Die aktuellen Neuproduktionen der Privat- und Staatstheater

Udo Samel und Matthias Habich © Hamb. Kammerspiele
Udo Samel und Matthias Habich © Hamb. Kammerspiele

Die Premieren im Mai:

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE

HERR KLEE UND HERR FELD

Eigentlich heißen sie beide Kleefeld, doch dann teilten sie ihren Namen brüderlich. Alfred wurde Herr Klee, Moritz wurde Herr Feld. Moritz machte Karriere als Psychologie-Professor, Alfred machte keine Karriere als drittklassiger Schauspieler. Jetzt, im Alter von Mitte siebzig, leben sie zusammen in Frankfurt und beklagen gegenseitig ihre hypochondrischen Leiden. Als ihre alte Haushälterin genervt kündigt, stellen sie Samira ein. Die bringt frisches Leben in die Rentner-Routine, denn sie ist nicht nur jung und hübsch, sondern auch politisch engagierte Palästinenserin. Eine Herausforderung für die jüdischen
Brüder!

Michel Bergmanns realistisch humorvoller Roman „Herr Klee und Herr Feld“ ist der Abschluss einer Trilogie über jüdisches Leben im Nach-
kriegs-Deutschland. Zusammen mit Anke Apelt schrieb der Autor, der 1945 als Kind jüdischer Eltern in der Schweiz geboren wurde,
die Bühnenfassung für die Kammerspiele. Die Inszenierung von Ulrike Maack ist mit Matthias Habich und Udo Samel prominent besetzt.

 

ALLEE THEATER

LUCIA DI LAMMERMOOR

Traum oder Realität, Wahn oder Wirklichkeit – in E. T. A. Hoffmanns (1776 – 1822) berühmter Erzählung mischt sich beides zu einem
psychischen Horror-Szenario. „Der Sandmann“ ist bei dem Dichter der Romantik eine grausame Märchenfigur, die Kindern nachts Sand
in die Augen streut und sie ihnen ausreißt, wenn sie nicht schlafen wollen. Den Studenten Nathanael plagen solche traumatischen Kindheitserinnerungen. Er glaubt, der Sandmann habe seinen Vater umgebracht, und nun ist er ihm wiederbegegnet. Er fühlt sich verfolgt,
verliebt sich in Olympia, die eigentlich eine Puppe ist, und endet im Wahnsinn.
Robert Wilson, der vor drei Jahrzehnten mit „The Black Rider“ einen Riesenerfolg am Thalia Theater verbuchen konnte, hat zusammen mit
der britischen Musikerin Anna Calvi die Schauermär zu einer furiosen Gruseloper verarbeitet, in der Traum und Wahn das Leben durchdringen. Regisseurin Charlotte Sprenger inszeniert das Spektakel, das Wilson 2017 in Düsseldorf selbst auf die Bühne brachte, im Thalia Theater.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

DIE FREIHEIT EINER FRAU

So traurig und so herzzerreißend schön! Die Wahnsinnsarie der liebeskranken Lucia di Lammermoor riss schon bei der Uraufführung von
Donizettis Oper 1835 in Neapel das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Der Komponist reagierte erfreut: „Sie (die Oper) hat gefallen und
sehr gefallen, wenn ich dem Applaus und den Komplimenten, die ich bekommen habe, glauben darf“, schrieb er an seinen Verleger Ricordi.
Primadonnen wie Maria Callas und Joan Sutherland feierten später Triumphe als Lucia und sorgten für Sternstunden des Belcanto.
Auslöser für die Liebestragödie ist die Feindschaft zweier schottischer Familien. Wie Romeo und Julia schwören sich Lucia und Edgar
heimlich ewige Liebe. Doch Lucia wird aus politischen Gründen zur Heirat mit einem anderen gezwungen. Noch in der Hochzeitsnacht
ersticht sie ihren Gatten, verfällt in den Wahnsinn und stirbt kurz darauf. Verzweifelt folgt Edgar ihr in den Tod. In der konzertanten Aufführung
des Allee Theaters (in italienischer Sprache) singt Luminita Andrei die Titelpartie. Für ihre Rolle in „Verdi und die Dame mit Noten“ am Allee
Theater wurde sie 2016 mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

REVOLUTION

In Belarus, dem Heimatland des Autors, erregte Viktor Martinowitschs Roman „Revolution“ 2020 besonderes Aufsehen, weil Demonstrierende
das Buch zum Symbol für ihre Proteste machten. Schauplatz der Geschichte ist allerdings Moskau, wo unbeschränkte Macht und unfassbarer
Reichtum herrschen. Die Aktualität könnte gegenwärtig gar nicht deutlicher sein. Der Autor zeigt, wie verführbar, wie manipulierbar der Mensch sein kann, wenn der Staatsapparat in das gesellschaftliche Leben jedes Einzelnen eingreift.
Michail German, Dozent an einer Moskauer Universität, wird in einen Unfall verwickelt und muss plötzlich eine große Summe Geld auftreiben. Dadurch gerät er unter den Einfluss eines Mafia-Bosses, der die Regierung korrumpiert und kontrolliert. Michail beginnt, die Vorzüge des
Lebens im Schatten der Macht zu genießen – doch er muss dafür auch Brutalität und Grausamkeit ertragen und seine Freundin verlassen.
Die Theaterfassung des Romans inszeniert der tschechische Regisseur Dušan David Parízek, der zuletzt 2019 im Schauspielhaus den Roman
„Trutz“ von Christoph Hein auf die Bühne brachte.

 

ALTONAER THEATER

ALLE TOTEN FLIEGEN HOCH – AMERIKA

Zwei Teile von Joachim Meyerhoffs autobiografischer Roman-Trilogie waren bereits im Altonaer Theater zu sehen – über die Kindheit mit der
Familie in der Umgebung einer psychiatrischen Klinik und die Zeit des Schauspielstudiums in München bei den Großeltern. Jetzt folgt der
dritte Teil, der nach Amerika entführt. Heute ist es für viele Jugendliche fast schon selbstverständlich, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen.
In den 80ern war es eher noch eine Ausnahme. Der damals 18-jährige Joachim wagte es. Um einen Platz in einer amerikanischen Familie zu bekommen, gibt sich der Großstadtjunge im Fragebogen als naturbegeisterter, religiöser Kleinstädter aus. Und landet in Laramie, mitten im gar nicht mehr so wilden Westen mit Blick auf die Prärie und die Rocky Mountains. Doch er passt sich an und freut sich auf die spannende Basketballsaison. Bis ihn ein Anruf nach Hause zurückholt. Ein Trauerfall.
Mit viel Selbstironie und pointiertem Witz schildert Meyerhoff, inzwischen längst ein erfolgreicher Schauspieler, die Zeit seines Aufbruchs in
die Welt und ins Erwachsenwerden: „Alle Toten fliegen hoch“.

 

ERNST DEUTSCH THEATER

UMSCHLAGPLATZ DER TRÄUME

Das „Axensprung Theater Hamburg“ ist eine kleine Künstlergruppe, die wichtige gesellschaftliche und historische Themen anhand von Einzelschicksalen lebendig macht und auf die Bühne bringt. In Kooperation mit dem Ernst Deutsch Theater entstand nun, musikalisch untermalt, ein Porträt des Hamburger Hafens. Erzählt wird die wechselvolle Geschichte der fiktiven Reederin Charlotte Tiedenbreuk und ihrer Familie von 1888 bis heute. Ihre Liebe zum Kedelklopper Klaas, der so gerne Segelmacher werden würde, Kampf um soziale Gerechtigkeit, Pfeffersäcke
und Klabautermänner spiegeln das Leben auf dem „Umschlagplatz der Träume“, wie Erik Schäffler sein „Hamburger Hafenstück“ nennt. Der Regisseur („Moby Dick“, „Tyll“) schreibt und inszeniert seit vielen Jahren Stücke für das „Axensprung Theater“. Bekannt wurde er auch als Teufel
in den Hamburger „Jedermann“-Aufführungen in der Speicherstadt.

 

Karten für die Neuproduktionen finden Sie im Ticketshop

 

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