H. J. Aldenrath, Caroline Mohrmann, um 1815 © Hamburger Kunsthalle, Birgitt Schmedding
H. J. Aldenrath, Caroline Mohrmann, um 1815 © Hamburger Kunsthalle, Birgitt Schmedding

"For your Eyes only"

Miniaturen der Romantik

 

Nein, mit James Bond hat das
 hier nichts zu tun, wenn es 
auch viele charmante Damen 
und Herren zu betrachten gibt. Erstmals 
widmet sich die Hamburger 
Kunsthalle umfassend der facettenreichen 
Kunst der Miniaturmalerei in 
Hamburg, von ihrer Blütezeit um 1800 
bis zu den 1840er Jahren. Rund 200 
Miniaturen werden im Harzenkabinett 
in Vitrinen ausgestellt, ergänzt durch 
einige Gemälde, Druckgrafiken und
 Fotografien. Außerdem erfährt man
 mehr über die Herstellung der kleinen 
Kunstwerke.
 

 

Das Bedürfnis, ein Bild eines geliebten
 Menschen bei sich zu tragen, 
kennt wahrscheinlich jeder. Heutzutage 
ist das kein Problem, Fotos – meist
 elektronisch aufgenommen und auf
 dem Smartphone immer dabei – sind 
einfach und preisgünstig herzustellen. 
In der Zeit vor der Erfindung der Fotografie
 war das anders: Man musste
 eine Porträt-Zeichnung oder ein Gemälde
 anfertigen lassen. Ein aufwendiges
 und teures Vergnügen, das Adel
 und wohlhabendem Bürgertum vorbehalten
 blieb. Aber damals wie heute
 besteht das Verlangen, den vertrauten
 Menschen anzusehen und sein Bild bei sich zu tragen, wenn er selbst 
weit entfernt ist.
 

 

Die Kleinstbildnisse waren kostbare
 Unikate. Ihr Format – meist 
nur etwa 6 bis 10 cm – sowie die 
kunstvolle Fertigung mit Aquarell und
 Gouachefarben auf hauchdünnen Elfenbeinplättchen faszinieren 
bis heute. Perfekt gemalt wirken die 
Bilder fast immateriell. Die feine Stofflichkeit
 des Elfenbeins erinnert an die 
menschliche Haut, deshalb wurden die
 Gesichtspartien transparent gearbeitet
 und machten das Bild umso lebendiger.
 Die in Rahmen, Broschen oder
 Etuis gefassten Porträts zählten zu den 
persönlichsten Bildnissen, die Menschen
 von sich malen ließen. Die Miniaturisten 
trafen sich dafür mit ihren
 Auftraggebern mehrfach zu Sitzungen
und malten „nach der Natur“, oft auf
 speziell dafür entwickelten Malpulten.
 Eines ist in der Kunsthalle zu sehen.
 

 

Wie der Titel der Ausstellung schon 
sagt, waren diese Bildnisse nur für ein
 Augenpaar bestimmt, jenem des nahestehenden 
Menschen. Die Miniatur 
konnte ständig bei sich getragen und
 angesehen werden und so die Verbindung
 und die Erinnerung aufrechterhalten.
 Auf einem Werk macht ein
 Schriftzug das ganz deutlich: „An Dein
 Herz gedrückt, gehört er nur Dir“. Vor 
dem inneren Auge konnten Person 
und Abbild miteinander verschmelzen.
 Manchmal wurden die Bildnisse mit
  kunstvoll arrangierten Haaren der oder
 des Liebsten geschmückt, was den 
Status der Intimität noch steigert: Nur
 Vertraute dürfen das Haar eines Menschen 
berühren. Genau wie das Haar 
eines Menschen überdauert auch sein
 Bildnis, und so wird nicht nur die Erinnerung 
bewahrt, wie eine Miniaturmalerin 
einst erklärte, sondern beinah
 auch der Tod besiegt.
 

 

Porträtminiaturen waren um 1800 
in Europa weit verbreitet. Auch in
 Hamburg, das zu der Zeit einen
 wirtschaftlichen Aufbruch erlebte,
 der das künstlerische Schaffen in der 
Hansestadt nachhaltig beeinflusste.
 Erste private Kunstsammlungen entstanden,
 der Kunstverein wurde 1817
 gegründet, Ausstellungen und neue
Techniken wie die Lithografie trugen 
dazu bei, dass sich Hamburg zu einem bedeutenden Kunstzentrum im Norden
 entwickelte.
 

 

International bekannte europäische
Miniaturisten wie Giovanni Domenico 
Bossi, Carl Friedrich Demiani und
 Charles Hénard lebten und arbeiteten 
einige Zeit in Hamburg. Auch die
 Stadt selbst brachte herausragende
 Künstlerinnen und Künstler hervor,
 wie Leo Lehmann, Ernst August Abel 
oder Ferdinand und Caroline Stelzner.
 Besonders prägend waren Friedrich 
Carl Gröger und Heinrich Jakob Aldenrath.
 Mit der Erfindung der Fotografie
 1839 wurde dann ein Medium populär,
 das die Funktion der Bildnisminiatur
 zunehmend übernahm und schließlich
 vollständig ablöste. Durch die
 Daguerreotypie konnten kleinformatige
 Porträts realistischer und schneller 
gefertigt werden. Die kostengünstige
 Herstellung erschloss aber auch neue
 Kundenkreise, Stelzner zum Beispiel
 sattelte um und wurde Porträtfotograf.
 

 

Die Ausstellung im leicht abgedunkelten
 Harzenkabinett berührt. Gern 
würde man mehr über die dargestellten 
Personen erfahren, die einen hier 
so direkt anblicken wie einst das geliebte 
Gegenüber. Meist jedoch gibt es 
keine weiteren Informationen über sie.
 Und so bleiben die Miniaturen letztendlich
 so persönlich und privat, wie 
sie einst gedacht waren.

 

„For your Eyes only – Miniaturen der Romantik“,
 bis 7. Juni 2026, Hamburger Kunsthalle,
 Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg, Di – So
 10 – 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Oster- und Pfingstmontag
 geschlossen.

Weitere Informationen auf
www.hamburger-kunsthalle.de.