Der Tatortreiniger, Staffel 2
Vier Episoden der NDR-Kultserie kommen in den Kammerspielen auf die Bühne. Ulrich Bähnk führt Regie und spielt mit.
Er taucht immer erst nach einem Verbrechen auf: Mit Putzeimer und tiefgründiger Alltagsphilosophie rückt Schotty gegen die blutigen Relikte an einem Tatort ins Feld. Von 2011 bis 2018 zog „Der Tatortreiniger“ damit die Fernsehzuschauer in seinen Bann. Im vergangenen Jahr eroberte er sich dann auch die Bühne und das Publikum der Kammerspiele. Jetzt kommen dort vier neue Episoden der NDR-Kultserie heraus. Als Regisseur und Schauspieler ist auch Ulrich Bähnk dabei.
Das Prinzip der Produktion ist: Vier Regisseurinnen und Regisseure inszenieren die Stücke, vier Darstellerinnen und Darsteller sind in jeweils einer Episode der Tatortreiniger. Ulrich Bähnk, der in Hamburg auch von vielen anderen Theatern bekannt ist, führt Regie bei „Über den Wolken“. Schotty kämpft mit Nikotinentzug und den Folgen eines Axtmordes. Dabei wird er vom Mörder überrascht und selbst zur Geisel. In der Episode „Anbieterwechsel“ spielt Bähnk selbst den Schotty. In einem Büro für Religionen diskutiert er mit der Besitzerin über Gott und die Welt und das Leben im Paradies. In „Nicht über mein Sofa“ ist er der Nachbar einer verdächtigen Witwe und in „Sind Sie sicher?“ der Mitarbeiter eines sadistischen Chefs.
Als Fernsehzuschauer war Ulrich Bähnk bereits Fan von Schotty. „Der Reiz der Serie ist, dass sie sich in kein klassisches Format reinstecken lässt. Der Tatortreiniger kommt völlig unbedarft in die Häuser fremder Menschen und stolpert dabei in die skurrilsten Situationen.“ Bjarne Mädel wurde mit dieser Rolle populär. Vor einer Kopie warnt der Schauspieler: „Das sollten wir alle tunlichst vermeiden.“ Aber den norddeutschen Humor, die leicht schnodderige Gelassenheit, die Bjarne Mädel mit eingebracht hat, kann der in Plön geborene 60-Jährige gut nachempfinden. „Ich bin halt auch ein Norddeutscher. Ich lebe und arbeite jetzt 40 Jahre in Hamburg und das, finde ich, ist schon ein Pfund.“
Das 40-jährige Schauspiel-Jubiläum feiert er allerdings etwas verspätet erst im nächsten Frühjahr mit dem Stück „Himmelerdeblau“ am Altonaer Theater. Im Schauspielhaus hatte es einst angefangen, mit Shakespeares „Julius Cäsar“. Bähnk erinnert sich noch ganz genau an seinen ersten Satz als Seher und rezitiert: „Die Auguren raten Euch, heute nicht aus dem Haus zu gehen…“
Seitdem trat er in fast jedem Hamburger Theater auf, führte in vielen davon Regie, spielte unzählige Fernsehrollen und wurde mehrfach preisgekrönt, unter anderem mit dem Boy-Gobert-Preis und dem Rolf Mares-Preis. Sogar das Ohnsorg Theater blieb ihm nicht verwehrt, da er als bekennender Norddeutscher natürlich auch Platt spricht. Für die ständige Verwandlung in die verschiedensten Figuren – grobe, sensible, komische, tragische – hat er seine ganz eigene Methode: „Ich gehe immer erst von mir selbst aus. Ich bin keiner, der sich im Vorfeld schon etwas ausdenkt. Ich kreiere von innen heraus eine Figur. Und wenn ich dann anfange, von einer Rolle zu träumen und beim Einkaufen oder Abwaschen in Gedanken damit beschäftigt bin, dann ist irgendwann eine Figur daraus geboren.“ Bei der Regie und beim Spielen schwört er auf Improvisation. „Ich stelle meine Schauspieler gern erstmal in die Proben rein und begebe mich dann mit ihnen zusammen auf die Suche.“
Inzwischen grenzt Ulrich Bähnk seine Aktivitäten auf etwa drei Produktion im Jahr ein, damit es ihm nicht zu viel wird. Die nötige Entspannung findet der Vater von drei erwachsenen Söhnen auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern, wo er mit seiner Lebensgefährtin Schafe hält.
Alle drei Söhne teilen die Leidenschaft fürs Theater mit dem Papa und sind als Autor, Regisseur, Dramaturg oder Schauspieler aktiv. Mit ihnen will er sich im nächsten Jahr einen Traum erfüllen und sozusagen als Generationenprojekt Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ produzieren. Der älteste Sohn wird Regie führen, er selbst spielt die Titelfigur Willy Loman. Ein Gastspiel damit an den Kammerspielen ist geplant. 1993 hatte Ulrich Bähnk in diesem Stück am Schauspielhaus den Nachbarsjungen Bernard gespielt. „Damals habe ich schon gedacht, wenn ich mal so alt bin, dann wäre ich gern der Willy Loman.“ Und jetzt ist es soweit
Interview: Brigitte Ehrich
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