Bemalung und Einrichtung für ein Wohnzimmer © Peter Nils Dorén, E.A. Seemann Verlag
Bemalung und Einrichtung für ein Wohnzimmer © Peter Nils Dorén, E.A. Seemann Verlag

Peter Gustaf Dorén:
Ein Hamburger Raumkünstler um 1900

Ob Senator, Reeder oder Gastronom – wer zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Wohnen in der Hansestadt als Gesamtkunstwerk verstand, der kannte Peter Gustaf Dorén. Das Museum für Kunst und Gewerbe stellt den „Hamburger Raumkünstler um 1900“ nun erstmals der Öffentlichkeit vor.

 

Eines muss man Corona ja zugute halten: Es hat den traditionellen
Kulturinstitutionen im digitalen Bereich einen mächtigen Schub versetzt. Mit einem Mal kann man Theateraufführungen streamen oder
wird fachkundig durch eine Ausstellung geführt, wie jetzt von Grafikdesigner Peter Nils Dorén, dem Urenkel von Peter Gustaf Dorén (1857–1942).
Selbstredend kann so ein virtueller Rundgang das Live-Erlebnis nicht ersetzen, aber wer sich noch nicht wieder ins Museum wagt, bekommt einen
erstaunlich guten Eindruck über die Produktpalette der Firma am Pulverteich 28, die vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur Farbe an die Wände brachte, sondern ihrem illustren Kundenkreis gleich das gesamte „Rundumsorglos- Paket“ in Sachen Einrichtung lieferte. Angefangen bei der Deckenverzierung, über Vorhänge, Möbel und Teppiche, bis hin zum passenden Fußboden.

 

Neben der Kreativität wird auch der Geschäftssinn des gebürtigen Schweden deutlich. Zwischen 1903 und 1914 vergrößerte Dorén die Firma kontinuierlich, auf dem Höhepunkt seines Erfolges beschäftigte er im eigens erbauten Kontorhaus am Pulverteich bis zu 200 Angestellte verschiedener Gewerke. Als einfacher Malergeselle war Peter Gustaf Dorén 1887 in die Hansestadt gekommen, um seinen Meister
zu machen. Als angesehener und bestens vernetzer Unternehmer und Kunstsammler setzte er sich 1923 zur Ruhe.

 

Das Geheimnis seines Erfolges lag wohl vor allem in dem eigenwilligen Stilmix, den er anbot. Dieser spezifisch hamburgischen „harmonischen
Raumkunst“, wie Rüdiger Joppien, ehemals Leiter der Moderne im MKG, in seinem Katalogbeitrag ausführt.


Während in Berlin, Darmstadt und Wien der Jugendstil triumphierte, kombinierte das „Atelier Gust. Dorén“ Elemente des Biedermeier und des
Empire mit dem Jugenstil. Ein Mix, der den konservativen Hanseaten sehr entgegenkam. Man war modern, aber nicht radikal. Hanseatisch eben.

 

Bestes Beispiel geben da die Entwürfe zu Schümanns legendärem Austernkeller. Das grün gehaltene Heine-Zimmer strahlt eben jene
„vornehm-behagliche Bürgerlichkeit“ aus, die eine Bauzeitschrift 1912 so an Doréns Raumkunst lobte. Die in Rot und Crème gehaltene
„Zeppelin Koje“ hingegen entsprach mit ihren Art déco-  Elementen der Avantgarde.

 

Kuratorin Caroline Schröder hat die zahlreichen innovativen Raumentwürfe und Farbmuster in lockerer Atelieratmosphäre inszeniert.
Bis auf einige gerahmte Fotografien und Grafiken ist der umfangreiche Nachlass flächendeckend mit Nadeln an die Wand gepinnt, wie es Innenarchitekten mit ihren Entwürfen üblicherweise machen. So lassen sich die Delikatesse einzelner Farbabstufungen, die Vorlieben
für gebrochene Pastelltöne in Blaugrau, Grün, Ocker und Altweiß, ebenso gut studieren wie die (zugekauften) jugendstiligen, floralen und geometrischen Stoffmuster der Wiener Werkstätte und die aufwendig hergestellte Schablonentechnik zur Wanddekoration
(anstelle gemusterter Tapeten). Keine Frage, Peter Gustaf Dorén überließ bei seinen Raumkonzepten nichts dem Zufall. Nicht nur die Farben,
auch die Materialien waren sorgsam aufeinander abgestimmt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik, waren Luxusausstattungen für Finanzeliten nicht angesagt. Doréns Söhne konzentrierten
sich wieder auf das Kerngeschäft, die Dekorationsmalerei. Der Zweite Weltkrieg und die Zerbombung des Kontorhauses beendeten auch dieses
Kapitel. Was für ein Glück, dass der Nachlass erhalten blieb und heute ein Raumkünstler der Extraklasse (wieder) zu entdecken ist.

 

„Peter Gustaf Dorén. Ein Hamburger Raumkünstler um 1900“. Bis 30. Mai 2021, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz,
20099 Hamburg.
Corona-bedingte Änderungen
der Öffnungs- und Laufzeiten sind möglich. Alle aktuellen Infos unter www.mkg-hamburg.de.
Hier finden Sie auch den Online-Rundgang zur Ausstellung.

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