Die aktuellen Premieren der Privat- und Staatstheater

Die kleine Meerjungfrau als
Die kleine Meerjungfrau als "fluid fairy fantasy" © Toni Suter

Die Neuproduktionen im Februar:

 

THALIA THEATER

Die kleine Meerfungfrau


„Die kleine Meerjungfrau“
verliebt sich in einen Prinzen
 und sehnt sich nach
 der Welt der Menschen. Sie
 opfert ihre Stimme und bekommt
 dafür Beine, kann
 aber nur unter Schmerzen
 gehen, sie verliert ihre Liebe
 und endet als Luftgeist.
 So das Märchen von Hans
 Christian Andersen, das
 poetisch schön und traurig 
zugleich ist. Ein tragisches
 Ende gibt es bei Regisseur 
Bastian Kraft jedoch nicht.
 Ihn faszinierte vor allem
 das Schillernde der Unterwasserwelt, in der die Konturen verschwimmen
 und Grenzen unscharf
 werden – eine Welt, in der er die Drag-
Szene mit all ihrem Glitzer und changierenden
 Verwandlungen gespiegelt
 sieht. Geschlechterrollen werden unwichtig. 
Mit vier Schauspielern und 
drei Drag-Queens schuf er eine Performance
 (Untertitel: A fluid fairy fantasy), 
in der sich Drag, Musik, Theater,
 Märchen, biografische Erzählung
 und Show mischen. Party und Rausch
 wechseln mit Schmerz und Stille. „Ein
Theaterwunder“ und „Feier der Diversität“ 
lautete ein Kritikerurteil nach 
der Uraufführung der Koproduktion 
mit dem Schauspielhaus Zürich im Januar
 2025.



 

THE ENGLISH THEATRE


PROOF

Wissenschaftliche Forschungen bekommen 
erst dann Gewicht, wenn ihre 
Ergebnisse bewiesen werden können.
 Darum geht es in David Auburns Stück 
„Proof“, das nach der Uraufführung in
 New York 2001 mit dem Pulitzer-Preis
 ausgezeichnet wurde. Catherine, Tochter
 eines genialen Mathematikprofessors,
 hatte ihren Vater lange Jahre während seiner Krankheit gepflegt. Nach 
seinem Tod entdeckt sein Doktorand
 Hal in seinem Nachlass eine bahnbrechende
 Erkenntnis über Primzahlen,
 die die akademische Welt erschüttern 
könnte. Catherine behauptet, sie selbst 
habe diese Entdeckung gemacht. Der 
Professor war schließlich zunehmend 
dem Wahnsinn verfallen. Aber was
 kann Catherine beweisen? Sie befürchtet,
 nicht nur das mathematische Genie ihres Vaters geerbt zu haben, sondern
 auch seine psychische Erkrankung.
 Verzweifelt versucht sie, die Kontrolle
 zu bewahren. Dabei kann ihr auch ihre
 Schwester nicht helfen. Mit Gwyneth 
Paltrow und Anthony Hopkins wurde 
„Proof“ 2005 verfilmt. Clifford Dean 
inszeniert das Stück jetzt für das
 English Theatre.

 

STAATSOPER HAMBURG

FAST FORWARD

Vier Tanzstücke, die unterschiedlicher 
kaum sein könnten, und 90 Jahre
 Ballettgeschichte werden an diesem Abend zusammengefasst: „Fast Forward“
 reicht von der Neoklassik George
 Balanchines (1904 - 1983) bis zur 
neuesten Choreografie der Chinesin
 Xie Xin. 1935 entstand das romantische
 Ballett „Serenade“ mit rund 25
 Tänzerinnen und Tänzern zu der Musik
 von Tschaikowsky. Damit leitete der aus Russland stammende Choreograf
 Balanchine in den USA eine ganz neue
 Tanz-Ära ein. Ganz intim und bewegend 
ist dagegen der Pas de Deux für 
zwei Frauen, den der Franzose Angelin 
Preljocaj sechzig Jahre später schuf.
 Mit „Annonciation“ – der Verkündung 
– interpretiert er die emotionale Begegnung
 von Maria mit dem Erzengel
 Gabriel. Vivaldis „Magnificat“ mischt
 sich dabei mit elektronischen Klängen.
 Poetisch und sogar grotesk wird es mit 
dem „Totentanz“ des Katalanen Marcos Morau, der in der Staatsoper seine
 Hamburger Erstaufführung erlebt. Es 
geht um die Zerbrechlichkeit des Lebens
 und die Auseinandersetzung mit
 der Zukunft der Gesellschaft. Morau
 ist für seine starken theatralischen Bilder 
bekannt. Den Abschluss macht die
 Uraufführung von „The Moon in the
 Ocean“ der Choreographin Xie Xin. Ihr
 Stil erinnert an schwebende Wolken
 und fließendes Wasser.

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE


LAST CALL - LETZTE RUNDE

Eine zufälliges Treffen in einer Wiener
 Bar, ein Disput über Kunst, Kultur
 und Konkurrenz, eine Uraufführung
 in New York: Der amerikanische
 Autor Peter Danish erfuhr von einer 
Begegnung der beiden Musik-Koryphäen
 Herbert von Karajan und Leonard 
Bernstein und machte ein Stück 
daraus, Regisseur Gil Mehmert inszenierte 
es, brachte es im letzten März
 an den Broadway und jetzt auch an
 die Kammerspiele, in der gleichen Besetzung 
mit Helen Schneider (Bernstein)
 und Lucca Züchner (Karajan).
 Die wahre Begegnung der beiden ungleichen 
Dirigenten fand 1988 statt 
und wurde von einem Kellner beobachtet.
 Eben jener Kellner erzählte 30 
Jahre später in derselben Bar Peter 
Danish davon. Karajan war damals zu einem 
seiner letzten Auftritte 
nach Wien gekommen.
Worüber er in der
 Bar des Hotel Sacher mit 
Bernstein sprach, bekam
 auch der diskrete Kellner
 nicht mit. Im Stück „Last
 Call“ jedoch kommt es zu 
einem ebenso komischen
 wie ernsthaften Streitgespräch.
 Bernstein wirft Karajan
 seine politische Vergangenheit
 vor, Karajan 
kritisiert Bernsteins überbordenden
 Dirigierstil. Bei
 allem aber steht natürlich
 die Musik im Mittelpunkt.

 

KOMÖDIE WINTERHUDE

KLEINE VERBRECHEN 
UNTER LIEBENDEN


Was tun, wenn der Ehemann 
allzu lästig wird? Eine Scheidung
 kommt im prüden Amerika
 der 50er Jahre nicht in 
Frage. Die einzige Lösung:
 Mord. Also beauftragt Jenny ihren
 Liebhaber John, den ungeliebten
 Robert umzubringen.
 Pech nur, dass der geplante
 Anschlag mit Rattengift-Crackern 
scheitert, da Robert seine 
Sekretärin Susy mitbringt.
 Doch damit nicht genug. Die 
beiden Männer arbeiten für 
eine große Zeitung und sind 
einem russischen Spion auf
 der Spur. Daraus ergeben sich Verdächtigungen, Wendungen, Überraschungen 
– nichts und niemand ist
 mehr sicher. Der französische Autor
 Franck Duarte zieht alle Register eines
 Spionage-Krimis und findet immer
 neue Absurditäten im Stil von
 „Mad Men“. Und am Ende müssen 
sich die Beteiligten fragen, wie weit 
sie aus Liebe zu gehen bereit sind.
 Duartes erste Komödie hieß „Kleine 
Eheverbrechen unter Freunden“ und
 war ein Überraschungserfolg in Paris.
 2023 folgte „Kleine Verbrechen unter 
Liebenden“. In der Komödie Winterhude 
erlebt das Stück seine deutsche
 Erstaufführung in der Regie von Harald
 Weiler mit Jan Sosniok und Marisa 
Burger.

  

ALTONAER THEATER

DAS GESICHT

Im März dieses Jahres wäre Siegfried 
Lenz 100 Jahre alt geworden.
 Im Rahmen von Intendant
 Axel Schneiders Programm zu
 Ehren des Schriftstellers kommt
 jetzt die Komödie „Das Gesicht“ 
ins Altonaer Theater. Die Uraufführung
 fand 1964 im Schauspielhaus 
in Hamburg statt. Im 
Mittelpunkt steht der Friseur 
Bruno, ehemaliger Regimekritiker 
und Widerstandskämpfer, 
nun aber nur noch ein unzufriedener,
 in seiner Ehe frustrierter
 Kleinbürger. Seine Chance 
kommt, als er wegen der verblüffenden 
Ähnlichkeit vom regierenden 
Diktator zu seinem Double ernannt wird. Nach einem Attentat
 auf den Diktator nimmt 
er nahtlos dessen Stelle ein und
 entwickelt sich zum gnadenlosen 
Machtmenschen. Regisseur 
Georg Münzel nutzt in seiner
 Bearbeitung aktuelle Anspielungen 
und eine groteske Gestaltung
 der Hauptfiguren (gespielt
 von Kai Hufnagel und Herbert
 Schöberl) für den komödiantischen
 Aspekt des Stückes. Die
 verschachtelte Sprache von Siegfried 
Lenz, die heute manchmal
 etwas altmodisch wirkt, glättete
 er zu einer leichteren Kunstsprache,
 ohne das Original zu
verfälschen.

 

STAATSOPER

MONSTER‘S PARADISE

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass die
 Komponistin Olga Neuwirth und die
 Schriftstellerin Elfriede Jelinek an 
Musik-Projekten zusammengearbeitet 
haben. Ein Auftragswerk der Hamburgischen
 Staatsoper hat sie nun
 wieder zusammengebracht. Ihr neues
 Projekt „Monster‘s Paradise“ wirft einen 
satirischen Blick auf unsere jetzige
 Zeit. Zwei Vampirinnen begeben
 sich auf eine Reise um die Welt. Eine
 Welt am Abgrund, beherrscht von einem 
riesenbabyhaften Tyrannen, gegen 
den das Monster Gorgonzilla den 
Kampf aufnimmt. Neuwirth selbst sagt, ihre Musik werde „in einer Welt
 voller Chaos und Destabilisierung
 durch verschiedene Frequenzen des
 Äthers schnauben, keuchen und wimmern“.
 Das Klangbild des klassischen 
Philharmonischen Staatsorchesters
 wird dabei durchzogen von Live-Elektronik,
 Drums und E-Gitarre. Tobias
 Kratzer, der neue Intendant der
 Staatsoper, inszeniert die abgründige
 Politgroteske und setzt damit sein
 Konzept von zeitgenössischen Themen
 und spektakulären Uraufführungen 
fort.

 

 

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