Janis Zaurins und Gosta Liptow als Watson und Sherlock Holmes © delovska
Janis Zaurins und Gosta Liptow als Watson und Sherlock Holmes © delovska

Der Hund von Baskerville 

Ein eingeschworenes Team: Gosta Liptow und Janis Zaurins spielen
 Sherlock Holmes und Dr. Watson im Imperial Theater

 

Der berühmte Meisterdetektiv 
Sherlock Holmes kehrt ins
 Imperial Theater zurück. Und
 natürlich ist auch sein Freund und
 Gehilfe Dr. Watson dabei, wenn es 
darum geht,

das Rätsel um den „Hund
 von Baskerville“ zu lösen. Der bekannteste
 Fall der beiden

stand 2010 schon 
einmal auf dem Programm des Krimitheaters.
 Und Frank Thann-häusers
 Bühnenadaption von Sir Arthur Conan 
Doyles Romanklassiker hat nichts von
 seiner gruseligen Spannung verloren.
 

 

Gosta Liptow stand auch damals
 schon als Sherlock Holmes auf der
 Bühne. „Aber wir gehen

da jetzt ganz 
neu ran“, erklärt er. Regisseur und Theaterchef
 Thannhäuser lässt Freiraum
 zum Ausprobieren. Da sind Textvariationen 
ebenso erlaubt wie kleine Seitenhiebe 
unter den Partnern. „Das macht
 das Ganze schön lebendig,“ meint Liptow.
 Zusammen mit Janis Zaurins als
 Dr. Watson klärte er auch 2017 schon
 das Geheimnis um den „Fluch des
 Pharao“ auf. 

 


Ein Fluch ist auch die Ursache für 
den Fall, in dem Sir Henry, der Letzte
 der Familie Baskerville, den brillanten
 Detektiv zu Hilfe

ruft. Seit ein Vorfahre
 1742 ein Mädchen ermordete, sorgt ein 
monströser Hund nach Einbruch der
 Dunkelheit in den Mooren

rund um 
das Anwesen Baskerville Hall mit seinem
 grausigen Geheul für Angst und
 Schrecken. Sir Henry fürchtet um sein
 Leben, nachdem der alte Sir Charles 
Baskerville auf dem Landsitz tot aufgefunden 
wurde. Holmes und Watson
 finden heraus, dass sich

ein entflohener 
Sträfling in den Mooren herumtreibt.
 Aber auch ein zwielichtiger Naturforscher
 macht sich verdächtig.
 

 

Als genauer Beobachter und analytisch-
rationaler Denker ist Sherlock 
Holmes zur Ikone der Krimiliteratur
 geworden. In zahlreichen Filmen und 
auch als Fernsehserie, zuletzt in der
 modernen Version mit Benedict Cumberbatch,
 wurde er immer wieder neu 
inter-

pretiert. Seine Arbeitsmethode mit 
detailgenauer Beobachtung und nüchterner
 Schlussfolgerung bleibt aber unverändert. 
Und ohne

Dr. Watson geht 
gar nichts. „Die beiden sind einfach 
ein unschlagbares Team“, sagt Janis
 Zaurins. „Sie ergänzen sich: Holmes
 als

kühler, sehr logischer Mensch und
 Watson eher als Gegenteil, mehr aus
 dem Bauch heraus und menschlich. “
Gosta Liptow findet

auch die Freundschaft
 zwischen den beiden wichtig.
 „Sherlock ist zwar teilweise ziemlich 
exzentrisch und lebt in seiner eigenen
 

Welt, aber er holt Watson immer wieder
 mit hinein, weil er nicht nur seine
 Arbeit, sondern auch ihn als Freund
 sehr schätzt.“

 

Nicht nur in ihren Krimirollen sind
 die beiden ein eingeschworenes Team,
 sondern auch als Schauspielerkollegen.
 Der Hamburger

Janis Zaurins kam
 schon 1997 ans Imperial Theater, Gosta
 Liptow folgte zehn Jahre später. Er 
stammt aus einer Schauspielerfamilie
 

und ist in den Beruf sozusagen hineingewachsen.
 Früher war er viel auf
 Tournee und in anderen Städten. Als
 Vater von zwei Kindern

hat er nun in
 Hamburg seinen Lebensmittelpunkt
 gefunden. Im Imperial Theater gibt es
 zwar kein festes Ensemble, aber viele
 Schauspielerinnen und Schauspieler,
 die dort immer wieder engagiert werden.
 

 

Seit fast zwanzig Jahren stehen
 Liptow und Zaurins nun gemeinsam
 auf der kleinen Krimibühne, in den
 unterschiedlichsten Rollen.

„Er kriegt 
immer die Frauen“, frotzelt Zaurins,
 „er ist immer der Liebhaber. Ich hatte
 noch nie eine Beziehung auf der Bühne 
– außer

im ‚Fluch des Pharao‘. Da
 hatte ich eine winzig kleine Romanze.
 Ich spiele mehr die etwas verschrobenen
 Charaktere und war auch schon 
mal ein Mörder.“ Die Kommissare
 und Detektive, auch in den beliebten
 Edgar-Wallace-Krimis, sind eher Liptow
 vorbehalten.

„Ich hab hier 2007 schon 
als Privatdetektiv angefangen“, erzählt 
er. Der hatte sich in „Der grüne Bogenschütze“ 
zunächst allerdings als Butler
 getarnt. 

 


Den Erfolg der nostalgischen Krimis,
 auf die das Imperial Theater spezialisiert 
ist, führen beide auf die präzise
 Atmosphäre der Produktionen zurück.
 „Der Charme der Aufführungen ist,
 dass die Zeit bedient wird, in der die
 Geschichten geschrieben wurden“, sagt
 Liptow. „In anderen Theatern werden
 Stücke modernisiert, um einen Bezug 
zum Heute herzustellen. Wir bleiben 
in der Zeit von damals. Die Zuschauer 
können sich auf originale Details
 bei Kostümen, Requisiten und dem
 Bühnenbild freuen.“ Darauf legt Regisseur
 Thannhäuser besonderen Wert. 
„Deutschland ist ein Krimi-Land“,
 meint Zaurins und erklärt die Vorliebe
 für die Edgar-

Wallace-Krimis damit,
 dass viele Zuschauer mit den Filmen
 aufgewachsen sind. „Wenn man modernes
 Theater erwartet, dann ist man
 hier natürlich falsch. Aber wer sich darauf
 einlässt, ist begeistert und kommt 
immer wieder.“ Manchmal sogar mit
 seinen Enkeln.
 

 

Die Beliebtheit von Sherlock Holmes führt „Dr. Watson“ darauf zurück, dass 
er ein Ausnahmetalent ist. „Er konzentriert
 sich auf

bestimmte Dinge, sieht
 und findet Sachen heraus, die andere
 nicht sehen. Er ist eine zeitlose Figur
 und fasziniert heute ebenso

wie in der 
viktorianischen Zeit, in der Conan
 Doyle ihn erfand. Aber Holmes
 braucht auch immer einen Watson,
 einen Gegenpart.

Damit er jemanden 
hat, der zuhört, damit er jemandem
 erzählen kann, was er herausgefunden
 hat.“ Die Krimis aus dem 19. Jahrhundert 
mag er am liebsten. „Den typisch
 viktorianischen Grusel finde ich so toll,
 die Zeit, in der das Telefon noch nicht
 so

verbreitet war, als es noch kaum
 Elektrizität gab. Alle Hauptpersonen
 sind ein bisschen steif, was der Zeit
 geschuldet ist. Da wird

man als Schauspieler
 von der Atmosphäre mitgenommen 
und kann etwas ganz anderes
 verkörpern.“
 

 

Beide freuen sich sehr, dass sie im
 Imperial eine künstlerische Heimat
 gefunden haben. Allein schon wegen 
der familiären

Atmosphäre. Es ist
 schließlich in ihrem Beruf nicht ganz 
einfach, genügend Engagements zu 
bekommen, um die Miete zu bezahlen. 
„Schauspieler müssen flexibel sein“,
 erklärt Janis Zaurins, der auch Hörspiele
 spricht. „Ich kenne Kollegen, die
 als

Stadtführer arbeiten oder Comedy-
Touren im Bus machen. Man muss 
Ideen haben.“ Gosta Liptow setzt sich
 nebenher für Suchtprävention ein und
 arbeitet als Schauspieler und in der
 Organisation beim freien Jugendtheater SehnSucht, das mit seinen Stücken
 in Schulen gastiert. „Ich stelle mich 
gern Problemen“, meint er, „und finde 
es wichtig, dass man die Schüler mit
 diesem

Thema erreicht.“

 

Ansonsten immer „nur“ Krimis – 
eintönig wird das für die Darsteller
 aber nicht, denn auch in diesem Genre 
gibt es eine große Rollenvielfalt. Einmal
 musste Gosta Liptow sogar gleich 
zwei Rollen auf einmal spielen. Das 
waren vor zwei Jahren in „Jekyll &
 

Hyde“ der sanftmütige Arzt und das
 gefährliche Monster, in das er sich 
in der Nacht verwandelt. Aber auch 
Komödie hat im Krimi

Platz. Zaurins:
 „Besonders bei Edgar Wallace gibt es 
durchaus komische Momente. Wir
 machen das immer mit einem kleinen Augenzwinkern.“ „Das ist ganz 
wichtig“, ergänzt Liptow. „Ein Drama 
muss man auflockern durch Momente, 
in denen man auch mal lachen darf. 
Sonst wird die Anspannung zu groß.
 Wir versuchen dann aber auch wieder
 eine Ernsthaftigkeit zu haben, die 
zeigt,

dass Gefahr und Schrecken ehrlich
 gemeint sind.“ 

 


Steckt diesmal vielleicht auch etwas
 von ihnen selbst in ihren prominenten 
Rollen? „Ich bring viel von mir in meine 
Rollen ein,

aber die Rollen nehmen 
nicht viel von meinem Leben ein“, sagt
 Janis Zaurins. „Dr. Watson hat genauso 
eine große Faszination für Sherlock
 Holmes wie ich. Er beobachtet ihn genau.
 Das mach‘ ich auch. Ich beobachte
 gern und sehe meinen Kollegen bei 
der

Arbeit zu.“ Auch bei seinem Kollegen Gosta Liptow hat er eine Parallele
 zu dessen Rolle entdeckt: „Wie Sherlock
 ist Gosta sehr lösungsorientiert. 
Er ist jemand, der Konflikte löst und
 der, wenn sich eine Spannung aufbaut,
 beruhigend einwirkt.“ Liptow selbst 

sieht es pragmatisch: „Es heißt, Sherlock
 Holmes war 1,83 Meter groß. Ich
 bin 1,83 groß“, witzelt er. Aber dann 
findet er doch noch

eine charakterliche
 Gemeinsamkeit. „Zu Hause ziehe ich
 gern irgendwelche Schlussfolgerungen,
 sodass Freunde oft schon sagen: 


‚Jaja, Sherlock, ist ja gut.‘ Ich versuche,
 mir Sachen zu erklären, etwa warum
 eine Tür quietscht. Aber ich lass‘ immerhin 
noch Zweifel offen und sage:
 Es könnte so sein. Sherlock ist dagegen
 sehr „straight“ und sagt: Das ist so.“
 Was dann ja auch meistens stimmt.

 

Interview: Brigitte Ehrich

 

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