Die aktuellen Neuproduktionen

der Privat- und Staatstheater


DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS
KÖNIG LEAR
Seit dem Flüchtlingsansturm im Jahr 2015 beschäftigte sich Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier in ihren Inszenierungen mit gesellschaftlich aktuellen Themen wie der Angst vor dem Fremden („Schiff der Träume“, „Hysteria“) oder der Ausbreitung des Islam („Unterwerfung“). Jetzt kehrt sie zurück zu einem Klassiker. Shakespeares Drama „König Lear“ aus dem Jahr 1606 fasziniert bis heute mit menschlichen Konflikten und katastrophalen Folgen von Machtansprüchen, Wahnsinn und Gewalt. Die Geschichte geht auf den mythischen König Leir zurück, der im 8. Jahrhundert vor Christus über Britannien herrschte und der Sage nach – wie Shakespeares König Lear – einen Liebesbeweis von seinen drei Töchtern forderte. Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll sein Reich erben. Den falschen Lippenbekenntnissen widersetzt sich nur die jüngste Tochter, Cordelia, die den Vater wirklich liebt und daraufhin von ihm verstoßen wird. Das ist der Auslöser für den selbstzerstörerischen Niedergang der Familie und des Reiches. Den König Lear spielt Edgar Selge, der im Schauspielhaus mit dem grandiosen Monolog „Unterwerfung“ Triumphe feierte.  

THALIA THEATER
MEDEA UND JASON
Eine Mutter ermordet ihre beiden Kinder, um sich an deren Vater zu rächen. Durch diese Bluttat ging Königstochter Medea in die griechische Mythologie ein. Doch was hat sie dazu getrieben? In seiner Trilogie „Das Goldene Vlies“ erzählt der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer (1791?–?1872) auch von der Vorgeschichte: Von König Aletes’ Raub des geheimnisvollen Widderfells, von der Ermordung des Griechen Phryxus, der mit dem goldenen Vlies als Segel nach Kolchis kam, von der jungen Medea, die Zeugin des Mordes wurde. Als Jahre später der Grieche Jason das Vlies zurückholen will, verliebt sich Medea in ihn, treibt ihren Vater und ihren Bruder in den Tod und flieht mit Jason nach Griechenland. Dort wird Medea, die Fremde, angefeindet, Jason heiratet die Königstochter Kreusa, ihre Kinder verweigern sich ihrer Liebe. Das bittere Ende ist nicht aufzuhalten. Regisseurin Jette Steckel stellt das Schicksal von Medea, den dritten Teil von Grillparzers Trilogie, in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung – eine Migrationsgeschichte und eine hochdramatische Beziehungstragödie, gespielt von Maja Schöne, André Szymanski und einem Chor der Kinder.

ERNST DEUTSCH THEATER
NORA
Im 19. Jahrhundert war es noch eine Selbstverständlichkeit, dass junge Frauen heirateten, Kinder bekamen und nur für die Familie da waren. Als Henrik Ibsens Schauspiel „Nora“ 1879 in Kopenhagen uraufgeführt wurde, war es deshalb sehr provokativ, dass Nora am Ende gegen ihren Ehemann aufbegehrte. Aus ihrem „Puppenheim“ ausbrechen durfte sie damals und ein Jahr später bei der deutschen Erstaufführung in Hamburg aber nicht. Im geänderten Schluss blieb sie bei Mann und Kindern. Inzwischen ist das Drama längst zum Inbegriff für Emanzipation geworden. Als treu sorgende Ehefrau und Mutter passt Nora anfangs genau ins gesellschaftliche Klischee ihrer Zeit. Doch dann gerät sie in einen Zwiespalt. Da sie ihrem Mann Torvald zuliebe ohne sein Wissen eine Unterschrift fälschte, ist sie erpressbar geworden. Der Anwalt Krogstadt nutzt das aus – und verrät sie an Torvald. Der rastet aus, will aber die Ehe mit Nora aufrecht erhalten. Sie jedoch entscheidet sich für ein selbstbestimmtes Leben. Die Titelrolle in Yves Jansens Inszenierung im Ernst Deutsch Theater spielt Stella Roberts, die aus der Jugendgruppe des Theater hervorgegangen ist.

HAMBURGER KAMMERSPIELE
AUF DER BÜHNE GEHÖRST DU MIR
Er war ihr Schauspielschüler und sagt: „Ich hing an ihren Lippen.“ Jetzt sind sie Kollegen und sie – fast doppelt so alt wie er – ist stolz darauf, mit ihrem ehemaligen Schüler gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Zum zweiten Mal haben sich Cornelia Schirmer und Delio Malär zu einem Theaterprojekt der besonderen Art zusammen getan. „Auf alten Pfannen lernt man kochen“ hieß es in der vergangenen Spielzeit im Altonaer Theater, in den Kammerspielen geht es weiter mit „Auf der Bühne gehörst du mir“. Ein bisschen spielt ihr eigenes Leben mit, denn auch im Stück sind sie, was sie wirklich sind: ehemalige Lehrerin und ihr Schüler. Im ersten Stück war sie Putzfrau, jetzt ist sie zur Souffleuse aufgestiegen, er hat die Hauptrolle bekommen. Sie mögen sich, es prickelt zwischen ihnen, nicht nur, weil sie den barocken Klassiker „Gefährliche Liebschaften“ proben. Ergänzt durch die Musiker Lorenz Schmidt und Alex Szustak sorgen sie für eine abwechslungsreiche Mixtur aus Schauspiel, Gesang und Humor, die für manche Überraschung gut ist.