Die aktuellen Neuproduktionen

Orpheus © Armin Smailovic
Orpheus © Armin Smailovic

der Privat- und Staatstheater


THALIA THEATER
ORPHEUS
Die griechische Sage von Orpheus, der nach dem Tod seiner geliebten Eurydike ins Totenreich hinabsteigt, um sie mit Hilfe seines wunderbaren Gesangs zurückzuholen, wurde in zahlreichen Filmen und musikalischen Bearbeitungen aufgegriffen. Antú Romero Nunes, Hausregisseur am Thalia Theater, bietet nun eine eigene Variante an: Orpheus (Lisa Hagmeister) ist bei ihm eine Musikerin, die sich auf die Suche nach ihrer toten Geliebten macht. Auf ihrer Reise in den Hades versuchen mächtige Götter wie Dionysos und Apollon das Schicksal der beiden Frauen zu beeinflussen. Anna Bauer und Johannes Hofmann (u.a. Musik zu „Don Giovanni. Letzte Party“) untermalen den Roadtrip in die Hölle musikalisch. Es werde eher ein Ballett, bei dem auf allen Ebenen improvisiert wird, meint der Regisseur dazu. „Es geht mit Nietzsche darum, mehr zu sehen, füreinander da zu sein,  sich Fragen zu stellen.“ Nur eines scheint sicher zu sein: Am Ende wird Orpheus sich umdrehen und Eurydike verlieren. War ihr Schicksal wirklich unausweichlich?

THALIA THEATER
HEXENJAGD
Eine historische Begebenheit aus den Anfangsjahren der US-amerikanischen Geschichte verarbeitete Arthur Miller (1915?–?2005) in seinem 1953 uraufgeführten Stück: In der kleinen, vom Puritanismus beherrschten Stadt Salem kam es 1692 zu einer grausamen „Hexenjagd“. Massenhaft Unschuldige wurden verfolgt, viele von ihnen hingerichtet. In Millers Stück löst Abigail, die Nichte des Pastors Parris, den allgemeinen Verfolgungswahn aus. Um sich und eine Gruppe Mädchen, die nachts verbotene Tänze aufführen, zu schützen, beschuldigt sie eine schwarze Hausangestellte der Hexerei. Unter den Bewohnern bricht Hysterie aus. Nur wer gesteht, mit dem Teufel im Bund zu sein, kann sich vor dem Galgen retten. Miller setzte den Irrsinn der Hexenjagd gleich mit der Kommunistenhetze der McCarthy-Ära in den 50er Jahren. Regisseur Stefan Pucher, der als Spezialist auf dem Gebiet der amerikanischen Mythen gilt, stellt im Thalia Theater die Frage nach den Beweggründen, wenn eine infame Lüge die Wahrheit  aushebelt.

OHNSORG THEATER
KALENNER-DEERNS
Pin-up-Kalender mit knackigen Girls erfreuen sich bei manchen Männern großer Beliebtheit. Was aber, wenn die abgebildeten Girls nicht mehr ganz so knackig sind? 1999 hatten sechs britische Damen im besten Alter im nördlichen Yorkshire die Idee, sich selbst bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, aber mit viel nackter Haut zu präsentieren – für einen guten Zweck. Ihr Kalender wurde zu einem großen Erfolg. 2003 machte Nigel Cole daraus den berührend komischen Film „Calender Girls“ mit Helen Mirren und Julie Andrews in den Hauptrollen, den Tim Firth später auch für die Bühne umsetzte. Im Ohnsorg Theater hat nun eine Damenriege, u.a. mit den Ohnsorg-Stars Sandra Keck und Beate Kiupel, ihren großen Auftritt in „Kalenner-Deerns“. Als Mitglieder eines Landfrauenvereins kommen sie regelmäßig zum Backen, Basteln oder Marmelade kochen zusammen. Als Annies Mann ins Krankenhaus muss, haben sie eine originelle und mutige Idee: Um ein Sofa für die Klinik zu spenden, wollen sie mit dem provokativen Kalender das nötige Geld einnehmen.  Doch es wird viel mehr daraus – ein Riesenerfolg, der aber auch ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.  

KOMÖDIE WINTERHUDE
KOMPLEXE VÄTER
Im Sommerurlaub am Gardasee feilte Autor René Heinersdorff sozusagen bis zuletzt an seinem neuen Stück, das in der Komödie Winterhude herauskommt. Bei der Uraufführung ist er zugleich Regisseur und Schauspieler. Als einer von drei Vätern, die versuchen, ihre Lebensfehler zu korrigieren, steht er zusammen mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder (alle drei auch privat Vielfach-Ehemänner und Mehrfach-Väter) auf der Bühne. Noch einmal von vorn anfangen und alles besser machen als bei den eigenen Töchtern – dieser Wunsch  ist den Dreien gemeinsam. Dass sie sich dabei gegenseitig immer wieder in die Quere kommen, ist allerdings nicht vorgesehen. Verwechslungen und Missverständnisse – und die Eitelkeit der nicht mehr ganz so jungen Männer blockieren ihr Bestreben. Nur zwei starke Frauen können die „komplexen Väter“ wieder in die richtige Spur bringen. Zuletzt war in der Komödie Winterhuder Fährhaus Heinersdorffs Erfolgskomödie „Aufguss“ zu sehen.  

STAATSOPER HAMBURG
COSI FAN TUTTE
Den Auftakt in der neuen Spielzeit macht der preisgekrönte Schauspieler, Regisseur und Medienkünstler Herbert Fritsch, der am Abend der Theaternacht mit der Neuinszenierung des Opern-Klassikers „Così fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart sein Operndebüt gibt – ein hinreißendes Verwirrspiel um die Liebe zweier Paare, die sich die Treue schwören, nur um diese in einer Wette auf die Probe zu stellen... Die Musikalische Leitung übernimmt der französische Dirigent Sébastien Rouland.  

ERNST DEUTSCH THEATER
DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
Gibt es wirklich noch einen guten Menschen auf der Erde? Eine Frage, die man sich heute wie auch schon in biblischen Zeiten stellen konnte. Bertolt Brecht (1898 – 1956) machte daraus eine Parabel, die er im chinesischen Sezuan ansiedelte. Sein Stück „Der gute Mensch von Sezuan“, ein Musterbeispiel für Brechts episches Theater, wurde vor 75 Jahren in Zürich uraufgeführt. Eine wirkliche Antwort liefert der Dichter dem Publikum darin jedoch nicht. Drei Götter begeben sich auf die Erde, um zu beweisen, dass es noch mindestens einen guten Menschen gibt. Nach langer Suche finden sie die Prostituierte Shen Te, die ihnen selbstlos Unterkunft gewährt. Zum Dank bekommt sie 1000 Silberdollar, womit sie sich einen Ta-bakladen kauft und ihren Mitmenschen hilft. Doch bald schon wird sie schamlos ausgenutzt. Um zu überleben, erfindet sie als zweites Ich den Vetter Shui Ta, der seine Interessen im Sinne des Kapitalismus skrupellos durchsetzt. Wolf-Dietrich Sprenger inszeniert die Parabel und setzt dabei – wie schon bei der „Welle“ – auch einige junge Darsteller aus der Jugendsparte des Theaters ein.  

HAMBURGER KAMMERSPIELE
HEISS AUF ZWEITE LIGA
Es war ein Zittern und Bangen, doch der HSV war nicht mehr zu retten – er stieg erstmalig ab. Tränen und Wut bei den Fans und im Verein. Wie hatte es so weit kommen können? Autor Jörg Menke-Peitzmeyer wagt einen komisch dramatischen Blick hinter die Kulissen des Fußball-Karussells. Ein machtbesessener Vereinsvorsitzender, ein Mäzen und der Trainer sind die Strippenzieher, die Spieler werden zu Spielfiguren. Misswirtschaft, Intrigen, Machenschaften beherrschen das Feld. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – besonders die auf den Aufstieg im nächsten Jahr. Bis dahin heißt es für die treuen Fans: „Heiß auf zweite Liga“! In den Kammerspielen bringt Regisseur Gil Mehmert die Komödie zur Uraufführung. Er hat Erfahrung mit dem Thema Fußball, zumindest auf der Bühne: Er inszenierte in Hamburg das Musical „Das Wunder von Bern“.  

 

OHNSORG THEATER
DE MANN IN’N STROM
Seine Heimatstadt Hamburg war schon früh im literarischen Werk von Siegfried Lenz (1926?–?2014) Schauplatz. 1957 entstand der Roman „Der Mann im Strom“, ein unpathetisches, aber eindringliches Zeitporträt der Nachkriegsjahre mit Arbeitslosigkeit und Aufräumarbeiten im Hafen. In der Verfilmung von 1958 spielte Hans Albers die Rolle des alternden Tauchers Hinrichs, 2006 war es Jan Fedder. Der arbeitslose Hinrichs macht sich in seinen Papieren ein paar Jahre jünger, um wieder einen Job zu bekommen. Tatsächlich wird er von einer Firma für die gefährliche und anstrengende Bergung von Kriegsschiffen eingestellt. Dort bekommt er Probleme mit Manfred, dem windigen und kleinkriminellen Kerl, der seine Tochter geschwängert hat. Die Fälschung von Hinrichs’ Papieren droht aufzufliegen. In der Uraufführung, die Murat Yeginer inszeniert, spielt Till Huster die Hauptrolle.  

ENGLISH THEATRE
DEATH KNELL
Eine gerade frisch renovierte alte Jagdhütte in der Abgeschiedenheit der schottischen Highlands: Schauplatz für ländliche Idylle – oder doch eher für Mystik und Grusel? Bei dem englischen Autor James Cawood wendet sich die überschaubare Landschaft in undurchschaubaren Horror. Der Schriftsteller Henry und seine Frau Evelyn erwarten einen jungen, charismatischen Schauspieler, der im nächsten Stück von Henry eine Rolle übernehmen möchte. Das Treffen der Drei entwickelt sich aber allmählich zu einem Albtraum von Eifersucht, Verrat und Gewalt... Der Thriller „Daeth Knell“ (Totenglocke) ist das jüngste Werk von Cawood, der durch das Stück „Stone Cold Murder“ bekannt wurde. Immer wieder neue Wendungen und Überraschungen in der Jagdhütte sorgen für Spannung.  

ALLEE THEATER
RIGOLETTO
Intrigen, Verführung, ein Fluch und Mord – die Oper, die Verdi zu Weltruhm verhalf, hat alles, was einen spannenden Krimi ausmacht. Das Libretto basiert auf Victor Hugos Drama „Le roi s’amuse“ (Der König amüsiert sich), dessen Uraufführung 1832 in Frankreich in einer wüsten Schlägerei endete, da die Vorbilder für die Hauptfiguren, König Franz I. und sein Hofnarr Triboulet, noch am Leben waren. Verdis „Rigoletto“ hingegen wurde 1851 in Venedig stürmisch gefeiert. – Im Allee-Theater übernimmt Theaterchef Marius Adam selbst die tragische Rolle des Rigoletto.