RETROSPEKTIVE DES LEGENDÄREN KOMIKERS
Zum 70. Geburtstag von Otto Walkes gibt es einen Querschnitt
durch sein Leben und sein künstlerisches Schaffen

Otto hier, Otto da. „Otto, hier bitte auch noch mal“, riefen die drängelnden Fotografen und Herr Waalkes lächelte, feixte und hoppelte, bis alle Aufnahmen im Kasten waren. Einen derart gewaltigen Medienhype gab es im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zuletzt bei Udo Lindenberg. Die Ehre, die dem Freund und ehemaligen WG-Genossen vergönnt war, wird nun auch Deutschlands bekanntestem Komiker zuteil: Mit „Otto. Die Ausstellung“ präsentiert das Haus am Steintorplatz zum 70. Geburtstag des Wahlhamburgers eine umfassende Retrospektive seines bildnerischen Werkes – und huldigt einem Phänomen.

„Kunst ist, wenn man es nicht kann. Denn wenn man es kann, ist es ja keine Kunst“, zitierte ein gut gelaunter Otto Waalkes den Wiener Dramtiker Johann Nestroy. In seinem Fall allerdings passt eher die Paraphrase Karl Valentins: „Wenn man’s kann ist’s keine Kunst – und wenn man’s nicht kann, erst recht nicht.“

Kurz: Originäre, ernstzunehmende Malerei ist seine Sache nicht. Der Blödelbarde aus Emden bleibt sich auch als Maler treu. Seine Parodien quer durch die Kunstgeschichte sind meist witzig, manchmal genial einfallsreich, oft kitschig und gruselig bei den Alten Meistern. Auch wenn Otto voller Stolz von der altmeisterlichen Schichtenmalerei erzählt, die er bei Hans Tiemann und Konrad Hausner, seinen Lehrern an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HfbK), ab 1970 gelernt haben will – man weiß nie so recht, ob er seine Zuhörer nicht gerade auf den Arm nimmt. Das Feinstoffliche jedenfalls liegt ihm nicht. Daran ändern weder die in jedem Bild unvermeidlich auftauchenden Ottifanten etwas (laut Otto das Ergebnis eines missglückten Selbstbildnis‘), noch sein Bekenntnis: „Die Parodie ist die aufrichtigste Form der Verinnerlichung“. Würde man seine Hommagen an Leonardo da Vinci und Botticelli, an Rembrandt und Caspar David Friedrich, an Edouard Manet oder Paul Gauguin allein unter dem Gesichtspunkt malerischer Technik bewerten, fiele das Urteil vernichtend aus. Aber wer wollte das bei dem genialen Ostfriesen schon machen. Otto ist doch ein Gesamtkunstwerk! Ein begnadeter Alles-nicht-Könner! Das Scheitern ist seit bald 50 Jahren sein Markenzeichen. „Wenn ich mich bei Konzerten verspielte, kam meine Entschuldigung beim Publikum immer viel besser an, als die Songs. Deshalb habe ich mich dann immer öfter verspielt“. Die Lacher gaben ihm Recht – und was für die Bühne gilt, gilt selbstredend auch für die Malerei.

Allerdings machen die technisch perfekten Parodien in dieser groß angelegten Schau besonderen Spaß. Sobald es plakativ wird, gewinnen Ottos Bilder an Qualität. Die Ottifanten à la Andy Warhol oder in David Hockneys Swimmingpool, das hat Format. Vor allem die Roy Lichtenstein-Adaptionen sind hinreißend. Aber schließlich hatte schon der amerikanische Pop-Meister Comics als Vorlagen benutzt – und als Comic-Zeichner ist Otto Klasse. 

Bis 17.2.2019, Steintorplatz, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, Eintritt 12 € (8 € erm.). Bis 17 Jahre frei.
Alle Infos auf www.mkg-hamburg.de