Die aktuellen Neuproduktionen

der Privat- und Staatstheater


DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS
LAZARUS
Kurz vor seinem Tod im Januar 2016 schrieb Popstar David Bowie zusammen mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh ein Musical, in dem er an den Filmklassiker „Der Mann, der vom Himmel fiel“ von Nicolas Roeg anknüpfte. 1976 spielte er darin selbst den Außerirdischen Thomas Jerome Newton, der auf der Erde landete, um Wasser für seinen Planeten zu suchen. Newtons Mission und seine Rückkehr scheiterte jedoch. Einsam und zerstört blieb er zurück. Im Musical „Lazarus“ lebt er nun als Mensch mitten unter uns. Er leidet unter seiner Unsterblichkeit, tröstet sich mit Gin und wird von den Dämonen seiner Vergangenheit verfolgt. Doch dann begegnet ihm ein Mädchen, eine verlorene Seele wie er selbst. Und er schöpft neue Hoffnung. Welthits von David Bowie wie „Absolut Beginners“, „Heroes“ und „This is not America“ begleiten Newtons Suche nach Erlösung. Im Schauspielhaus inszeniert Falk Richter das Musical mit Alexander Scheer in der Hauptrolle..  

ERNST DEUTSCH THEATER
ADEL VERPFLICHTET  
Eine makabre Mörderkomödie und ein genialer Hauptdarsteller, der gleich acht Rollen darin spielte: Der Film „Adel verpflichtet“ von 1949 mit Sir Alec Guinness ist längst Kult. Mit bissiger Ironie karikiert er britische Lebensart nd uralte Dekadenz. Der Film basiert auf dem Roman „Israel Rank“, der um die Jahrhundertwende spielt. Regisseur Anatol Preissler und Schauspieler Otto Beckmann haben sich beides vorgenommen und daraus eine neue Bühnenfassung gemacht, die im Ernst Deutsch Theater ihre Uraufführung erlebt. Der schwarze Humor ist geblieben: Victor, unehelicher und ärmlich aufgewachsener Spross aus altem Adelsgeschlecht, träumt davon, ein echter Graf Gascoyne zu werden. Aber leider stehen ihm dafür noch sieben Erbberechtigte im Wege. Für Victor nur zeitweilig ein Hindernis: Mit Fantasie und Raffinesse beseitigt er die lieben Anverwandten, bis er selbst den Grafentitel trägt. Doch da ereilt ihn das Schicksal: Er wird wegen eines Mordes verurteilt, den er nicht begangen hat. Nach den Dreharbeiten zum Film bekannte Alec Guinness, er sei wegen der vielen Rollenwechsel ständig verwirrt gewesen. Wird es Marc Weigel in Preisslers Theater-Inszenierung ähnlich ergehen?

KOMÖDIE WINTERHUDER FÄHRHAUS
NEUN TAGE FREI
Er ist jüngstes von fünf Kindern, studierte zunächst Wirtschaftsinformatik und wurde dann Kabarettist. Seit 2002 schreibt er eine Erfolgskomödie nach der anderen: Stefan Vögel. Mit „Neun Tage frei“ kommt nun ein neues Stück des österreichischen Autors in die Komödie Winterhude. Neun Tage mit ungeahnten Folgen. Joe wollte seiner Frau Maria nur einen unbeschwerten Urlaub gönnen und lässt sie nach Barcelona fahren, während er sich um die Kinder kümmert. Doch da hat er die Rechnung nicht mit seinen Freunden Geri und Carlo gemacht. Die sind stinksauer. Schließlich könnte so etwas Schule machen und ihre Frauen kämen auf die gleiche Idee wie Maria. Tatsächlich: die Frauen reisen Maria hinterher, die Männer reisen ihren Frauen aus Eifersucht hinterher und anschließend reisen alle total gefrustet wieder nach Hause. Und Schuld an dem ganzen Durcheinander hat natürlich Joe. Schließlich war er es, der Maria neun Tage frei gegeben hat. Stefan Vögel rechnet amüsant ab mit der Toleranz der Männer und der Loyalität der Frauen. Sein Credo: „Eine gute Komödie ist immer auch ein Tragödie, nur aus einem anderen Blickwinkel
betrachtet und erzählt.“

OHNSORG THEATER
HARTENBREKER
„Die Hochzeit ist eine Firmengründung, die Ehe eine Firma und das ganze Leben ein Kontobuch.“ Das ist das Lebensmotto des Großunternehmers
„Compaß“. Und so beschließt er, dass seine Tochter Lia heiraten soll. Per Anzeige „Tochter aus reichem Hause sucht besseren Herrn zwecks Heirat“ gerät sie jedoch an den erfolgreichen jungen Heiratsschwindler und Herzensbrecher Möbius, der ähnlich wie Lias Vater, die Liebe nur als Geschäft betrachtet. Dumm nur, dass die beiden sich tatsächlich ineinander verlieben. In der plattdeutschen Version wird das Lustspiel „Ein besserer Herr“ zum „Hartenbreker“. Die Gauner- und Gesellschaftskomödie von Walter Hasenclever (1890 – 1940), die 1927 in Frankfurt uraufgeführt wurde, ist zwar schon ein bisschen in die Jahre gekommen, hat aber immer noch genügend Witz und Ironie. In den zwanziger Jahren diente die Komödie als Mittel, den Lebensstil jener Zeit zu parodieren: das Streben nach Geld und Erfolg, den Verfall von Gefühlen. Und das ist schließlich zeitlos aktuell.

ALTONAER THEATER
DER HUND VON BASKERVILLE
Im Krimi-Theater Imperial heulte der Hund von Baskerville schon im Jahr 2010 mit großem Publikumserfolg. Jetzt kommt der berühmteste Fall von Sherlock Holmes auch ins Altonaer Theater, und diesmal wird es nicht nur spannend, sondern auch komisch. Dafür sorgt der amerikanische Autor Ken Ludwig, der mit der Komödie „Otello darf nicht platzen“ berühmt wurde. Im Moor wird die Leiche von Sir Charles Baskerville gefunden. Sir Henry, letzter Sproß aus dem altem Adelsgeschlecht, reist an, um das Erbe anzutreten. Doch auf der Familie lastet angeblich ein Fluch. Henry heuert den genialen Detektiv Sherlock Holmes an, denn er fürchtet um sein Leben – besonders, da in den Nächten ein markerschütterndes Ge-
heul für Angst und Schrecken sorgt. Die schaurige Geschichte bleibt. Doch mit den 36 verschrobenen Figuren, die von nur fünf Darstellern gespielt
werden, sorgt Ken Ludwig in seinem Stück von 2015 zusätzlich für überraschende Komik. In Altona inszeniert Eva Hosemann den Krimi.

HAMBURGER ENGELSAAL
AUF INS METROPOL
Das Metropol in Berlin war in den 1920er und 30er Jahre ein weltberühmtes Operettentheater, in das mit dem Jazz auch die Musiktrends aus den USA einzogen. Josephine Baker mit ihrem Bananenröckchen gehörte zu den umjubelten Stars ebenso wie Marlene Dietrich oder Fritzi Massary. An diese Zeit erinnert die Jazz-Revue „Auf in’s Metropol“ im Engelsaal. Die Melodien von Paul Abraham, Friedrich Holländer und anderen Operetten-Komponisten hat der Jazz-Pianist Michael Ashton für zwei Klaviere arrangiert und lässt die Musik von damals auf besondere Art wieder lebendig werden. Operetten-Ohrwürmer wie die „Blume von Hawai“ dürfen dabei ebenso wenig fehlen wie der Ohrwurm-Song „Heute Nacht oder nie“.

ENGLISH THEATRE
HERE LIES JEREMY TROY
Als Autor von Sience-Fiction-Geschichten wurde der amerikanische Schriftsteller Jack Sharkey (1931–1992) zunächst bekannt. 1965 begann er, auch Theaterstücke zu schreiben. Sein erstes war „Here lies Jeremy Troy“, inzwischen ein komödiantischer Klassiker der Kategorie turbulente Farce. Der Abend bei Jeremy beginnt vielversprechend: Sein Vorgesetzter hat seinen Besuch angekündigt, um dem erfolgreichen Anwalt die Teilhaberschaft in seiner gut gehenden und wohl beleumundeten Kanzlei anzubieten. Doch leider ist an diesem Abend auch noch ein alter Schulfreund bei den Troys aufgetaucht, der sich durchs Leben schnorrt. Er weiß, dass Jeremy seinen Jura-Abschluss gefälscht hat und droht, dessen Chef zu informieren. Der aufdringliche Gast wird Jeremys Frau zu viel; sie geht. In seiner Not engagiert Jeremy ein Model als Ersatz, um den Abend zu retten. Doch dann erscheint nicht nur der Chef, sondern auch die verschwundene Gattin. Das Chaos ist perfekt!