Die aktuellen Premieren der Hamburger Theater

Stefan Hallmeyer in Hemingways
Stefan Hallmeyer in Hemingways "Der alte Mann und das Meer" © Richard Becker

Die Neuproduktionen im April:

 

ALTONAER THEATER

DER ALTE MANN UND DAS MEER

Man kann praktisch vernichtet werden,
 aber man darf trotzdem nicht 
aufgeben. Das ist die Quintessenz von 
Ernest Hemingways Novelle „Der alte 
Mann und das Meer“, die der Literaturnobelpreisträger
 1951 auf Kuba
 schrieb. Sie erzählt von einem Fischer,
 der mit unbeugsamem Willen gegen 
die Allmacht der Natur kämpft und 
trotz seiner letztendlichen Niederlage 
die Würde nicht verliert. Santiago hat 
seit 84 Tagen keinen Fang gemacht
 und ist verzweifelt. Aber noch einmal 
fährt er hinaus 
aufs Meer. Es gelingt
 ihm tatsächlich,
 einen riesigen 
Marlin zu 
fangen, der Fisch 
jedoch wehrt sich 
mit aller Kraft. 
Zwei Tage und
 zwei Nächte liefern
 sich beide
 einen unerbittlichen 
Kampf. 
Doch als der Marlin 
endlich aufgibt, 
folgen schon
 die Haie dem Fischerboot…
 Zweimal 
wurde die
Novelle verfilmt,
1958

mit Spencer 
Tracy, 1989 mit
 Anthony Quinn. 
Im Altonaer Theater 
spielt Stefan
 Hallmayer, mehrfacher
 Gewinner des Monika-Bleibtreu-
Preises und bis 2025 Intendant 
des Theaters Lindenhof Melchingen,
 den „alten Mann“. Sein Sohn Luca 
Zahn ist in dieser Koproduktion mit
 dem Theater Lindenhof sowohl für die
 Bearbeitung als auch die Inszenierung 
verantwortlich.

 

THALIA THEATER


HARD TIMES

Harte Zeiten in einer Industriestadt
 des Viktorianischen Zeitalters beschreibt 
Charles Dickens in seinem
 Roman, der 1854 erschien. In Coketown
 schießen die Fabriken aus dem 
Boden und die Schornsteine wachsen 
in den Himmel. Maschinen beherrschen 
das Leben.

Die Geschwister 
Louisa und Tom werden von ihrem
 Vater nach strengen Regeln erzogen,
 Emotionen haben dabei keinen
 Platz. Doch

bei Sissy, einem verlassenen 
Zirkuskind, finden sie Menschlichkeit
 und Fantasie und allmählich 
fängt ihre scheinbar klare Ordnung
 an

zu bröckeln. Gleiches gilt für die
 Fabrikarbeiter: Sie begehren auf und
 kämpfen gegen Unrecht und Ausbeutung.
 In seinem Roman stellt Dickens
 die Frage, warum die Gesellschaft ein
 System akzeptiert, das Menschen nur
 nach Leistung und Nutzen beurteilt.
 Regisseur

Antú Romero Nunes, der
 zuletzt 2020 am Thalia Theater das 
Drama „Maria Stuart und Elisabeth“
 als Zwei-Personen-Stück inszenierte, setzt „Hard Times“ in ein irrwitziges,
 bedrohliches, aber auch anrührendes
 Singspiel um. Das Projekt ist eine Koproduktion
 mit den Ruhrfestspielen
 Recklinghausen.

 

OHNSORG THEATER


DEUTSCHSTUNDE –
 BILLER IN FLAMMEN

Der bekannteste Roman von Siegfried 
Lenz ist „Deutschstunde“ aus dem Jahr
 1968. Darin beschreibt der Schriftsteller
 den Widerspruch zwischen geforderter
 Pflichterfüllung und eigener
 Verantwortung, ein zentrales Thema
 bei der Verarbeitung der Zeit des National-sozialismus.
 Ein Dorf in Schleswig-
Holstein 1943: Der linientreue Polizist
 Jens Ole Jepsen wird beauftragt,
 das Malverbot für den expressionistischen
 Künstler Max Ludwig Nansen
 durchzusetzen. Beide waren einst befreundet,
 doch jetzt sieht Jepsen es als
 seine Pflicht an, dem Befehl zu gehorchen.
 Sein Sohn Siggi jedoch hält zu
 dem Maler und will die Bilder retten.
 Emil Nolde, dessen Werke in der Nazi-
Zeit als „entartete Kunst“ galten, diente
 Siegfried Lenz als Vorbild für die Figur
 von Nansen. In diesem Jahr wird der
 100. Geburtstag des Autors groß gefeiert.
 Das Ohnsorg Theater zeigt aus
 diesem Anlass die Bühnenfassung des
 Romans als plattdeutsche Erstaufführung.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS 


HUNDEHERZ

Ein Moskauer Professor wagt ein
 Experiment: Er will einen besseren 
Menschen schaffen und pflanzt einem 
Straßenköter die Hirnanhangdrüse 
und Hoden eines Kleinkriminellen 
ein. Tatsächlich entwickelt sich
 der Hund zu einem Menschen, allerdings
 mit all

den negativen Eigenschaften 
des Organspenders: er säuft, 
ist vulgär, aggressiv und dabei offen
 für alle politischen Parolen und Machenschaften, 
solange sie ihm dienlich 
sind. Im Hause des Professors
 wird er für alle immer unerträglicher.
 Der Russe Michail Bulgakow schrieb 
seine Novelle 1925 als Satire auf den 
„neuen sowjetischen Menschen“, der
 nach der Oktoberrevolution 1917 in
 

aller Munde war. Moralisch gefestigt,
 kollektiv orientiert, arbeitsam sollte er
 sein, die Ideale von Freiheit, Gleichheit,
 Brüderlichkeit

feiernd – sozusagen 
ein besserer Mensch. Damals wie 
heute eine Unmöglichkeit. Das Werk
 wurde nach Erscheinen sofort verboten
 

und erst 1987 veröffentlicht, 47
Jahre nach Bulgakows Tod. Die Idee 
eines neuen Menschen durch Optimierung
 des Körpers und des Geistes 
hat sich allerdings trotz aller Negativerfahrungen 
als zeitlos erwiesen, wie 
heute wieder vielfach zu erleben ist.
 Im Schau-spielhaus inszeniert Claudia
 Bauer das „Hundeherz“. Die Regisseurin
 hatte sich hier 2024 mit den
 „Schattenpräsidentinnen“ zum ersten 
Mal vorgestellt. Es spielen unter anderem 
Sanda Gerling, Bettina Stucky 
und Maximilian David Scheidt.

 

 

THE ENGLISH THEATRE

ALL NEW PEOPLE

Charly ist verzweifelt und zieht sich in
 ein Strandhaus in New Jersey zurück,
 um sich umzubringen. Doch unvermutet
 erscheint dort

die Immobilienmaklerin
 Emma, die ihn gerade noch
 vor dem Selbstmord rettet und ihn zu 
überreden versucht, sein Vorhaben aufzugeben. Unterstützung erhofft sie
 sich von einem Feuerwehrmann, der
 zum Drogendealer wurde. Und dann 
taucht auch noch ein Escort-Girl auf.
 Sie alle haben mit einem Lebensproblem 
zu kämpfen. Gemeinsam jedoch
 gibt es vielleicht eine Lösung. „All New 


People“ ist das erste Stück des amerikanischen 
Schauspielers und Regisseurs
 Zack Braff, der Anfang der 2000er Jahre
 mit der

TV-Serie „Scrubs“ populär
 wurde. 2011 wurde es in New York uraufgeführt
 und zog dann nach London,
 wo Braff selbst auch die Hauptrolle
 spielte. Im English Theatre inszeniert 
jetzt Paul Glaser das Stück, welches 
mit bissigem Humor, gleichzeitig aber 
auch berührend, das Thema Einsamkeit 
in der heutigen digitalisierten Welt
 aufgreift.

 

STAATSOPER HAMBURG
 

FRAUENLIEBE UND -STERBEN

In der Beziehung zwischen Mann und
 Frau gibt es viele Variationen. Drei musikalisch-
dramatische Beispiele bündelt
 Staatsopern-Intendant und Regisseur 
Tobias Kratzer als Panorama von 
Sitte und Moral über die Jahre hinweg
 unter dem Motto „Frauenliebe und 


-sterben“. Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ (1918) zeigt, wie Judith
 (Mezzosopranistin Annika Schlicht),
 die von dem geheimnisvollen Blaubart 
fasziniert ist, die Abgründe in seinem 
früheren Leben erkennt und dennoch 
dem Schicksal seiner ehemaligen Frauen 
folgt. „Eine florentinische Tragödie“
(1917) von Alexander Zemlinsky
 beginnt mit dem Seitensprung von
 Bianca und dem Prinzen von Florenz.
 Als ihr Mann, ein Tuchhändler, davon 
erfährt, kommt es zum Streit und am 
Ende zum tödlichen Duell. Der Liederzyklus 
„Frauenliebe und -leben“ (1840)
 von Robert Schumann, der für den Titel
 dieses Abends Pate stand, erzählt
 schließlich von einem bürgerlichen
 Frauenschicksal, das für die damalige 
Zeit bezeichnend war. Erste Liebe, Ehe,
 Geburt eines Kindes, Tod – die Gefühle
 dieser Frau kreisen nur um ihren 
Mann, während er sich von ihr immer 
mehr distanziert.

  

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