Porträt von Lina Gröger © Hamburger Kunsthalle, bpk, Foto: Elke Walford
Porträt von Lina Gröger © Hamburger Kunsthalle, bpk, Foto: Elke Walford

Zwischen Alster und Elbe
„Hamburger Schule“ spiegelt in opulenter Breite die Situation der Künste in der Hansestadt des 19. Jahrhunderts

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Vor 150 Jahren, am 30. August 1869, wurde die Hamburger Kunsthalle eröffnet – Grund genug, gleich zwei Ausstellungen im Jubiläumsjahr jener Zeit zu widmen. Unter dem Titel „Hamburger Schule“ spiegelt das Hubertus Wald Forum in opulenter Breite die Situation der Künste in der Hansestadt des 19. Jahrhunderts, während sich eine kleine Liebhaber-Schau dänischer Maler in der Galerie der Gegenwart dem „Licht des Nordens“ widmet.
 „Hamburger Schule“ ist ein gewagter Begriff für eine Ausstellung, ist er doch vielmehr in der Hamburger Musikszene der 1980er Jahre als in der bildenden Kunst verortet. Im 19. Jahrhundert jedenfalls gab zwischen Alster und Elbe keine Hamburger Schule, jedenfalls keine Kunstakademie. Ambitionierte junge Maler gingen zur Ausbildung nach Kopenhagen oder München, nach Dresden oder Düsseldorf. Philipp Otto Runge (1777–1810), Johann Heinrich Tischbein (1751-1829) und Christian Morgenstern (1805–1867) sind wohl die bekanntesten unter ihnen. Aber auch Victor Emil Janssen (1807–1845) zählt zu den Protagonisten der insgesamt 160 Gemälde, Zeichnungen und Graphiken umfassenden Schau, schließlich gehört sein „Selbstbildnis vor Staffelei“ (1828) zu den populärsten Bilder der Hamburger Kunsthalle.
Doch Hauskurator Markus Bertsch und seiner Kollegin Iris Wenderholm vom Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg – 1919 gegründet und somit auch ein Jubilar – feiern hier nicht nur bekannte (Lokal)Größen ab. Ihr Verdienst ist es vielmehr, eine ganze Reihe unbekannter, bzw. vergessener Künstler ins Rampenlicht zu rücken, deren Studienreisen und Eindrücke nach ihrer Rückkehr in die Hansestadt weiterwirkten. In 13 Kapiteln spannen sie einen weiten Bogen von klassizistisch beeinflusster Historienmalerei und romantischen Familienporträts um 1800, über Landschaften aller Art, Alpenveduten, idealisierte Sehnsuchtsorte und repräsentative Gruppenbildnisse der „Mitglieder des Hamburger Künstlervereins“ von Günther Gensler, 1840, bis hin zur norddeutschen „Avantgarde vor Ort“ Ende des 19. Jahrhunderts, wo uns wieder die guten alten Bekannten des Hamburgischen Künstlerclubs begegnen. Die Aufforderung des ersten Kunsthallendirektors Alfred Lichtwarks an seine Mitglieder: „Meine Herren, malen Sie hamburgische Landschaft!“ ist legendär. Viel weniger bekannt ist, dass den „Herren Künstlern“ die Einflussnahme des Direktors oftmals viel zu weit ging und in Einzelfällen sogar zu Zerwürfnissen führte.
Zu den spannendsten Entdeckungen gehört allerdings ein Gemälde aus den Anfängen des Jahrhunderts: Friedrich Carl Grögers „Selbstbildnis mit der Pflegetochter Lina Gröger und dem Maler Heinrich Jakob Aldenraht“ um 1804. Wie Markus Bertsch verrät, zeigt es „eine waschechte Regenbogenfamilie“ – ein schwules Paar und ein adoptiertes Kind. Ganz schön mutig für die damalige Zeit!

Bis 14. Juli 2019. Alle Infos unter www.hamburger-kunsthalle.de