Die aktuellen Neuproduktionen der Privat- und Staatstheater

Reich des Todes © Arno Declair
Reich des Todes © Arno Declair

Die Premieren im September:

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

REICH DES TODES

Zum Auftakt der Saison ist Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier ein ganz besonderer Coup gelungen: gut 20 Jahre nach seinem Erfolg mit „Jeff Koons“ hat Rainald Goetz wieder ein Stück geschrieben, und die Intendantin selbst inszeniert die Uraufführung. Die Folgen des Attentats von 9/11 nimmt der Autor zum Anlass, die Strukturen von Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Schauplatz ist das Weiße Haus. Der Präsident der USA nutzt die Angst der Menschen vor dem Terror zum Ausbau eines autoritären Regimes und zum Irakkrieg inklusive Folterungen in US-Gefangenenlagern. Die amerikanische Situation verknüpft Goetz mit Anspielungen auf die Entwicklung des deutschen Faschismus (sogar der ehemalige Hamburger Innensenator Schill spielt darin eine fiese Rolle) und auf die Rückkehr autokratischer Gesinnungen in gegenwärtigen Demokratien. Die Frage, welche Faktoren in Krisen zusammenkommen müssen, damit das Böse die Oberhand gewinnen kann, begleitet  und ordnet Goetz im „Reich des Todes“ mit Zwischentiteln, Sprechchören und Musik.

 

THALIA THEATER

PARADIES – FLUTEN / HUNGERN / SPIELEN

Ein Zug rast durch Europa. An seinen Fenstern ziehen Szenen von gestern und heute vorbei, Szenen aus der Geschichte des Kapitalismus und des Kolonialismus, Szenen von Migration, Klimawandel und Menschenausbeutung. Aktuell: Mit Mundschutz und Schutzanzug stehen zwei Kinder vor dem Zimmer ihres Vaters im Krankenhaus. Das 19. Jahrhundert spiegelt sich wieder im Kautschukboom, der ganze Landschaften und Völker vernichtete. Eine Tänzerin bekommt die Härte der heutigen Arbeitswelt zu spüren. Ein

chinesisches Paar wandert nach Italien aus und findet dort die gleichen Arbeitsbedingungen vor wie zu Hause. Der österreichische Dramatiker Thomas Köck (34) betrachtet in seinem Werk „PARADIES – fluten / hungern / spielen“ die Gegenwart durch die Linse der Vergangenheit und erzählt vom Raubbau der Menschen an der Natur und an sich selbst. Christopher Rüping, der zuletzt Benjamin von Stuckrad-Barres „Panikherz“ am Thalia Theater inszenierte, bringt nun eine verdichtete Version von Köcks Romantrilogie auf die Bühne.

 

THALIA THEATER

DER GEIZIGE           

Geiz ist geil. Sogar schon bei Molière ist zu erfahren, dass dieser dümmliche Werbeslogan von heute Blödsinn ist. „Wozu bin ich jetzt noch auf der Welt?“, jammert der reiche Harpagon, als er entdeckt, dass seine Geldkassette verschwunden ist. Das Motiv vom verschwundenen Goldtopf nutzte schon der römische Dichter Plautus (um 254  bis 184 v. Chr.) zu einer Komödie, die Molière  als Vorlage diente. Aber ist das überhaupt noch eine Komödie, wenn „Der Geizige“ auch das letzte Restchen an Gefühlen dem schnöden Mammon opfert? Sosehr Molière die  Geldgier ad absurdum führt, so findet er doch am Ende eine versöhnliche, wenn auch eher pessimistische Lösung: Die Geldgier wird durch Geld besiegt.

Harpagon will Sohn und Tochter reich verheiraten. Er selbst wählt die arme und genügsame Mariane als Braut. Die aber liebt seinen Sohn. Die Intrige um die verschwundene Geldkassette soll den Vater zur Vernunft bringen und löst stattdessen schieren Wahnsinn aus… Molière selbst spielte den Geizigen 1668 in Paris. In der Inszenierung des Film- und Theaterregisseurs Leander Haußmann  am Thalia Theater ist Jens Harzer als Harpagon zu sehen. 

 

ERNST DEUTSCH THEATER

TYLL

Till Eulenspiegel war der Sage nach ein Narr im 14. Jahrhundert, der mit seinen Schelmenstreichen dem Volk die eigene Dummheit vorführte. In seinem Erfolgsroman „Tyll“ versetzt ihn Daniel Kehlmann gut 200 Jahre später in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der preisgekrönte Autor („Die Vermessung der Welt“) macht ihn zur Symbolfigur für Freiheit in einer Welt voll Grausamkeit und Gewalt. Tyll, der Seiltänzer und Jongleur, balanciert gewitzt zwischen Machthabern und geschundenem Volk und hält selbst Herrschern wie dem schwedischen König Gustav Adolf den Spiegel vor. Zusammen mit der Bäckerstochter Nele zieht er durch das verwüstete Land. Die Schicksale der Menschen, denen die beiden begegnen, verbindet Kehlmann zu einem Zeitgemälde voller Witz und Poesie. Der Schauspieler und Regisseur Erik Schaeffler bringt seine eigene Bearbeitung des 2017 erschienenen Episodenromans auf die Bühne des Ernst Deutsch Theaters.   

 

ALTONAER THEATER

GOTT

Schuldig oder nicht schuldig? Diese Frage stellt Ferdinand von Schirach 2015 in seinem Stück „Terror“ und überlässt dem Publikum das Urteil. In seinem neuen Stück, das Intendant Axel Schneider im Altonaer Theater inszeniert, geht es um Beihilfe zum Selbstmord. Richard Gärtner, 78 Jahre alt und noch kerngesund, möchte nicht mehr leben, nachdem seine Frau gestorben ist. Er bittet seinen Arzt um Hilfe. Doch der lehnt ab. Der Fall kommt vor den Ethikrat. Sachverständige aus Justiz, Medizin und Kirche diskutieren das Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Moralische Wertvorstellungen müssen im Hinblick auf die im Grundgesetz garantierte Würde des Menschen und die Verantwortung des Einzelnen überprüft werden. Am Ende entscheidet das Publikum per Abstimmung über das Urteil. – Bis 2015 war „geschäftsmäßige Förderung von Suizid“ durch Ärzte, Pfleger oder Organisationen gesetzlich verboten. Im Februar dieses Jahres hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil auf und legalisierte die Suizidassistenz.

 

KOMÖDIE WINTERHUDER FÄHRHAUS

ARTHUR & CLAIRE

Eine Komödie über zwei Menschen, die ihrem Leben ein Ende machen möchten – geht das? Dem österreichischen Erfolgsautor Stefan Vögel gelingt es mit seinem Stück „Arthur & Claire“, das 2017 auch verfilmt wurde. Er beherrscht den Balanceakt zwischen Lachen und Verzweiflung, zwischen Dramatik und leichten Momenten voller Klugheit. Der Sportlehrer Arthur ist an Krebs erkrankt und will in Amsterdam eine Sterbeklinik aufsuchen. In seinem Hotel macht er die Bekanntschaft von Claire, die sich umbringen will, weil sie bei einem Autounfall Mann und Kind in den Tod gefahren hat. Gegenseitig versuchen sie, sich von ihrem Vorhaben abzubringen. Schließlich einigen sie sich auf einen letzten gemeinsamen Abend, der in einer wunderbaren Nacht endet. Hardy Krüger jr. und Anna Griesbach spielen die beiden Kontrahenten in Ute Willings Inszenierung, die in der Komödie Winterhuder Fährhaus gezeigt wird. „Es ist eine Hommage an das Leben. Arthur und Claire geben sich etwas, was sie vermisst haben, und erkennen, dass jeder Augenblick kostbar ist“, sagt Hardy Krüger jr. zu dem Stück. 

 

KOMÖDIE WINTERHUDER FÄHRHAUS

SWINGING BELLS

Weihnachten kommt etwas verfrüht, dafür aber umso amüsanter in die Komödie Winterhude. Sandra und Thomas freuen sich auf ihr erstes Weihnachtsfest ohne Familie, nur zu zweit. Bevor sie es sich gemütlich machen, soll jedoch noch ihr Doppelbett abgeholt werden, das sie zum Verkauf inseriert hatten. Die Käufer, Leo und Elisabeth, freuen sich auch auf das Weihnachtsfest, allerdings haben sie sich das etwas unkonventioneller vorgestellt. Als Sandra und Thomas ihnen die Tür öffnen, ist gleich vom Bett die Rede. Hier sind sie richtig, denken sich die Besucher, während die Verkäufer etwas irritiert reagieren, denn die Gäste denken gar nicht daran, wieder zu gehen. In seinem Roman „Swinging Bells“ entwickelt der Wiener Autor René Freund eine raffiniert-hintergründige Konfrontation zweier Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die einen im Klischee vom ehelichen Glück verhaftet, inclusive Heimlichkeiten und Verdrängung von Problemen, die anderen offen und freizügig. Die spritzigen Dialoge und Wortspiele legten es dem Autor nahe, aus dem Roman auch ein Theaterstück zu machen. In der Komödie Winterhude wird es jetzt in der Inszenierung von Constanze Behrends uraufgeführt. 

 

THE ENGLISH THEATRE

SNAKE IN THE GRASS

In seinen bisweilen absurd überspitzten Komödien nutzt der britische Autor Alan Ayckbourn gern die Lügen, Neurosen und Verdrängungsprozesse der Menschen für Verwicklungen und kuriose Situationen. Das English Theatre zeigt nun einen Ayckbourn-Krimi, der mit den dunklen Abgründen seiner Charaktere spielt. Nach dem Tod ihres tyrannischen Vaters kehrt Annabel, die in jungen Jahren nach Australien ausgewandert war, nach Hause zurück. Statt ihrer Schwester Miriam erwartet sie dort die Krankenschwester Alice. Die hatte zunächst versucht, Miriam wegen des Mordes an ihrem Vater zu erpressen. Doch nicht Miriam, sondern Annabel hat das Vermögen des Alten geerbt. Und so versucht Alice es eben bei Annabel. In ihrer Not verbünden sich die beiden Schwestern gegen die Erpresserin. Fortan geschehen merkwürdige Dinge in einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel, in dem der Autor immer wieder falsche Fährten legt. Wer ist hier wirklich „Snake in the Grass“, die „Falsche Schlange“? Nichts ist, wie es scheint in diesem rabenschwarzen Gruselschocker.

 

ALLEE THEATER

CARMEN

Auf in den Kampf, Torero? Nichts da! Im Allee Theater ist der stattliche Stierkämpfer Escamillo, der dem Feuer der temperamentvollen Carmen erliegt, ein sportlicher Student. Barbara Hass, die schon vielen klassischen Werken ein neues Text-Gewand verpasst hat, verlegte die Handlung von Georges Bizets „Carmen“ in ihrer Bearbeitung für die Kammeroper in ein modernes Sevilla,  ein Schmelztiegel für Spanier, Touristen und Ausländer. Carmen ist eine junge deutsche Elitestudentin, die rücksichtslos um ihre Freiheit kämpft. Der Sergeant Don José, der sich hoffnungslos in sie verliebt, heißt hier Yussef und kommt aus Marokko. Dort wurde er schon in frühester Jugend von seiner Familie mit dem Mädchen Malek verlobt. Schicksalsschläge, Liebe, Eifersucht, Abenteuer, Tod und natürlich die weltbekannten Melodien von Bizets Oper bringt Regisseur Alfonso Romero Mora auf die Bühne des Allee Theaters, wo er zuletzt im vergangenen Jahr „La Cenerentola“ inszenierte.

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE

DIE KINDER

Lange bevor die Jugendlichen für „Fridays for Future“ zum Demonstrieren auf die Straße gingen, beschäftigte sich die damals 32 Jahre junge englische Autorin Lucy Kirkwood mit dem Thema Klimawandel und der Frage nach einer lebenswerten Zukunft für die Kinder. Ausgangssituation in ihrem Stück „Die Kinder“, das 2016 in London uraufgeführt wurde, ist der Super-GAU in einem Atomkraftwerk an einer europäischen Küste.

Hazel und Robin gehören zu jenen, die den Reaktor aufgebaut haben. Jetzt leben sie als Rentner am Rande der Sperrzone in einer Behelfsbehausung. Eines Tages erscheint ihre ehemalige Kollegin Rose bei ihnen. Hazel schwant Böses, denn Rose hatte seinerzeit ein Verhältnis mit Robin. Rose jedoch möchte keine alte Liebe aufwärmen. Sie will sich stattdessen endlich ihrer Verantwortung als Nuklearwissenschaftlerin stellen - zum Entsetzen von Hazel und Robin. Lucy Kirkwoods packendes Kammerspiel verknüpft geschickt die drei persönlichen Schicksale mit einem ökologischen Kernproblem unserer Gegenwart.

 

Karten für die Neuproduktionen finden Sie im Ticketshop

 

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