C. March, Hamburg-Fischmarkt © Deichtorhallen HH/Falckenberg
C. March, Hamburg-Fischmarkt © Deichtorhallen HH/Falckenberg

8. Triennale der Photographie

Von den Deichtorhallen über die Kunsthalle bis hin zu den kulturhistorischen Museen:
Hier wird die Kunstsparte „Fotografie“ in all ihrer Vielfalt sichtbar.

 

Das Thema ist erklärungsbedürftig, die Ausstellungen dagegen erschließen sich oft von selbst:
Zum achten Mal steht der Hamburger Kultursommer ganz im Zeichen der Triennale der
Photographie, die ein von Koyo Kouoh angeführtes internationales Team von Kuratorinnen
und Kuratoren unter das Motto „Currency“ gestellt hat. Das Wort heißt übersetzt „Währung“,
aber auch „Verbreitung“ und „Aktualität“ und zielt ab auf die Bedeutung der Fotografie für
die unmittelbare Gegenwart: „…als Massenware, als Machtmittel und Tauschwert, als Dialogmöglichkeit zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten oder als roter Faden für
eine zeitgemäße Art der Erzählung“, wie Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow erläutert.

 

Die Ausstellungen werden von zahlreichen Veranstaltungen sowie von der Triennale Expanded begleitet, einer spannenden Plattform der lokalen Fotoszene. Nicht überall geht es um aktuelle Tendenzen der gegenwärtigen Bilderflut. Zwei Museen nehmen das Thema zum Anlass, sich explizit mit der Aufarbeitung unserer kolonialen
(Foto)Vergangenheit zu befassen.

 

So präsentiert das Museum für Hamburgische Geschichte bis zum 15. August 2022 gemeinsam mit der mexikanisch-deutschen Kuratorin
Yolanda Gutiérrez und dem ruandischen Fotografen Chris Schwagga eine Installation aus Objekten, Tanz und Fotografie. Dabei werden Kolonialmünzen aus der Sammlung des Museums durch eine fotografisch dokumentierte tänzerische Intervention von Eva Lomby in
Bewegung gebracht. Am Ende entsteht eine Fotocollage, die verschiedene Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Chris Schwagga fragt dabei aus dem Blickwinkel des ehemals kolonialisierten Untertans nach der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Funktion der Kolonialwährung in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Durch die künstlerische Installation soll in mehrfacher Hinsicht
ein Perspektiv- und Bedeutungswechsel ermöglicht werden, der ein anderes Licht auf die Geschichte wirft.

 

Um Perspektiv- und Bedeutungswechsel geht es auch im „Archiv der Erfahrungen“ im Museum am Rothenbaum, das bis zum 16. Oktober 2022 anhand eines opulenten Fotoalbums aus Singapur – Landschafts- und Stadtaufnahmen, Gruppen- und Einzelporträts aus den 1860er
Jahren – die Funktion und Instrumentalisierung dieser Fotos zur Machtausübung während der Kolonialzeit beleuchtet. Der Künstler
Kelvin Haizels hat sich als Artist in Residency des MARKK intensiv mit dem Bilderalbum auseinandergesetzt und in einer eigenen Arbeit kommentiert.

 

In der Kunsthallen-Ausstellung „Give and Take – Bilder über Bilder“ wiederum sind bis zum 28. August 2022 allein schon 20 künstlerische Positionen vereint, die auf unterschiedlichste Weise die fotografische Produktion von Realität und Identität erforschen. So hinterfragt
die US-amerikanische Künstlerin Sara Cwynar in ihrer Video-Installation das von einer Bilderflut geprägte Leben im digitalen Zeitalter,
während Louise Lawler Werke der Klassischen Moderne aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografiert und damit den Blick auf unterschiedliche
Inszenierungen in bestimmten Raumzusammenhängen lenkt. Der deutsche Fotograf Thomas Ruff hingegen betreibt Medienkritik, indem er
Vorder- und Rückseiten von Pressefotos aus den 1940er bis 1960er Jahren so kombiniert, dass das Archivfoto mit allen sichtbaren
Kommentaren als Ware präsentiert wird.

 

Wer sich hingegen auf eine einzelne Position konzentrieren möchte, dem seien die drei Herbert List-Ausstellungen ans Herz gelegt, allen
voran im Bucerius Kunst Forum. Sie allein lohnen schon das gemeinsame Triennale-Ticket.

 

Isabelle Hofmann

 

Alle Infos zur 8. Triennale der Photographie unter www.phototriennale.de

 

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