Geliebt und gefürchtet: KATZEN!
Katzen sind überall: Die sozialen
Medien werden überschwemmt
mit „Cat Content“, die japanische
Winkekatze Maneki-Neko steht in
vielen Bücherregalen, kleine Mädchen
(und große) haben Handtaschen mit
Miss-Kitty-Motiven und dergleichen
mehr. Die Faszination für dieses Tier
ist ein kulturell und geografisch weit
verbreitetes Phänomen.
Mehr als 15 Millionen Katzen leben
allein in deutschen Haushalten – damit
hat die Katze hierzulande allen
anderen tierischen Hausgenossen an
Beliebtheit den Rang abgelaufen. Genau
lässt sich nicht sagen, seit wann
Katzen und Menschen eng zusammenleben,
aber 10.000 Jahre dürften
es schon sein. Aber was bedeutet
eigentlich „Haustier“? Es gilt hierzulande als Familienmitglied, als Spielkamerad,
als Kuscheltier, abhängig von
seinen Besitzern. Eine Katze kann all
das sein, aber womöglich ist sie gleichzeitig
das einzige Haustier, dass sich
seine Wildheit und Unabhängigkeit
ein ganzes Stück weit bewahrt hat.
Was sich zum Beispiel dadurch zeigt,
dass eine Katze immer noch erfolgreich
auf die Jagd gehen und sich selbst
ernähren kann (Katzenbesitzer kennen
die kleinen Geschenke an die Hausgemeinschaft
in Form von Singvögeln
und Mäusen). Und manchmal sucht
sie sich einfach ein neues Zuhause,
wenn es ihr irgendwo nicht mehr
gefällt. Undenkbar für jedes andere
Haustier.
Zur Familie der Katzen gehören
natürlich auch die großen, wilden
Verwandten wie Löwe
und Tiger. Als Symbole
für Macht, Mut und Stärke
sind und waren sie
beliebte Insignien der
königlichen Herrscher.
In Lateinamerika wandelt
der Jaguar als heiliges
Tier wie ein Schamane
zwischen Diesseits und
Jenseits, im Alten Ägypten
wurde eine Göttin
in Katzengestalt als Beschützerin
von Müttern
verehrt. Sashthi, die
hinduistische Göttin der
Fruchtbarkeit, reitet auf
einer schwarzen Katze,
doch dieselbe Verbindung
zu Weiblichkeit und
Fruchtbarkeit führte im
frühneuzeitlichen Europa
zur Dämonisierung: Die
schwarze Katze wurde zur
Hexenbegleiterin stilisiert.
Diese ambivalenten
Zuschreibungen wirken
bis heute nach. Im US-Wahlkampf
2024 wurde
das Stereotyp der kinderlosen
„Katzen-Lady“
bemüht, um Frauen abzuwerten
– woraufhin diese
das Tier kurzerhand zu
ihrem Symbol machten.
Die Ausstellung versucht, der
scheinbaren Allgegenwart der Katze
in den unterschiedlichsten kulturellen
und gesellschaftlichen Zusammenhängen
auf die Spur zu kommen. Sie
„untersucht aus soziokultureller und
globaler Perspektive die symbolischen
und spirituellen Bilder der Katze, die
ihr zugeschriebenen Rollen sowie ihre
politische und mediale Darstellung in
Popkultur, Kultur- und Kunstgeschichte“, so die Direktorin des MARKK,
Barbara Plankensteiner. „Seit Jahrtausenden
dient die Katze als Projektionsfläche
für menschliche Wünsche und
Ängste. Sie steht symbolisch für viele,
oft gegensätzliche Vorstellungen – und
bleibt dabei selbst auf geheimnisvolle
Weise unberührt“, ergänzt Kuratorin
Lara Selin Ertener. Geheimnisvoll,
unabhängig, unbestechlich, gefährlich,
stark, niedlich, süß – vielleicht belegt
schon die Aufzählung dieser der Katze
zugedachten, widersprüchlichen Attribute
ihre Faszination. Sie ist einfach
nicht „zu fassen“.
Oder vielleicht doch? Es ist einen
Versuch wert. Das MARKK zeigt dazu
Objekte aus der hauseigenen weltumspannenden
Sammlung wie Altägyptische
Göttinnenstatuen, japanische
Dämonenmasken und schamanische
Jaguardarstellungen, dazu zeitgenössische
Kunstwerke sowie im Vorfeld der
Ausstellung aus Hamburger Haushalten
eingesandte Sammelstücke.
Katzen!, bis 29. November 2026,
MARKK – Museum am Rothenbaum,
Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg,
Di – So 10 – 18 Uhr, Do bis 21 Uhr.
Weitere
Informationen auf www.markk-hamburg.de.