Carl Friedrich Stange, Eichen im Flottbeker Park, um 1825 © SHMH
Carl Friedrich Stange, Eichen im Flottbeker Park, um 1825 © SHMH

 

Parkomania

Unerzählte Geschichten aus dem Jenischpark

 

Der Jenischpark in Klein Flottbek 
gehört in Hamburg wohl 
zu den Lieblingsorten, gleiches 

gilt für das Jenisch Haus, in dem
 gern stilvoll geheiratet wird. Hier gibt
 es immer wieder interessante Ausstellungen
 mit Bezug zu Hamburg. Zurzeit
 beschäftigt sich das Jenisch Haus 
ausnahmsweise mal ausschließlich
 mit sich selbst und seiner Geschichte 
– auch mit weniger bekannten Aspekten.
 

 

Der Ausstellungstitel sagt es bereits – 
es geht vor allem um die Begeisterung 
für die Gestaltung von Landschaftsparks 
und Gärten, die im 18. Jahrhundert
 in Europa in einer

wahren „Parkomanie“
 gipfelte. Reiche Hamburger 
Kaufleute gönnten sich entlang der
 Elbe ihre eigene Parkanlage und

konkurrierten
 um den schönsten Garten.
 In diesem Zusammenhang entstand
 vor 240 Jahren der Jenischpark, der zu seiner Gründungszeit wohl 
viermal so groß war wie
 heute. Der kunst- und kulturbegeisterte
 Hamburger
 Kaufmann und Sozialreformer
 

Caspar Voght schuf
 1785 in Klein Flottbek,
 damals eine Gemeinde
 westlich der Stadt Altona,
 nach englischem Vorbild 
eine

sogenannte „Ornamented Farm“,
 ein Mustergut, auf dem das Schöne
 und das Nützliche harmonisch miteinander
 verbunden

werden sollten. Die
 Kosten für so ein Prestige-Projekt waren 
geradezu astronomisch: mindestens
 250.000 Courantmark.

Dafür hätte
 ein Dienstmädchen um 1800 ihren
 Lohn mindestens 1.000 Jahre sparen 
müssen – ohne einen Pfennig davon
 

ausgeben zu dürfen.

 

Voght wurde in eine wohlhabende 
Kaufmannsfamilie geboren, wobei
 er sich eher 
für Kunst, 
Soziales und 
Wissenschaft
 interessierte. 
Letztendlich aber
 mehrte er das Familienvermögen,
 das ihm schließlich
 ein derart
 ambitioniertes 
Gartenprojekt 
ermöglichte. Erwirtschaftet
 wurde
 der Reichtum
 durch den Handel
 mit Kolonialwaren
 

wie Zucker,
 Kaffee und
 Tabak, und das
 bedeutete auch:
 Sklavenarbeit auf
 überseeischen 
Plantagen. Die 
enge Verbindung
 

von Reichtum
 und Kolonialismus 
wird in dieser
 Ausstellung
 ebenfalls thematisiert.
 

 

Einen sehr
 ähnlichen Hintergrund
 hat Martin Johan Jenisch d. J., der im Jahr
 1828 neuer Besitzer des Parks wurde.
Voghts

Geschäfte liefen nicht mehr
 so gut, er musste verkaufen. Jenisch 
folgte einem neuen Trend der Gartengestaltung,
 er stellte

die landwirtschaftliche 
Nutzung ein, formte die 
Anlage zu einem Landschaftspark um
 und errichtete die bekannte Villa als
 

Sommersitz. Er sammelte besondere 
Pflanzen für seinen Garten, deren beeindruckende
 Vielfalt man heute noch
 im

verbliebenen Arboretum im nördlichen
 Teil erahnen kann. Berühmt war
 seine riesige Orchideensammlung, die
 sogar den

dänischen König als Besucher
 anlockte.
 

 

Spätere Erben wollten die Anlage 
1927 parzellieren und verkaufen, um
 dies zu verhindern, pachtete die Stadt
 Altona den

Park und machte ihn der
 Öffentlichkeit als Erholungsraum zugänglich.
 Ende der 1930er Jahre war
 Altona bereits eingemeindet

und die
 Stadt Hamburg kaufte Park und Villa –
 unter Wert. Die hochtrabenden Pläne 
der Nationalsozialisten zur Umgestaltung
 

sowie das Ausweisen von Teilen
 des Parks zum Naturschutzgebiet im
 Jahr 1982 werden in der Ausstellung
ebenfalls beleuchtet. 

 


Für einen zeitgenössischen Kommentar 
sorgen die Malerin Susanne 
Wind und der Fotograf Firat Kara,
 die einen ganz

aktuellen Blick auf
 den heutigen, viel kleineren Jenischpark
 werfen, diese grüne Oase in der
 Großstadt, die immer noch zu

jeder Jahreszeit schön ist und zu Muße und
 Kontemplation einlädt.

 

„PARKOMANIA“, bis 6. September 2026, Jenisch 
Haus, Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg,
 Mi – Mo 11 – 18 Uhr,

Di geschlossen. Weitere 
Informationen auf www.shmh.de.