Goethe wollte sich nicht entscheiden.
Er lieferte zwei Schlussversionen: Doppelter Selbstmord oder Liebe zu dritt.

 

OHNSORG THEATER

ÜNNER’T LÜCHTFÜER

Arne Christophersen kennt sich aus mit norddeutschen Typen und ihren Eigenheiten. In Flensburg wurde er 1970 geboren. Inzwischen ist er
dort als Lehrer tätig und spielt an der Niederdeutschen Bühne Flensburg, für die er auch Stücke ins Plattdeutsche übersetzt. Sein erstes eigenes abendfüllendes Theaterstück „Ünner’t Lüchtfüer“ schrieb er 2014. Natürlich wurde es in Flensburg uraufgeführt, und natürlich spielt es in Norddeutschland – mit einem höchst eigenwilligen Charakter im Mittelpunkt. Paul Gebhardt ist Leuchtturmwärter auf einer winzigen Insel. Mit seiner Grobheit, seiner Sturheit und seinem maulfaulen Eigensinn hat er schon 45 Assistenzleuchtturmwärter vergrault. Als Nummer 46
wird Bengt zu ihm geschickt, der als Folge seiner Spielsucht zwangsrekrutiert wurde. Mit Witz, Fatalismus und einer guten Portion Naivität
gelingt es dem redseligen Jungen allmählich, Pauls Panzer ein wenig zu knacken. Eine Hilfe ist ihm dabei die Tochter des Leuchtturmwächters,
die überraschend zu Besuch kommt. Im Ohnsorg Theater inszeniert Meike Harten das hintergründig humorvolle Stück.

 

Karten für die Neuproduktionen finden Sie im Ticketshop

 

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