Der geplante Neubau (rechts) © Lacaton Vassal
Der geplante Neubau (rechts) © Lacaton Vassal

Kampnagel: Umbau als kreativer Prozess

Ab sofort haben wir Hamburgs drittes Staatstheater wieder im Programm!

 

Kampnagel baut um – und spielt dabei einfach weiter. Eine der kreativsten Bühnen der Stadt lässt sich von Bauarbeiten nicht beeindrucken. Irgendwann haben schließlich alle in die Jahre gekommenen Bühnen das gleiche Problem: es muss saniert werden. Aber wo sollen dann die Aufführungen stattfinden? Kampnagel, ein Haus, das bekannt ist für sein innovatives Bühnenprogramm, setzt auch hier Zeichen. Mehr als drei Jahre werden Um- und ein geplanter Neubau dauern, aber anstatt in eine Interimsspielstätte auszuweichen, soll der Umbau Teil des künstlerischen Prozesses werden.
   

 

Die sechs Hallen des ehemaligen Eisenwerkes Nagel & Kaemp, das vor allem Ladegeschirr und Kräne produzierte, haben eine lange Zeit auf dem Buckel. 1865 gebaut, wurde hier noch bis 1968 produziert. 1981 wurde die Anlage endgültig geschlossen. Die Hallen sollten abgerissen und der Grund mit Wohnhäusern bebaut werden. Dann musste jedoch das Schauspielhaus saniert werden und fand hier ein Ausweichquartier. Und was vom Schauspielhaus nicht genutzt wurde, „okkupierten“ freie Theatergruppen. Es waren schließlich die 80er Jahre, mehr als ein Gebäude wurde damals besetzt, um es vor dem Abriss zu retten. 
   

 

So kam eines zum anderen – nach dem Rückzug des Schauspielhauses 1984 an seine alte Wirkungsstätte und der Forderung der freien Theatergruppen nach Dauernutzung beschließt der Senat die Aussetzung des Abrissbeschlusses der Hallen, „solange sie vom Publikum angenommen werden“. Anfangs lief es etwas zäh, zu progressiv für den hanseatischen Geschmack war manchmal das Aufführungsprogramm. Inzwischen wird Kampnagel als drittes Hamburger Staatstheater längst vom Publikum geliebt.
   

 

Nun aber steht ein umfangreiches Sanierungsprogramm an, Technik und Bauten müssen überholt und modernisiert werden. Und wenn man schon mal dabei ist – weil mehr Platz benötigt wird, soll noch eine siebte Halle hinzukommen, unter anderem als Residenzgebäude für die künstlerischen Gäste. Mit dem Pariser Architekturbüro Lacaton & Vassal wurde ein erfahrener Partner gefunden, der die Besonderheit des Ortes versteht und erhalten will. Und wie geht es mit dem Theaterbetrieb weiter? In der ersten Bauphase bis Mitte 2028 wird in der Halle k6 gespielt, bevor auch hier saniert wird. Es ist geplant, dass zur Spielzeit 2029/2030 alle Hallen wieder in Betrieb genommen werden können. 
   

 

Die große Bühne k6 bleibt also erst einmal der Anker im Wandel. Und Sie, liebe Mitglieder, können alle Veränderungen aus nächster Nähe verfolgen, denn ab sofort haben wir Kampnagel wieder im Programm! Folgende spannende Produktionen stehen in nächster Zeit ins Haus: Der griechische Choreograf Christos Papadopoulos, der nicht nur Tanz und Choreografie, sondern auch Theater studiert hat, erforscht mit seiner präzisen, geradezu hypnotischen Bewegungssprache, wie Gemeinschaft entsteht und sich ihre Dynamiken entwickeln. Mable Preach, eine deutsche Theaterregisseurin, Performerin und Choreografin mit ghanaischen Wurzeln, hat mit ihrer OPERA OF HOPE einen Riesenerfolg geschafft. Eines der eindrucksvollsten Musiktheaterprojekte der vergangenen Jahre, in dem sich Oper, Gospel und politische Utopie zu einer Erzählung über Hoffnung und Zugehörigkeit verbinden, kehrt nun endlich wieder auf die Bühne zurück. Schließlich folgt noch Sharon Eyals Tanztheater DELAY THE SADNESS. Die in Jerusalem geborenen Choreografin pflegt eine beeindruckende und unverwechselbare Bewegungssprache, die manchmal distanziert wirkt – und in der es letztendlich doch immer um die intuitive Verbindung zu den anderen geht. Mehr zu den Aufführungen erfahren Sie im Ticketshop

 

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