Parkomania
Unerzählte Geschichten aus dem Jenischpark
Der Jenischpark in Klein Flottbek
gehört in Hamburg wohl
zu den Lieblingsorten, gleiches
gilt für das Jenisch Haus, in dem
gern stilvoll geheiratet wird. Hier gibt
es immer wieder interessante Ausstellungen
mit Bezug zu Hamburg. Zurzeit
beschäftigt sich das Jenisch Haus
ausnahmsweise mal ausschließlich
mit sich selbst und seiner Geschichte
– auch mit weniger bekannten Aspekten.
Der Ausstellungstitel sagt es bereits –
es geht vor allem um die Begeisterung
für die Gestaltung von Landschaftsparks
und Gärten, die im 18. Jahrhundert
in Europa in einer
wahren „Parkomanie“
gipfelte. Reiche Hamburger
Kaufleute gönnten sich entlang der
Elbe ihre eigene Parkanlage und
konkurrierten
um den schönsten Garten.
In diesem Zusammenhang entstand
vor 240 Jahren der Jenischpark, der zu seiner Gründungszeit wohl
viermal so groß war wie
heute. Der kunst- und kulturbegeisterte
Hamburger
Kaufmann und Sozialreformer
Caspar Voght schuf
1785 in Klein Flottbek,
damals eine Gemeinde
westlich der Stadt Altona,
nach englischem Vorbild
eine
sogenannte „Ornamented Farm“,
ein Mustergut, auf dem das Schöne
und das Nützliche harmonisch miteinander
verbunden
werden sollten. Die
Kosten für so ein Prestige-Projekt waren
geradezu astronomisch: mindestens
250.000 Courantmark.
Dafür hätte
ein Dienstmädchen um 1800 ihren
Lohn mindestens 1.000 Jahre sparen
müssen – ohne einen Pfennig davon
ausgeben zu dürfen.
Voght wurde in eine wohlhabende
Kaufmannsfamilie geboren, wobei
er sich eher
für Kunst,
Soziales und
Wissenschaft
interessierte.
Letztendlich aber
mehrte er das Familienvermögen,
das ihm schließlich
ein derart
ambitioniertes
Gartenprojekt
ermöglichte. Erwirtschaftet
wurde
der Reichtum
durch den Handel
mit Kolonialwaren
wie Zucker,
Kaffee und
Tabak, und das
bedeutete auch:
Sklavenarbeit auf
überseeischen
Plantagen. Die
enge Verbindung
von Reichtum
und Kolonialismus
wird in dieser
Ausstellung
ebenfalls thematisiert.
Einen sehr
ähnlichen Hintergrund
hat Martin Johan Jenisch d. J., der im Jahr
1828 neuer Besitzer des Parks wurde.
Voghts
Geschäfte liefen nicht mehr
so gut, er musste verkaufen. Jenisch
folgte einem neuen Trend der Gartengestaltung,
er stellte
die landwirtschaftliche
Nutzung ein, formte die
Anlage zu einem Landschaftspark um
und errichtete die bekannte Villa als
Sommersitz. Er sammelte besondere
Pflanzen für seinen Garten, deren beeindruckende
Vielfalt man heute noch
im
verbliebenen Arboretum im nördlichen
Teil erahnen kann. Berühmt war
seine riesige Orchideensammlung, die
sogar den
dänischen König als Besucher
anlockte.
Spätere Erben wollten die Anlage
1927 parzellieren und verkaufen, um
dies zu verhindern, pachtete die Stadt
Altona den
Park und machte ihn der
Öffentlichkeit als Erholungsraum zugänglich.
Ende der 1930er Jahre war
Altona bereits eingemeindet
und die
Stadt Hamburg kaufte Park und Villa –
unter Wert. Die hochtrabenden Pläne
der Nationalsozialisten zur Umgestaltung
sowie das Ausweisen von Teilen
des Parks zum Naturschutzgebiet im
Jahr 1982 werden in der Ausstellung
ebenfalls beleuchtet.
Für einen zeitgenössischen Kommentar
sorgen die Malerin Susanne
Wind und der Fotograf Firat Kara,
die einen ganz
aktuellen Blick auf
den heutigen, viel kleineren Jenischpark
werfen, diese grüne Oase in der
Großstadt, die immer noch zu
jeder Jahreszeit schön ist und zu Muße und
Kontemplation einlädt.
„PARKOMANIA“, bis 6. September 2026, Jenisch
Haus, Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg,
Mi – Mo 11 – 18 Uhr,
Di geschlossen. Weitere
Informationen auf www.shmh.de.