Aiga Rasch und ihre Detektive
Die drei ??? und Sherlock Holmes
Fast jeder ist wohl im Verlauf der letzten 50 Jahre schon mal irgendwie über „Die drei ???“ gestolpert, hat die Geschichten selbst gelesen, als Hörspiel auf Audio-Cassette verfolgt, mit Kindern und Enkelkindern geteilt. Die Jugend-Krimireihe kann auf jahrzehntelange Erfolge quer durch die Generationen zurückblicken. Die spannenden Geschichten um die drei Hobby-Detektive Justus, Peter und Bob sind aber – zumindest in Deutschland – nur ein Grund für die große Resonanz. Hierzulande haben die kraftvollen Illustrationen von Aiga Rasch maßgeblich dazu beigetragen, denn nachdem ihre Bilder auf den Covern der Stories ins Licht der Öffentlichkeit gelangten, erhöhten sich die Verkaufszahlen konstant.
Nun zeigt das Altonaer Museum die farbenfrohen Arbeiten der Illustratorin, die auf Millionen von Büchern, Schallplatten, Kassetten, CDs und zahllosen Fanartikeln prangen. Die Ausstellung widmet sich umfassend dem Werk einer außergewöhnlichen Grafikerin und Illustratorin, die vom Kunstmagazin „art“ als „die erfolgreichste unbekannte Künstlerin Deutschlands“ bezeichnet wurde. Beleuchtet werden Aiga Raschs künstlerische Entwicklung ebenso wie ihre stilistische Eigenständigkeit, die sich durch starke Farbkontraste, reduzierte Kompositionen und eine unverkennbare Dramaturgie auszeichnet.
Aiga Rasch (1941 – 2009) wurde in eine künstlerisch geprägte Familie geboren, der Großvater war Kunstmaler, die Mutter Malerin und Grafikerin, der Vater Architekt. Nach ersten Versuchen Richtung Schriftstellerei und Journalismus brach sich Aigas zeichnerisches Talent jedoch Bahn. Ohne reguläre Ausbildung und mit viel Learning by Doing entwickelte Rasch schließlich eine ganz eigene grafische Handschrift. Bereits Mitte der 1960er Jahre gestaltete sie Illustrationen für die Detektivgeschichten um Nancy Drew, eine US-amerikanische Jugendbuchfigur und Hobbydetektivin, bevor sie ab 1969 mit den Covern für „Die drei ???“ einen radikal neuen visuellen Ansatz entwickelte. Dieser Stil wurde zum Markenzeichen der gesamten Reihe und beeinflusste auch ihre Arbeiten für weitere Serien – darunter Ausgaben zu Arthur Conan Doyles Geschichten über Sherlock Holmes und „Alfred Hitchcocks Gruselkabinett“, die heute allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten sind.
Kleines Schmankerl am Rande: Rasch arbeitete schon einige Jahre als freie Illustratorin für den Franckh-Kosmos-Verlag, als ihr die ersten beiden Bände der „Drei ???“ mit den Schutzumschlägen von Jochen Bartsch ins Auge fielen. Ihr Verdacht, dass die Resonanz darauf nur gering sein könne, wurde bestätigt und so schlug sie vor, einen eigenen Entwurf zu gestalten. Den man ihr als Frau bei diesem vermeintlich „männlichen“ Thema erst allerdings nicht zutraute. Es brauchte einiges an Überzeugungskünsten – und aus dem ersten Cover wurden schließlich 89.
Um in den vollen Genuss der Bilder um die „Drei ???“ zu gelangen, muss man schnell sein: Aus konservatorischen Gründen müssen rund 90 Prozent der ausgestellten Originalgrafiken Anfang Dezember 2026 ausgetauscht werden. Doch damit wird der Fall keineswegs abgeschlossen sein: Anstelle von Reproduktionen präsentiert die Ausstellung in der zweiten Halbzeit weitere Motive aus Aiga Raschs Werk und bietet somit eine zweite Gelegenheit, die Vielschichtigkeit ihres Schaffens neu zu entdecken.
Aiga Rasch und ihre Detektive, bis 14. März 2027 (ab Dezember Motivwechsel), Altonaer Museum, Museumstraße 23, 22765 Hamburg, Mo 10 bis 17 Uhr, Mi – Fr 10 bis 17 Uhr, Sa – So 10 bis 18 Uhr, Di geschlossen. Weitere Informationen auf www.shmh.de/altonaer-museum/