Die aktuellen Neuproduktionen

Mike Adler und Quatis Tarkington in
Mike Adler und Quatis Tarkington in "Willkommen bei den Hartmanns" © Franziska Strauss

der Privat- und Staatstheater


Thalia Theater
Die Nacht der von Neil Young Getöteten
Vor gut 50 Jahren begann die Karriere des kanadischen Musikers Neil Young. Sein Stil umfasst zahlreiche Genres wie Country, Rock oder Folk. Mit „Heart of Gold“ landete er in den 70er Jahren einen Welthit. Für den Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani wurden seine Musik und seine Songs zum Wegweiser durchs Leben. In „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ schildert Kermani: „Mir kommt es wie Magie vor, was Neil Young mit seiner Gitarre treibt; als verliefen deren Saiten quer durch meine Seele.“ Begonnen hatte die Faszination des Autors, als er feststellte, dass nur Neil Youngs Musik in der Lage war, seine von Koliken und Schreikrämpfen geplagte neugeborene Tochter zu beruhigen. Kermani findet alles in dieser Musik – den ganz normalen Alltag, die Vertreibung aus dem Paradies und den Glauben an ein besseres Leben, Werden und Vergehen, Leben und Tod. Als musikalischen Trip inszeniert Sebastian Nübling im Thalia Theater diese Hommage an Neil Young.

Komödie Winterhude
Willkommen bei den Hartmanns
Als Simon Verhoevens Film „Willkommen bei den Hartmanns“ 2016 in die Kinos kam, traf er genau den Puls der Zeit. Die Flüchtlingskrise vom Jahr zuvor war noch kaum überwunden, das Thema hochbrisant. Aktuell ist es noch immer, zumal Verhoeven es zu einer pfiffigen Gesellschaftssatire verarbeitete. In die Komödie Winterhude kommt nun die Theaterfassung von John von Düffel in der Inszenierung von Martin Wölffer. Michael Roll und Ute Willing spielen das Ehepaar Hartmann; er will nicht älter werden, sie hat ein Wein-Problem. Ein eigenes Projekt soll helfen. Und so wird der nigerianische Flüchtling Diallo in ihrem Haus aufgenommen – mit kuriosen Folgen. Die heile Welt der Hartmanns gerät ins Trudeln. Bei aller Komik verliert das Stück aber auch den ernsten Hintergrund nicht aus dem Blickfeld – wenn nämlich der sympathische Diallo (Quatis Tarkington) über Verfolgung und Boko Haram in seiner Heimat spricht.

Ohnsorg Theater
Alarm in’t Grandhotel
Als Kinder waren sie einmal beste Freundinnen: Sängerin Claudia McFadden und Schauspielerin Athena Sinclair sind inzwischen berühmt – und auf den Tod verfeindet. Wenn sie zusammen treffen, dann fliegen die Fetzen. Dummerweise sind die Diven beide bei einer Benefiz-Gala engagiert und im selben Hotel untergebracht. Und nicht nur das: Versehentlich hat man ihnen auch dieselbe Suite reserviert. Eine Katastrophe! Hoteldirektor Dethard rotiert, denn die Stars dürfen sich auf keinen Fall begegnen. Das Chaos eskaliert zum hellen Wahnsinn. Für die plattdeutsche Erstaufführung im Ohnsorg Theater wurde die irrwitzige Komödie des amerikanischen Autors Michael McKeever ins Hamburg der 50er Jahre verlegt und mit Musik angereichert. Murat Yeginer hat als Regisseur die Aufgabe und das Vergnügen, die beiden Ohnsorg-Stars Sandra Keck und Beate Kiupel aufeinander prallen zu lassen. Mittendrin im Chaos: Vollblut-Komiker Erkki Hopf.

Ernst Deutsch Theater
Pension Schöller
Die Patienten einer psychiatrischen Klinik sollte heute korrekterweise niemand mehr als Verrückte bezeichnen. Carl Laufs und Wilhelm Jacoby hatten damit Ende des 19. Jahrhunderts kein Problem. Und da ihr Schwank – 1890 in Berlin uraufgeführt – ebenso genial wie unverwüstlich ist, darf man sich getrost noch immer darüber wie Bolle amüsieren, wenn Provinz-Onkel Klapproth von seinem Neffen Alfred verlangt, einen Abend in einer Nervenheilanstalt mit „echten Verrückten“ zu verbringen. In seiner Not nimmt Alfred ihn mit zu einer Soirée in die Pension Schöller, deren skurrile Gäste er als „Insassen“ eines Sanatoriums ausgibt. Klapproth ist begeistert – doch nicht lange. Denn alsbald bekommt er zu Hause Besuch von seinen neuen Bekannten... Harald Weiler inszeniert den irren Spaß am Ernst Deutsch Theater. Mit dabei im großen Ensemble: Intendantin Isabella Vértes-Schütter und ihr Sohn Daniel Schütter.

English Theatre
Funny Business
Der britische Autor und Schauspieler Derek Benfield (1926 – 2009) beherrschte alles perfekt, was zu einer richtigen Farce gehört. „Lachen ist das einzige Allheilmittel, das uns von Natur aus gegeben ist“, war seine Prämisse. Verwechslungen, Missverständnisse, Turbulenzen und ein rasantes Tempo – das macht auch sein Stück „Funny Business“ zu einem irrwitzigen Spaß. Der tolpatschige Ferris übernimmt als Urlaubsvertretung die Leitung des Hotels seiner Schwester. Das allein würde schon genügen, um ihn in Schwierigkeiten zu bringen. Doch dann erfährt er auch noch, dass anonym ein Hotelkritiker erscheinen soll. Ferris ist hoffnungslos überfordert. Zwei Damen haben eingecheckt, denen ein Mann folgt, der behauptet, mit beiden verheiratet zu sein. Ein älterer Herr bekommt ein falsches Medikament verabreicht, worauf er den beiden Damen ungehemmt nachsteigt... Und wer ist der Kritiker? Die Turbulenzen entwickeln sich zur Groteske.

Opernloft
La Traviata
Rouge ou noire – Rot oder Schwarz. Im Opernloft werden die Farben des Roulettes zum Symbol für Liebe und Tod. Ein Spielsalon wird zum Schauplatz von Verdis Oper „La Traviata“. Dort hält Violetta Hof, die todkranke Kurtisane, in die sich der junge Alfredo verliebt. Traurig und schön ist die Geschichte, die Alexandre Dumas jr. 1848 in seinem Roman „Die Kameliendame“ erzählt. Er selbst hatte sie erlebt. Als Oper allerdings war ein realer Stoff aus der Zeit noch eine skandalöse Neuigkeit auf der Bühne. Die Uraufführung wurde 1853 zum Misserfolg. Der Siegeszug von Verdis Musik ließ sich jedoch nicht aufhalten. Die schönsten Arien und Duette, die von Zorn, Verzicht, Eifersucht und Reue, vor allem aber von Liebe zeugen, bleiben in Inken Rahardts Inszenierung natürlich in aller Emotionalität erhalten. Und um das Publikum auf die Atmosphäre des Opern-Schauplatzes richtig einzustimmen, verwandeln sich Foyer und Saal des Opernlofts in einen großen Spielsalon. 

Hamburger Engelsaal
Frau Luna
Was heute einen realistischen Hintergrund hat, war im 19. Jahrhundert ein utopischer und märchenhafter Traum: Die Reise zum Mond. Und dort ging es damals ganz schön hoch her – zumindest in der Operette von Paul Lincke. Mit einem Ballon startet der Berliner Mechaniker Fritz Steppke hoch hinaus in den Himmel. Mit von der Partie sind seine Freunde Lämmermeier und Pannecke. Auf dem Mond werden rauschende Feste gefeiert. Die Freunde treffen „Frau Luna“, die sich sofort in Fritz verguckt. Sehr zum Verdruss von Prinz Sternschnuppe, der Frau Luna liebt. Die Turbulenzen eskalieren, und dann platzt auch noch der Ballon. Zurück auf der Erde findet Fritz sein Glück mit seiner Verlobten Marie. „Schlösser, die im Monde liegen“ oder „Das ist die Berliner Luft“ machten die Operette unsterblich. Lincke selbst dirigierte die Uraufführung 1899 in Berlin. Im Engelsaal inszeniert Philip Lüsebrink seine eigene Bearbeitung der „burlesk-phantastischen“ Mondrevue.