Roboter Nao in der Ausstellung Out of Office © Daniel Nide
Roboter Nao in der Ausstellung Out of Office © Daniel Nide

WENN ROBOTER IMD KI FUER UNS ARBEITEN
Die Kooperation mit dem Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung
widmet sich diesem gesellschaftlich brisanten Thema

KI – Ein Kürzel, mit dem das Gros der Bevölkerung vor gefühlt ein paar Monaten noch gar nichts anfangen konnte. Mittlerweile ist KI sogar in den Kitas angekommen. Künstliche Intelligenz bestimmt immer mehr unser Leben, Grund genug für das Museum der Arbeit und das Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung dieses gesellschaftlich überaus brisante Thema gemeinsam auf den Tisch zu bringen: „Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“.

NAO mag Tanzen, liebt Tiere und trompetet wie ein Elefant, ohne dass man ihn dazu auffordert. Und wählerisch ist der kleine, weiße humanoide Roboter auch. Sobald seine runden Knopfaugen leuchten, schaltet er auf Empfang. Manchmal will er jedoch nicht. „NAO reagiert sehr unterschiedlich auf Besucher“, erklärt eine freundliche Aufsichtskraft. Da sage noch einer, Roboter hätten keine Seele. Vielleicht ist aber auch nur der Akku leer.

In Kitas wird NAO schon als Sprachtrainer eingesetzt. Er erinnert auch irgendwie an eine sprechende Puppe, nur dass sein Innenleben mehr Elektronik enthält, als die Apollo 11 bei der ersten Mondlandung. Überhaupt sieht es im dritten Stock des Museums der Arbeit ungewöhnlich spacig aus. Ein riesiges Netz, das einem überdimensionalen Nervensystem gleicht, umspannt die elf Ausstellungsstationen, an denen die neuen Dimensionen der digital veränderten Arbeitswelt vor Augen geführt werden. So erfährt man zum Beispiel, dass interaktive Kuscheltiere zur Therapie Demenzkranker eingesetzt werden, Roboter Bewerbungsgespräche führen, bzw. auswerten oder wie die interaktiven Körpermodelle des „Virtuellen Patienten“ aussehen. Schreckensszenarien wie in Science-Fiction-Filmen, in denen Roboter die Herrschaft über die Menschheit erkämpfen wollen, sind das zwar nicht. Die Risiken und Nebenwirkungen der fundamentalen Umbrüche, wie wir sie gerade mit selbständig lernenden und kommunizierenden Maschinen erleben, sind dennoch nicht zu unterschätzen. Drohnen, selbstfahrende Rasenmäher, Handys, die Sprachbefehle ausführen und Programme, die unsere Gesundheit einschätzen, sind jetzt schon selbstverständlich. Ebenso der Roboterjournalismus: „Die US-Nachrichtenagentur AP ließ 2017 bereits 4000 Sport- und Finanzberichte pro Quartal von Computern generieren“, heißt es in dem sehr empfehlenswerten Ausstellungskatalog. Experten gehen davon aus, dass 800 Millionen Jobs durch KI und Roboter künftig überflüssig werden. Politik und Gesellschaft scheint das bislang wenig zu kümmern und das kann, so Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des Wiener MAK, eine „erhebliche Gefahr“ bergen: „Wenn wir uns als Gesellschaft gegenüber den exponentiellen Fortschritten der Künstlichen Intelligenz weiter linear bewegen, werden sehr negative Effekte eintreten.“

Das Museum der Arbeit und das Bucerius Lab haben die Zeichen der Zeit erkannt. Wie gut! Denn bald könnte auch ein Artikel wie dieser von einem Roboter verfasst sein.

Bis 10. März 2019. Alle Infos unter www.hamburger-kunsthalle.de