Die aktuellen Premieren der Hamburger Theater
Die Neuproduktionen im Oktober:
THALIA THEATER
DSCHINNS
Die Großeltern von Fatma Aydemir kamen als kurdisch-türkische Gastarbeiter nach Deutschland. Die Journalistin und Schriftstellerin, die in Karlsruhe geboren wurde, kennt also aus eigener Erfahrung die Probleme einer Migrationsfamilie. „Dschinns“, 2022 erschienen, ist ihr zweiter Roman. Für das Thalia Theater bearbeitete ihn der Regisseur Hakan Savas Mican, der ebenfalls türkische Wurzeln hat. Es geht um die Familie von Hüseyin, der nach 30 Jahren Schwerarbeit in Deutschland wieder in seine Heimat zurückkehren möchte. Doch kurz bevor er in die neue Wohnung in Istanbul einziehen kann, stirbt er an einem Herzinfarkt. Zu seiner Beerdigung will sich seine Familie in Istanbul versammeln. Aus sechs Perspektiven erzählt die Autorin von den unterschiedlichen Ängsten und Traumata der Familienmitglieder, von der Kluft zwischen Eltern und Kindern, von Verlust und Zusammenhalt. Die „Dschinns“ – die Geister – stehen dabei in den Augen der Autorin „für all die Leerstellen, für das Verschleiern und Verdrängen“:
ALTONAER THEATER
22 BAHNEN
Der Debütroman von Caroline Wahl war 2023 auf Anhieb ein Bestseller. Kritiker waren begeistert von ihrem authentischen Schreibstil, der frisch und unverstellt ein Gemisch der Gefühle zwischen Liebe, Angst, Wut und Melancholie preisgibt. Im Mittelpunkt steht Tilda, die sich aufreibt zwischen Studium, Job im Supermarkt und der Sorge für ihre elfjährige Schwester Ida. Denn die Mutter der beiden ist alkoholkrank. Im Schwimmbad zieht Tilda jeden Tag „22 Bahnen“, ihre Zuflucht von ihrem zermürbenden Alltag. Ein Lichtblick deutet sich an, als ihr eine Promotionsstelle in Berlin in Aussicht gestellt wird. Doch sie zögert, Ida allein bei der Mutter zu lassen. Als Viktor, der Bruder eines ehemaligen Freundes, auftaucht, findet sie Unterstützung. Doch die Entscheidung kann ihr niemand abnehmen. Das Altonaer Theater zeigt eine Bühnenfassung mit Musik von Clemens Mädge. Die Fortsetzung des Romans, „Windstärke 17“, kam im März dieses Jahres im Ernst Deutsch Theater auf die Bühne.
KOMÖDIE WINTERHUDE
2:22 – EINE GEISTERGESCHICHTE
Gibt es Geister wirklich? Oder sind sie nur Einbildung? Das ist die Frage in Danny Robins‘ 2021 in London uraufgeführtem Stück, der sich das junge Paar Jenny und Sam stellen muss. Jenny hört nämlich plötzlich über das Babyphon im Kinderzimmer jede Nacht um 2:22 Uhr merkwürdige Schritte. Als überzeugter Skeptiker hält Sam das für absoluten Unsinn. Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, lädt Jenny ein befreundetes Paar ein, bis spät in die Nacht bei ihr zu bleiben und das unheimliche Geschehen zu bezeugen. Überraschend kommt auch Sam dazu und es entspinnt sich eine lebhafte Diskussion über alles Übernatürliche, über Glauben und Wissenschaft. Mit Witz und gruseligen Überraschungen sorgt der britische Autor für Spannung. In der Komödie Winterhude inszeniert Martin Ganser den Spuk mit Lena Dörrie und Max von Pufendorf als Jenny und Sam.
HAMBURGER KAMMERSPIELE
DER GANG VOR DIE HUNDE
Erich Kästners Roman „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ aus dem Jahr 1931 ist nicht nur die Geschichte eines jungen Mannes, der von einem Schicksalsschlag zum nächsten taumelt, sondern zugleich das Zeitporträt vom Ende der Weimarer Republik, in der sich die Nazi-Herrschaft schon ankündigt. Liebe, Hass, Gewalt, Enttäuschungen und Selbstmordgedanken beherrschen das Leben und das Scheitern von Fabian. Er verliert seinen Job, seine Freundin und seinen Glauben an eine Zukunft. In den Kammerspielen wagt Martin Brambach den „Gang vor die Hunde“ mit einer szenischen Lesung. Musikalisch begleitet wird der Streifzug durch das unmoralisch ausufernde Berlin der frühen 30er Jahre, den die Kammerspiele als „ausschweifend, pornografisch, dekadent und hochpolitisch“ ankündigen, von den Babylon Syncopators. Im Ensemble mit dabei: Brambachs Ehefrau, die österreichische Schauspielerin Christine Sommer.
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