Ein Ausblick auf die neue Spielzeit

Intendant Georges Delnon © Dominik Odenkirchen
Intendant Georges Delnon © Dominik Odenkirchen

Die ersten Bühnen und Orchester haben ihre Programme für die neue Saison veröffentlicht – einige Höhepunkte stellen wir Ihnen vor

 

STAATSOPER HAMBURG

Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg, plant ein ambitioniertes Programm mit fünf Premieren und 25 Repertoirestücken, auch die in der aktuellen Spielzeit neu eingeführten Solo-
Abende „The Art of“ wird es wieder geben. Hier darf man sich jetzt schon auf die Sangeskunst von Waltraud Meier und Bryn Terfel freuen.
Und die Premieren: Herbert Fritsch führt Regie bei Bizets CARMEN, Michael Thalheimer inszeniert Wagners FLIEGENDEN HOLLÄNDER neu,
hier wird Jennifer Holloway die „Senta“ mit ihrem geradezu leuchtenden Sopran interpretieren. Schon lange war Schostakowitschs
LADY MACBETH VON MZENSK nicht mehr an der Staatsoper zu sehen, auf das Hamburger Regiedebüt von Angelina Nikonova im Januar 2023 darf man gespannt sein, genauso wie auf Camilla Nylunds Premiere in der Titelrolle, die schon heute ein Thema in der internationalen
Opernwelt ist. Puccinis IL TRITTICO eröff net im März 2023 die „Italienischen Opernwochen“, die darüber hinaus zum Ort der Wiederbegegnung und lange erwarteter Debüts mit Stars wie Regula Mühlemann, Pretty Yende, Tara Erraught, Ambrogio Maestri, Erwin Schrott, Levy Sekgapane
und vielen anderen werden. George Delnon selbst wird die letzte Neuproduktion inszenieren, die Uraufführung VENERE E ADONE (Venus
und Adonis – Untergang eines Mythos), umgesetzt vom zeitgenössischen Komponisten Salvatore Sciarrino.
Delnon jedenfalls hat keinen Zweifel daran, dass die Oper mitnichten antiquiert, sondern im Gegenteil auf der Höhe der Zeit ist. Das Musiktheater
könne nicht nur alle elementaren menschlichen Themen verhandeln, das Denken befreien und neue Sichtweisen eröffnen, die Kraft der Musik sorge darüber hinaus einfach für beglückende Momente. Und last but not least: Ballettintendant John Neumeier verabschiedet sich nach 50 Jahren mit seiner letzten Premiere vom Hamburg Ballett, DONA NOBIS PACEM – „Gib uns Frieden“ mit Musik aus Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe.

 

OHNSORG THEATER

Im Ohnsorg Theater steht die Spielzeit ganz unter dem Motto „Tosamen“, Intendant Michael Lang beschwor bei der Programmvorstellung die verbindende Kraft des Theaters, das gemeinsame Erleben und den Austausch darüber. Die Saison startet mit einem absoluten Ohnsorg-
Klassiker, einer Neuinszenierung von DAT HÖRROHR von Karl Bunje. An dieser Stelle kann man auch gleich mit einem populären Irrtum
aufräumen: Henry Vahl stand in diesem Stück nämlich nie auf der Bühne des Ohnsorg. In der Komödie ALL ÜNNER EEN DANNENBOOM von
Lo Malinke geht es um das heute so verbreitete Patchwork-Familienleben – von dem jedoch die erwachsenen Kinder in dieser Familie nichts
wissen. Daher soll ihnen wie jedes Jahr zu Weihnachten eine heile Familie vorgespielt werden. Allerdings haben ihre Eltern die Rechnung
ohne ihre neuen Lebenspartner gemacht … Mit DE LEVEN ÖLLERN wird im neuen Jahreine sehr erfolgreiche Familienkomödie aus Frankreich
deutsche Erstaufführung am Ohnsorg-Theater feiern – jede Menge schwarzer Humor inklusive. Die Dramatisierung von Siegfried Lenz‘
Erzählung DAT FÜERSCHIPP bringt eine echte Schiff serzählung aus dem Norden auf die Bühne. Und die letzte Neuinszenierung der Spielzeit, DE HEVEN SCHALL TÖVEN, ist eine schwarzhumorige Komödie nach dem Film „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ von Dominique
Lorenz. Alles tolle Stücke, denen das Ensemble des Ohnsorg Theaters und seine Gäste garantiert mit Leidenschaft Leben einhauchen werden. Freuen Sie sich auf Erkki Hopf, Beate Kiupel, Robert Eder, Birte Kretschmer, Oskar Ketelhut, Meike Meiners und viele andere.

 

ALTONAER THEATER
Mit dem Musical THE ADDAMS FAMILY wird in Altona sehr beschwingt in die neue Saison gestartet. Mancher erinnert sich bestimmt an Gomez und Morticia Addams nebst familiärem Anhang sowie dem „Eiskalten Händchen“ aus dem Fernsehen oder Kino. Schwarzer Humor in Reinform
und ein Riesenspaß für Alt und Jung. Freuen Sie sich außerdem auf Ingolf Lück in A LONG WAY DOWN nach dem gleichnamigen Roman von
Nick Hornby. Treffen sich vier Selbstmörder auf dem Hochhausdach – und finden schließlich zurück ins Leben, es gibt doch schließlich so viel zu tun... Trockener britischer Humor um eine eigentlich sehr ernste Sache. Weiter geht es mit dem berühmten Partygirl Holly Golightly, das in Truman Capotes Novelle FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY seine Nerven mit einem Blick auf die Diamanten des berühmten Juweliergeschäfts beruhigt. Eine witzige Geschichte über Zivilisation und Zivilisiertheit: In der Uraufführung DIE VERWANDELTEN nach dem Roman von Thomas Brussig
verwandeln sich zwei Jugendliche in Waschbären, was einem kleinen Ort große Pressepräsenz beschert. Die Waschbären-Kids überlegen derweil, ob nun eigentlich der Tierarzt für sie zuständig ist oder wer… Mit Dostojewskis SPIELER kommt ein immer aktueller Klassiker auf die Bühne und auf der BÜCHERINSEL geht es um die Leidenschaft fürs Lesen. Ein echter Knüller beschließt die Saison: In ACHTSAM MORDEN nach dem Krimi von Karsten Dusse erkennt ein gestresster Anwalt, dass man mit Achtsamkeit einfach in absolut jedem Bereich des Lebens weiterkommt.

 

SYMPHONIKER HAMBURG
In der neuen Spielzeit feiern die Symphoniker Hamburg, das Residenzorchester der Laeiszhalle, ihren 65. Geburtstag. Und für CHEFDIRIGENT
SYLVAIN CAMBRELING ist es bereits das fünfte Jahr hier in Hamburg. Allmählich ändert sich auch der Blick auf das Berufsfeld des Dirigenten, denn inzwischen gibt es immer mehr Frauen, die ein Orchester dirigieren. In Hamburg wird das HAN-NA CHANG sein, die nach einem höchst erfolgreichen Gastauftritt im letzten Herbst nun Erste Gastdirigentin bei den Symphonikern wird. FLÜGELSCHLAG – so überschreiben die Symphoniker die neue Saison. Das Orchester ist bekannt dafür, sein Konzertprogramm unter ein Motto zu stellen und dabei ganz unterschiedliche
thematische Aspekte zu ergründen. INTENDANT DANIEL KÜHNEL machte bei der Vorstellung der Spielzeit deutlich, dass das Programm zwar in einer Zeit der Krisen entstanden, aber beileibe kein düsteres sei. Vielmehr ruft das Orchester seine Zuhörer zum kollektiven Flügelschlag auf, zu „einem gemeinsamen Flug der hoffnungsfrohen Fantasie“. Wir können es brauchen. Die Konzertprogramme verknüpfen gekonnt alt und neu: HAYDN, MOZART, BEETHOVEN, SCHUMANN, aber auch ELGAR, KORNGOLD sowie SCIARRINO und BERIO, um nur einige zu nennen.
Nicht zu vergessen die Kammerkonzerte, die Sternstunden intimen Musizierens bieten, und das jährliche FILMKONZERT: Stefanos Tsialis begleitet mit den Symphonikern Charlie Chaplins GOLDRAUSCH. Einfach um-wer-fend!

 

ERNST DEUTSCH THEATER
In der Schauspielfassung der GROSSHERZOGIN VON GEROLSTEIN, nach der Oper von Jacques Offenbach, werden Günstlingswesen und militärisches Brimborium satirisch durchleuchtet – in einer Paraderolle die Schauspielerin Daniela Ziegler. Als Zwanzigjähriger schrieb Johann Wolfgang Goethe (das „von“ kam erst viel später zu seinem Namen hinzu) eine bis heute wenig bekannte Beziehungskomödie: In den MITSCHULDIGEN erhalten wir Einblick in allzu menschliche Schwächen. Ebenfalls zeitlos aktuell ist DIESE GESCHICHTE VON IHNEN mit
Boris Aljinovic um einen Polizisten, der besessen davon ist, einen Verbrecher zu überführen und beim Verhör zu weit geht… 1974 hatte Sidney Lumet die Story mit Sean Connery verfilmt. Zwei große Klassiker folgen: FRÜHLINGSERWACHEN von Frank Wedekind in der Regie von Anton Pleva und GESPENSTER von Henrik Ibsen. Um die Freundschaft zwischen den beiden großen Künstlerinnen und Persönlichkeiten
Marlene Dietrich und Edith Piaf, die sich 1947 kennenlernten, geht es schließlich in SPATZ UND ENGEL.

 

THALIA THEATER
THALIA THEATER
Das Thalia Theater startet im September mit zwei Uraufführungen in die neue Saison: „H“ – 100 SECONDS TO MIDNIGHT, inspiriert von Physiker Stephen Hawking und der Künstlerin Etel Adnan, Regie Robert Wilson, Musik von Philip Glass, gefolgt von IPHIGENIA, frei nach Euripdes und Goethe. Zwei wirkliche Paukenschläge. Im Januar soll dann auch endlich die Premiere vom SANDMANN stattfinden, einer Oper von Anna
Calvi und Robert Wilson nach E.T. A. Hoff mann. Ebenfalls im Januar beschäftigt sich Jette Steckel mit den BESESSENEN von Albert Camus, es
folgen unter anderem die Klassiker KÖNIG LEAR von Shakespeare und Tschechows DREI SCHWESTERN. Die Saison beschließen wird BAROCCO, ein musikalisches Manifest des systemkritischen russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov.

 

Hinweis: Da manche Häuser in dieser Saison sehr kurzfristig planen, finden einige Spielzeit-Pressekonferenzen erst nach unserem Redaktionsschluss statt, so dass wir keinen vollständigen Überblick geben können.

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