Viola Vierk am Gewürztisch © Mathias Thurm
Viola Vierk am Gewürztisch © Mathias Thurm

Wir stellen vor:
Spicy's Gewürzmuseum

Zu Besuch bei Inhaberin Viola Vierk

 

Immer der Nase nach! Dieser Aufforderung folgt man gern, denn schon am Eingang zum alten
Speicher am Sandtorkai 34 liegt ein verlockender Hauch von würzig aromatischen Düften in der Luft. Eine ziemlich dunkle, enge Treppe führt – vorbei am Orientteppich-Handel – hinauf bis zum zweiten Boden, wie die Stockwerke hier genannt werden. Der Geruch wird immer intensiver – eine vielversprechende Einladung in „Spicy‘s Gewürzmuseum“. Auf circa 350 Quadratmetern wird hier
vom Anbau bis zur Verarbeitung Gewürzgeschichte aus fünf Jahrhunderten erzählt. Riechen, anfassen
und probieren inklusive.

 

„Ich habe 14 Jahre lang im internationalen Gewürzhandel gearbeitet“, erklärt Viola Vierk zur Gründung des Museums. „Auf meinen Reisen in die Ursprungsländer konnte ich erleben, wie noch sehr
primitiv per Hand und mit einfachen Geräten gearbeitet wurde. Doch auch dort ging es mit der Industrialisierung immer schneller voran. Ich wollte nicht, dass die alten Methoden der Gewürzverarbeitung in Vergessenheit geraten.“ Zusammen mit ihrem Kollegen Uwe Paap begann sie, kleinere Gegenstände von ihren Reisen mitzubringen, zunächst eher zu Werbezwecken.
Daraus entstand 1991 ein kleiner Vorläufer des Museums, das sich mit dem endgültigen Standort in der Speicherstadt
zwei Jahre später zum Erfolgsprojekt entwickelte. Mehr als 900vielfältige Exponate dokumentieren inzwischen
die Welt der Gewürze.

 

Hamburg gilt als drittgrößter Umschlagplatz für Gewürze weltweit. Früher wurden Kümmel, Koriander, Kardamom und vieles andere in
Säcken mit Außenwinden in den Speicher hochgezogen und mit Sackkarren transportiert. Die Lagerräume durften auch im Winter nicht kälter
als 18 Grad werden. Heute kommt die Ware in ganzen Containerladungen im Hafen an und wird meistens gleich zur industriellen Verarbeitung weitergeleitet. Wuchtige alte Maschinen wie Mahlwerk, Siebmaschine, Stampfwerk oder Pfeffermühle, die von verschiedenen Firmen aussortiert und Viola Vierk für ihr Museum überlassen wurden, vermitteln einen Eindruck von der früheren Gewürzbearbeitung. Aus dicken Jutesäcken
duftet es nach Anis, Lorbeer oder Muskat.

 

Schautafeln informieren über Ursprung und Ernte, über Wirkung und Anwendung, auch als Heilkräuter. Als Königin der Gewürze gilt Vanille.
Das kostbarste Gewürz ist Safran, der aus einer Krokuspflanze gewonnen wird. „0,5 Gramm kosten etwa fünf Euro“, sagt Viola Vierk und beschreibt den Geschmack als würzig-bitter. „Das ist teuer, aber für den richtigen Geschmack genügen auch schon zwei Fäden.“

 

„Insgesamt gibt es nur 50 Gewürze“, erklärt die Museumschefin. „Alles andere sind Mischungen.“ Bei ihr im Museum (aktuell Montag bis Freitag
10 bis 17 Uhr) und im Onlineshop gibt es rund 40 eigene Mischungen zu kaufen, etwa das scharfe „Teufelszeug“ oder „Petri Heil“ für
Fischgerichte. Eine wichtige Rolle unter den Gewürzen spielt der Pfeffer in den verschiedensten Varianten vom fruchtig zitronigen
Szechuanpfeffer bis zum süßlich scharfen Schokoladenpfeffer. „Die Bedeutung des Pfeffers zeigt sich auch in den vielen Redensarten“,
meint Viola Vierk. „Da liegt der Hase im Pfeffer“ zum Beispiel oder man denke nur an Shaws Eliza Doolittle und ihren Kraftausdruck
beim Pferderennen von Ascot: „Dem blas ich Pfeffer in den A...“. Und er fand seinen Weg sogar in die Benennung der reichen Kaufleute, der sogenannten „Pfeffersäcke“.

 

Zu den Hamburger Kaufleuten gehörte auch der Gewürzhändler Julius Grossmann. Eine große Ledertruhe aus dem Jahr 1903, in der mit
Blattgold verzierte Tafeln von der Geschichte seiner Firma erzählen, ist wohl das wertvollste Ausstellungsstück im Museum. Aber auch
eine Fülle von kleinen Kuriositäten findet man in den Vitrinen, die Sammlung von Pfeffer und Salzstreuern zum Beispiel, oder die Fundstücke
vom lila Spielzeug-Saurier über Kronkorken und Scheren bis zur Fahrradkette, die in früheren Zeiten beim Reinigen der Gewürzimporte
auftauchten und aussortiert wurden. Beeindruckend ist das filigrane Segelschiff mit Besatzung aus Indonesien, das nur aus Gewürznelken zusammengesteckt wurde.

 

In der Zwangspause durch die Corona-Krise müssen natürlich auch alle Veranstaltungen des Museums – wie Lesungen und Vorträge,
kulinarische und informative Ausflüge – ausfallen. Die Zeit konnte Viola Vierk jedoch für einige Umbauten nutzen. Statt der früher üblichen Sonderausstellungen gibt es künftig kleinere ergänzende Dauerausstellungen zu den einzelnen Gewürzthemen wie Zimt, Chili oder
Kurkuma, der ältesten Heilpflanze der Welt.

 

Spicy’s Gewürzmuseum, Am Sandtorkai 34, 20457 Hamburg

Online-Shop: www.spicys.de

 

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