Restaurierung der
Restaurierung der "Vier Jahreszeiten" © Roman Mishchuk

  

Die Fassung bewahren 

Das Museum für Kunst &
 Gewerbe zeigt seit einigen
 Monaten eine kleine Ausstellung
 – wobei: das Wort ist vielleicht
 etwas hoch gegriffen, es ist eher die
 Dokumentation eines Restaurierungsprojekts.
 Und damit sind die drei
 Wandvitrinen, ein zirka 5-minütiger
 Film, in dem eine Restauratorin ihre
 Arbeit erklärt, und die Infotafeln von 
Interesse für alle, die gern mal hinter 
die Kulissen gucken.
 

 

Die vier Pretiosen der barocken 
Goldschmiedekunst, um die es geht,
 sind Allegorien der vier Jahreszeiten,
 kaum 20 Zentimeter hoch. Hier sieht
 man überbordende, filigrane Pracht
 auf kleinstem Raum: Die Göttinnen 
Flora, Ceres, Diana und Kybele, die 
jeweils eine Jahreszeit personifizieren, 
sind aus Elfenbein geschnitzt 
und reich geschmückt, mit Perlen
 und Edelsteinen, mit Email und geschliffenem
 Glas. Geschaffen hat sie 
Christoph Ertel,
 über den man
 nur wenig weiß.
1699 ließ er sich
 im sächsischen 
Zittau als Goldschmied 
nieder,
 auf der Leipziger
 Ostermesse 
im Jahr 1705
 erlangte er die 
Aufmerksamkeit
 von August
 dem Starken
 und verkaufte
 ihm vier Ausstellungsstücke.
 Insgesamt umfasste
 Augusts
 Sammlung im
 Grünen Gewölbe in Dresden zwölf Arbeiten von 
Ertel – sicher verhalf jenem diese 
„Werbung“ zum späteren Ruf an den
 Hof des Fürstbischofs von Breslau. 

 


Der damalige Direktor des Museums 
für Kunst & Gewerbe, Max Sauerlandt,
 kaufte 1926 Ertels „Vier Jahreszeiten“
 für sein Haus. Schon zu der Zeit 
waren kleinere Schäden vorhanden,
 im letzten Jahr mussten die Kunstwerke
 umfassend restauriert werden.
 Ausgestellt werden nun nicht nur die 
Skulpturen, sondern auch sämtliche 
Materialien und Arbeitsgeräte, die es 
braucht, um solche Werke zu schaffen 
und zu restaurieren.
 

 

Dabei wird deutlich, dass nicht nur
 die handwerklichen und technischen
 Kenntnisse dafür vorhanden sein müssen,
 es ist auch Erfindungsreichtum
 vonnöten, weil manchmal Arbeitsgeräte
 für genau diese eine zu restaurierende
 Pretiose erst entwickelt werden
 müssen. Darüber hinaus kommt so
 alles Mögliche an Gerätschaften zum
 Einsatz, die auch gut aus einem Operationssaal,
 dem Zoo oder sogar dem 
häuslichen Badezimmer stammen 
könnten.

 

In der mittleren Vitrine am Ende des Hauptganges in der Abteilung „Historismus“
 im Erdgeschoss des Museums
 kann man die kleinen Kunstwerke
 nun wieder in ganzer Schönheit bewundern.
 Und wenn Sie schon mal im
 Museum sind – schauen Sie sich hier 
doch mal wieder genauer um, es gibt
 einfach so endlos viele schöne und
 interessante Dinge zu bestaunen.

 



„Die Fassung bewahren“, bis 12. April 2026, Museum
 für Kunst & Gewerbe, Steintorplatz,
 20099 Hamburg,

Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21
Uhr (donnerstags ab 17 Uhr ermäßigter Eintritt).

Weitere Informationen auf www.mkg-hamburg.de.