Nicole Heesters und Saskia Fischer © Thorsten Jander
Nicole Heesters und Saskia Fischer © Thorsten Jander

Ein Blick hinter die Kulissen in Corona-Zeiten

Die Schauspielerinnen Nicole Heesters und Saskia Fischer im Dialog

 

Die Theater sind geschlossen, geprobte Stücke können nicht aufgeführt werden: Schauspieler gehören zu den von der Corona-Pandemie besonders schwer betroffenen Künstlern. Wir fragten unsere Kulturbotschafterinnen Nicole Heesters und ihre Tochter Saskia Fischer, wie sie diese schwierige Zeit
erleben und bewältigen.

 

NICOLE HEESTERS
Ich überstehe diese Zeit wie die meisten: Allein. Still. Mit viel, viel Zeit für mich selbst, die ich vorher nicht hatte. Es ist eine große Erfahrung,
dass ich nichts vorhabe, keine Termine. Man gewöhnt sich so schnell an alles. Auch daran, dass man keine Menschen mehr sieht.
Ich weiß nicht, ob ich das gut finde, aber ich stelle es fest. Ich gewöhne mich daran, dass man nicht die Hand gibt. Dass man alles allein
erledigt. Und dass ich das sogar reizvoll finde. Ich mache mich völlig unabhängig. Das hat sogar einen Vorteil. Ich will nicht sagen,
dass ich die Zeit angenehm finde. Ich weiß, dass nicht weit entfernt von meiner Wohnung das UKE ist, und dass dort das Pflegepersonal
die schwersten Aufgaben erfüllt. Da kann ich nicht sagen: Mir geht’s gut. Das finde ich zynisch. Sollte mich eine Traurigkeit oder eine Unzufriedenheit erfassen, was ich bisher nicht festgestellt habe, dann hole ich mir immer wieder diese Menschen vor Augen, die Tag
und Nacht für uns arbeiten, völlig selbstlos, die sogar mir, die ich völlig gesund bin, helfen, die Zeit zu erkennen und durchzustehen.

 

Wie halten Sie sich fit, wie sieht Ihr Tag in der Corona-Zeit aus?
Man muss sich strukturieren. Ich stelle mir Aufgaben. Ich trainiere täglich zu Hause, damit ich beweglich bleibe in meinem hohen Alter.
Ich beginne meinen Tag um acht Uhr und setze mich an einen schön gedeckten Frühstückstisch. Ich möchte einen Rhythmus in den Tag

hinein kriegen. Das ist für mich wie ein Gerüst. Ich lese sehr viel, was immer ein Geschenk ist. Dazu komme ich ja sonst nicht.
Dann höre ich Musik, das hilft mir sehr. Ich stopfe sogar, was ich jahrelang nicht getan habe. Und ich gehe früh morgens spazieren.
Ich versuche, mich in dieser wirklich schrecklichen Zeit nicht einer grauen Stimmung hinzugeben, sondern bemühe mich, das
rauszuziehen, was mich weiterbringt. Ich hatte viele schöne Zeiten. Jetzt habe ich keine schöne Zeit. Da bin ich es meinem Leben schuldig,
auch darin etwas Gutes zu finden.

 

Vermissen Sie die persönlichen Kontakte?
Überhaupt nicht. Aber ich telefoniere täglich mit meiner Tochter und meinem Sohn, der selbst eine große Familie hat.

 

Im Frühjahr 2020 konnten einige Vorstellungen von Ihrem großen Solo „Marias Testament“ an den Hamburger Kammerspielen
nicht mehr stattfinden. Haben Sie im vergangenen Jahr überhaupt noch arbeiten können?

Ich habe zwei Filme drehen dürfen, allerdings unter schwierigsten Umständen. Aber ich habe Arbeit gehabt. Zum Unterschied zu vielen
anderen Kollegen. Ich bin wirklich ein Glückskind.

 

Werden Sie sich impfen lassen, wenn es denn möglich ist?
Warum nicht. Ich lasse mich ja auch gegen andere Krankheiten impfen. Aber ich schütze mich ja auch so, auch mit Rücksicht auf die anderen,
und bin bisher gut allein durchgekommen.

 

SASKIA FISCHER
Es ist eine unheimliche Situation. Dabei geht es mir relativ gut. Ich konnte noch arbeiten. Ich bin da in einer Ausnahmesituation.
Die Dreharbeiten zum „Großstadtrevier“ (Anmerkung: Sie spielt die Kommissariatsleiterin Küppers in der beliebten TV-Serie) gingen
mit Verspätung weiter, natürlich unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen. Wir wurden regelmäßig getestet und mussten Mundschutz
tragen. Das erschwert natürlich die Arbeit, man sieht nicht die Gesichtszüge des anderen und somit fehlt ein großer Teil unseres
Handwerks. Doch auch das wird irgendwann zur Normalität. Aber all die Freiberufler, die privaten Theater, die vielen Menschen hinter der
Bühne, an der Kasse, Schneider, Maler und, und, und – sie müssen jetzt Angst um ihre Existenz haben. Mein Mann Mario Ramos ist
überwiegend Theaterschauspieler. Er hatte im vergangenen Jahr gerade mal sechs Vorstellungen auf Tournee. Jetzt probt er zwar an den
Kammerspielen Goethes „Stella“, aber man weiß nicht, ob und wann die Produktion überhaupt aufgeführt werden kann. Diese Ungewissheit
nagt an der Seele.

 

Meinen Sie, dass die Online-Angebote der Theater ein Ersatz sein können?
Wir können doch in unserem Beruf nicht ohne Zuschauer auskommen! Das Theater lebt davon, dass Menschen sich das angucken.
Wir, mit dem Publikum – gleichzeitig in einem Raum. Gemeinsam, einmalig, jetzt! Das macht die Spannung und die Schönheit aus.
Das Unmittelbare macht es so einzigartig. Und das ist, was den Theaterschauspielern und dem Publikum jetzt fehlt.

 

Haben Sie auch Phasen von Depression durchgemacht?
Ich persönlich nicht. Ich konnte zwischendurch in Hörspielen sprechen. Und ich bin ein Mensch, der sich auch gut anderen Sachen widmen
kann. Ich male viel, ich schreibe. Ich habe einen kleinen Sohn, der mich davon abhält, in ein Loch zu fallen. Aber bei meinem Mann sieht
das schon ein bisschen anders aus.

 

Ihr Sohn ist elf Jahre alt. Wie ist es Ihnen mit ihm ergangen?
Bei dem ersten Lockdown war es fürchterlich. Er kam zu der Zeit aufs Gymnasium. Für einen kleinen Jungen ist das ein riesiger Einschnitt.
Er vermisste seine Grundschule, er konnte auf einmal nicht mehr frei rumlaufen, er konnte nicht mehr Basketball spielen. Das war sehr schwer. Und dann wurde ich natürlich als Mutter ganz anders gefordert als sonst: als Lehrerin, beste Freundin und Turngerät in einem. Da ich alles
andere bin als eine Lehrerin, fiel mir das „Homeschooling“ schon schwer, da pfiffen mir die Ohren. Aber wir haben das gut gewuppt.

 

Gab es auch positive Aspekte in der Corona-Zeit?
Ich fühlte einen Zusammenhalt in der Nachbarschaft, man begegnete sich „neu“, es gab plötzlich Hilfsangebote. Jeden Abend trompetete
jemand auf dem Balkon, um Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Da kamen auch viele schöne Dinge zum Vorschein. Aber die Ungewissheit ist
immer noch eine große Herausforderung für uns alle.

 

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