Zu Gast bei Alma Hoppe:  Kabarettistin Tina Teubner © Jens Schneider
Zu Gast bei Alma Hoppe: Kabarettistin Tina Teubner © Jens Schneider

Wenn Du mich verlässt, komm' ich mit!

Die Kabarettistin Tina Teubner gastiert im April
 beim Kabarettfest in Alma Hoppes Lustspielhaus

 

Sie gilt als eine der brillantesten 
Kabarettistinnen unserer Zeit.
 Seit fast 35 Jahren tourt sie durch
 die deutschsprachigen Länder und tritt
 zwischendurch auch im Fernsehen
 auf. Mit vielen Preisen wurde sie bisher
 ausgezeichnet, mit dem Deutschen 
Kleinkunstpreis sogar zweimal, zuletzt
 2024 mit dem Salzburger Stier. Ihre 
Sprache ist intelligent, eloquent, poetisch,
 aber auch mal deftig derb. Ihre
 liebenswerten Spitzen treffen Männer 
und Mütter, Mächtige und Mauerblümchen
 und alles, was die Welt sonst
 noch so bewegt. Sie selbst bezeichnet
 sich als begnadete Melancholikerin mit 
ausgeprägter Tendenz zu humorvollen 
Lösungen: Tina Teubner.

 

„Ich mache vor den ganz großen
 Lebensthemen nicht halt – aber ich 
fühle mich verpflichtet, das am Ende 
so humorvoll und einfach wie möglich
 zu tun“, erklärt sie. Sie beschäftigt sich
 vor allem mit den Fragen, wie man ein
 sinnhaftes Leben hinkriegt und seinen
 Platz in der Welt findet. „Ich versuche,
 über das Leben zu schreiben. Wenn ich 
den Alltag thematisiere, dann eigentlich 
nur, um ein großes Thema dahinter 
sichtbar zu machen. Und meistens
 bemühe ich mich, es liebevoll zu tun.“

 


Vor der großen Politik macht sie
 nicht halt, aber es geht ihr dabei mehr
 um die Menschen, die dahinterstecken.
 „Als politische Kabarettistin muss 
man die Kamera auf Weitwinkel stellen 
und am Ende so tun, als wüsste
 man, wie es geht. Ich muss gestehen,
 ich weiß das nicht mehr. Für mich 
hat die Welt die Bedienungsanleitung
 verlegt und ich finde dort keine Pointe 
mehr.“ Trotzdem sei sie ein politischer
 Mensch und möchte auch so wahrgenommen
 werden.
 

 

16 Programme hat Tina Teubner
 seit 1991 herausgebracht. „Wenn du
 mich verlässt, komm‘ ich mit“, das
 Programm, mit dem sie am 10. April 
in Alma Hoppes Lustspielhaus auftritt,
 entstand vor zehn Jahren und wird seitdem
 von ihr ständig aktualisiert. „Nicht
 nur in den politischen Anspielungen,
 es ändert sich auch etwas im Lebensgefühl,
 im Spiel und im Timing. Da 
denke ich, eine Geschichte ist eine todsichere
 Bank, und dann gibt es keinen 
Lacher mehr. Und umgekehrt.“ Doch
 was macht sie, wenn keiner lacht?
 „Zum Glück kommt das nicht oft vor.
 Aber dann muss man gelassen bleiben
 und ganz behutsam versuchen, das 
Publikum aus der Reserve zu locken.
 Es nützt nichts, wenn man sich dagegenstemmt 
und anfängt, das Publikum
zu beleidigen.“

 

Für ihren Erfolg hat die Kölnerin,
 Ehefrau und zweifache Mutter, eine
 einfache Erklärung: „Ich liebe meinen
 Beruf total, und ich liebe dieses Genre.
 Es ist die ganze Zeit ein Drahtseilakt. 
Ich kann manchmal krachende Pointen 
loslassen (wenn es der Erkenntnis
 und der Erheiterung dient, auch unter
 Niveau…), und im nächsten Moment
 mit der Untermalung von Schumann
 oder Brahms eine ganz berührende
 Geschichte erzählen. Das hat etwas 
unglaublich Unmittelbares.“ Der Kontakt 
zum Publikum ist Tina Teubner
 besonders wichtig. „Ich finde, das
 Publikum hat immer recht, egal wie es 
reagiert.“ Und wenn sie sich auch mal
 Scherze mit den Leuten in den ersten Reihen erlaubt, dann ohne Provokation
 und deutlich als Spaß deklariert. „Ich
 möchte keinen Menschen persönlich 
kränken.“

 

Mit Chansons hatte Tina Teubner 
zu Beginn der 1990er Jahre angefangen,
 die Kleinkunstbühne zu erobern.
 Chansons sind auch immer noch Bestandteil 
ihres Programms mit ihrem
 ständigen Begleiter am Klavier, dem 
Pianisten, Arrangeur und Komponisten 
Ben Süverkrüp. Einfühlsam
 untermalt er ihre Texte mit eigenen 
Melodien oder auch Zitaten aus der
 Klassik. „Wenn wir zu zweit einen 
Abend machen, der lustig, berührend
 und spannend sein soll, dann müssen 
wir mit ganz wenigen Mitteln auskommen“,
 erklärt die Kabarettistin. "Die
 Kleinkunst hat ja nicht solche Möglichkeiten 
wie das Theater mit Drehbühne
 und atemberaubenden Kostümen. Wir
 haben nur unseren Verstand, unser 
Herz und ein paar Instrumente. Musik
 kann unglaublich emotionalisieren.
 Und daran arbeiten wir sehr genau
 und lange.“

 

Eigentlich hatte Tina Teubner Geigerin 
werden wollen. Doch das Studium
 an der Hochschule war für sie frustrierend. 
„Ich habe darunter als junge
 Studentin ziemlich gelitten. Ich habe
 es als wahnsinnigen Leistungsdruck
 empfunden und hatte das Gefühl, es
 wird viel über Fingersätze, Chancen,
 Probespiel, Etüden und Intonation
 gesprochen, aber wenig über Kunst und Musik. Die Enge in dieser Welt hat
 mich richtig abgeturnt.“ Für sie war es 
wichtig, Musik zusammen mit anderen 
Menschen zu machen. Sie brachte 
sich das Spiel auf vielen Instrumenten
 selbst bei und bis heute wird bei ihr zu
 Hause mit der Familie oder mit Freunden 
überall Musik gemacht.
 

 

Dem Zufall hatte sie es schließlich
 zu verdanken, dass sich ihr Lebensziel
 doch noch änderte. Ein Freund hatte
 sie zu einem zwanglosen Kneipen-
Konzertabend in Duisburg eingeladen.
 Als er sie aufforderte: „Sing doch auch
 mal was“, tat sie es tatsächlich. „Ich
 hatte bis dahin mit Chansons nichts
 am Hut. Aber dieser Abend war wirklich
 eine Initialzündung. Innerhalb
 von drei Monaten stellte ich ein eigenes
 Programm mit Chansons aus den 
20er Jahren zusammen, habe mein
 Examen gemacht und dann: Ihr könnt
 mich mal!“

 

Dabei hatte sie vielleicht schon als
 Kind gespürt, was einmal ihre Leidenschaft
 werden sollte. „Ich hab immer
 gesagt, ich möchte Clown werden.“ Der 
Mythos von dem Clown, der so lustig 
ist, im Innern jedoch auch so traurig,
 hatte sie fasziniert. „Später hab‘ ich
 dann Clown und Psychoanalytikerin
 gesagt. Und das ist jetzt die Mischung.“
 Die sie auf ihre Art perfektionierte:
 „Für das Programm ‚Wenn Du mich
 verlässt, komm‘ ich mit‘ habe ich drei
 Jahre gebraucht, um meine Wehmut 
über den Zustand der Welt in Komik 
zu verwandeln. Ich würde sagen: Es
 hat geklappt.“

 

 

Interview: Brigitte Ehrich

 

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