Lydia Balke, Hibernation Battlefield II © Lydia Balke
Lydia Balke, Hibernation Battlefield II © Lydia Balke

Jetzt! Junge Malerei in Deutschland / Quadro

Wieder offen: Die Ausstellung kann ab dem 7. Mai 2020 wieder unter besonderen Vorkehrungen zur Einhaltung der Kontaktbeschränkungen innerhalb der üblichen Öffnungszeiten zu den normalen Eintrittspreisen besucht werden.

 

Die Malerei lebt – wie die Deichtorhallen mit aktuellen Werken des künstlerischen Nachwuchses beweisen

 

Totgesagte leben länger - das gilt auch für die Malerei. Unzählige Male seit dem Zweiten Weltkrieg wurde ihr Ende verkündet – und immer wieder folgte ein fulminanter Neuanfang. Wie dynamisch und divers „Junge Malerei in Deutschland“ ist, zeigen die Deichtorhallen „Jetzt!“ in einer vitalen Überblicksschau, zu der Hamburg mit „Quadro“ vier starke Positionen hinzufügt.

 

Eine Standortbestimmung des Mediums Malerei, produziert in Deutschland – der Rahmen ist klar umgrenzt. Dennoch ein gewaltiger Kraftakt – der nicht in Hamburg gestemmt wurde. Das Kunstmuseum Bonn, das Museum Wiesbaden und die Kunstsammlungen Chemnitz - Museum Gunzenhauser haben im vergangenen Jahr sieben Kuratoren in rund 200 Ateliers geschickt, um einen Querschnitt durch die aktuelle junge Malerei-Szene zu ermitteln. 53 Künstlerinnen und Künstler haben diese glorreichen Sieben schließlich ausgewählt und deren Werke Ende 2019 zeitgleich in ihren Häusern vorgestellt. Die Deichtorhallen sind nun die lachenden Vierten, denn sie brauchen sich die Werke nicht „zu teilen“. Und so wirkt diese Ausstellung wie ein furioses Fest des Tafelbildes, des flachen Gevierts, das hier vor allem der weibliche Blick dominiert. Ein äußerst selbstbewusster, souveräner, teils auch sexuell aufgeladener Blick, der zeigt, dass die männerdominierte Kunst, die „Alten Malerfürsten“ endgültig der Vergangenheit angehören. Die von Deichtorhallen-Chef Dirk Luckow kuratierten Quadro-Künstlerinnen Kerstin Brätsch, Kati Heck, Stefanie Heinze und Laura Link passen da hervorragend hinein.

 

Was eint diese junge Maler-Generation, die in den Akademien in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig oder München studiert hat? Einmal ihr Alter, die meisten sind Mitte/ Ende 30 und haben den Schutzraum der Hochschulen gerade erst verlassen. Dann die Qualität ihrer Arbeiten und natürlich das Format, das Tafelbild. Inhaltlich ist die Vielfalt allerdings ungeheuer. Expressiv, abstrakt, surreal, konstruktiv, figurativ, konkret, konzeptionell, gestisch informell, altmeisterlich, naturalistisch, poppig oder politisch – es gibt kein Diktum mehr, keine vorherrschende Richtung. Die hyperrealistischen Stoff-„Körper“ von Nona Ardeleanu aus Stuttgart beispielsweise lenken mit altmeisterlicher Technik das Augenmerk auf traditionelle Textilkunst. Die alptraumhaften figurativen Endzeitbilder der Dresdnerin Lydia Balke knüpfen an den Surrealismus der Neuen Leipziger Schule an. Die fein wie iranische Teppiche „gewebten“ Ornamente und Reliefs (kleiner Ausreißer aus der Fläche) von Toulu Hassani an De Stijl und Konstruktivismus. Die meisten Werke jedoch entziehen sich einer eindeutigen Einordnung. So schält die gebürtige Polin Aneta Kajzer aus impulsiv gesetzten Farbflächen erst nach und nach Köpfe und Gesichter heraus, ihre Figürlichkeit entwickelt sich aus der Abstraktion. Wie sagte Co-Kuratorin Lea Schäfer: „Die gängigen Lager, abstrakt oder figurativ, lösen sich auf. Heute ist alles möglich“.               

 

„Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“, verlängert bis 9. August 2020. Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstraße 1-2, 20095 Hamburg.
Alle Infos unter www.Deichtorhallen.de