Rafafel-Kopf eines Cherubs © Hamburger Kunsthalle
Rafafel-Kopf eines Cherubs © Hamburger Kunsthalle

Raffael. Wirkung eines Genies

Ein genialer Maler und begnadeter Selbstvermarkter in der Hamburger Kunsthalle

 

Raffael, il divino, der Göttliche! Kein Maler wurde je mehr verehrt als der Schöpfer der Sixtinischen
Madonna und Vollender des Petersdoms in Rom. Über Jahrhunderte galt Raffael (1483 – 1520) als
größter Künstler aller Zeiten. Die Literatur über ihn füllt Wände. Was will man über diesen Säulenheiligen der Renaissance also noch Neues verkünden?!

 

Nun, die Hamburger Kunsthalle beleuchtet in ihrer großartigen Schau „Raffael. Wirkung eines Genies“ tatsächlich einen noch unbekannten Aspekt: Raffael war nicht nur ein begnadeter Maler, er war auch ein begnadeter Selbstvermarkter!

 

Eine funktionierende PR-Maschinerie in Gang zu setzen, war vor 500 Jahren gar nicht so einfach. Um seine Bildideen zu vervielfältigen, arbeitete der Waisenknabe aus Urbino, der mit 17 Jahren bereits als Magister (Meister) galt, ab 1510 mit einem kongenialen Kupferstecher zusammen: Marcantonio
Raimondi. Der Kupferstich war damals das Vervielfältigungsmedium der Wahl: Von einer gut gestochenen
Platte konnte man zahlreiche Reproduktionen drucken, doch ein guter Stich brauchte auch seine Zeit. Von Louis Jacoby (1828 - 1918), einem
begnadeten Kupferstecher des 19. Jahrhunderts, weiß man, dass er an der Reproduktion von Raffaels „Schule von Athen“ zehn Jahre gearbeitet
hat. Jacobys Meisterstich war einer der Höhepunkte des Raffael-Kultes, der im 19. Jahrhundert nicht nur kitschige, sondern auch absurde Blüten
trieb.

 

„Über 1000 Objekte, die mit Raffael zu tun haben“, so Andreas Stolzenberg, der Leiter des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle,
haben er und sein Kollege David Klemm - mit Hilfe von Volontären und Mitarbeitern - für diese Jahrhundert-Ausstellung gesichtet und rund
240 Grafiken, Gemälde, Zeichnungen und Bücher ausgewählt. Ausschließlich Werke aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle, wohlgemerkt! Die Tatsache, dass die Ausstellung zum 500. Todestag coronabedingt um ein Jahr verschoben wurde, habe sich im Nachhinein als glücklich erwiesen, gestand der Museumsmitarbeiter. So konnten noch die neuen Raffael-Biographien rezipiert und Sammlungs-Lücken geschlossen werden.

 

Das Ergebnis ist in der Tat beeindruckend, und es wiegt schwer! Fast vier Kilo bringt der neue Bestandskatalog auf die Waage. Doch selbst ein
noch so guter Katalog kann nicht den überwältigenden Eindruck ersetzen, mit dem im Hubertus Wald Forum Raffaels Wirkungsmacht durch die
Jahrhunderte entfaltet wird. Dicht an dicht hängen die Nachdrucke der allegorischen, religiösen, mythologischen und historischen Themen, die der
Frühvollendete in seinem kurzen Leben geschaffen hat. Und immer wieder ermöglichen verschiedene Fassungen desselben Motivs das Vergnügen
des vergleichenden Sehens – wie z.B. die fünf Versionen von der „Verklärung Christi“.


Ebenso beliebt: Der Merkur aus der römischen Villa Farnesina, den Jean-Baptiste Regnault (1754-1829) für sein programmatisches Bild der französischen Revolution adaptierte („Freiheit oder Tod“). Und natürlich das „Urteil des Paris“, dem komplexen, großformatigen Kupferstich von Raimondi, der eine Figurengruppe zeigt, die Edouard Manet 1863 zu seinem Skandalbild „Das Frühstück im Grünen“ inspirierte.

 

Es ist einfach unheimlich viel zu entdecken in dieser Ausstellung, in der natürlich die fünf Originalzeichnungen des „Göttlichen“ aus dem
Bestand der Kunsthalle nicht fehlen. Aber sie sind eher eine Zutat, der Vollständigkeit halber. Viel spannender ist es zu sehen, wie Philipp Otto Runge, Angelika Tischbein und viele andere Raffael studiert und sich mit ihm auseinandergesetzt haben. Sicher: Auch Raffaels berühmte Zeitgenossen, Michelangelo und Leonardo da Vinci, ließen Werke zu Lebzeiten kopieren, aber lange nicht in dem Maße und mit nicht annähernd vergleichbarem Erfolg. Dass der Kupferdruck ein geniales „Marketinginstrument“ ist, um Ruhm und Nachruhm zu mehren, das hat nur einer erkannt: Raffael Superstar.

 

„Raffael. Wirkung eines Genies“, bis 3. Oktober 2021, Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5.

Di-So 10-18 Uhr, Do 10 - 21 Uhr.
Alle Infos – auch zu den aktuellen Besuchsbedingungen – finden Sie auf www.hamburger-kunsthalle.de.

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